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Therapie von akuten Schmerzen: Wirksamkeitsvergleich von Ibuprofen-Lysinat und Ibuprofen

Der Wirkstoff Ibuprofen, ein weit verbreitetes nicht-steroidales Antiphlogistikum, wird unter anderem bei akuten Schmerzen eingesetzt. Dabei ist ein schneller Wirkungseintritt essentiell. Aufgrund der langsamen Auflösung von Ibuprofen im Magen wurde Ibuprofen-Lysinat entwickelt, das eine bessere Löslichkeit aufweist. In pharmakokinetischen Untersuchungen wird die maximale Plasmakonzentration somit schneller erreicht, was eine wichtige Voraussetzung für einen schnellen Wirkungseintritt darstellt. In einer kürzlich veröffentlichten klinischen Studie wurde die analgetische Wirkung von Ibuprofen und Ibuprofen-Lysinat bei akutem Schmerz verglichen. Die Resultate der Studie rücken die pharmakokinetischen Vorteile von Ibuprofen-Lysinat nun in ein anderes Licht.


Thema

Randomisierte, doppel-blinde, Placebo-kontrollierte Studie von Ibuprofen-Lysinat im Vergleich zu Ibuprofen bei akuten postoperativen Zahnschmerzen

Studienart

Klinische Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Pain and Therapy

Ibuprofen ist ein weit verbreitetes und breit angewendetes nicht-steroidales Antiphlogistikum, das zur Behandlung von akuten leichten bis mäßig starken Schmerzen eingesetzt wird. Als Säure löst sich Ibuprofen langsam im sauren Milieu des Magens, sodass maximale Plasmaspiegel mitunter erst 90 Minuten nach Einnahme erreicht werden. Nachdem ein schneller Wirkungseintritt für die Behandlung von akuten Schmerzen essentiell ist, wurden in der Vergangenheit neue Formulierungen entwickelt, die eine schnellere Absorption und damit eine raschere orale Bioverfügbarkeit ermöglichen. Dazu zählen Brausetabletten, flüssige Zubereitungen oder Lysin- und Arginin-Salze der Säure Ibuprofen. Mit diesen neuen Formulierungen werden maximale Plasmakonzentrationen bereits 29 bis 40 Minuten nach Einnahme erreicht. Diese Werte beziehen sich allerdings typischerweise auf die Nüchterneinnahme mit mehr als 10 Stunden ohne vorherige Nahrungsaufnahme.

Bisher wenige Daten zum direkten Vergleich zwischen Ibuprofen und Ibuprofen-Lysinat

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 zeigte, dass schnell-lösliches Ibuprofen wirksamer als herkömmliches Ibuprofen ist [1]. Allerdings stützt sich diese Meta-Analyse auf eine kleine Zahl an Studien, die mit Ibuprofen-Arginat durchgeführt wurden. In keiner der Studien wurde Ibuprofen-Lysinat als Vergleich verwendet. Die vorliegende Studie untersuchte daher die analgetische Wirkung sowie den Wirkungseintritt von Ibuprofen und Ibuprofen-Lysinat bei Patienten nach einer Weisheitszahn-Operation. Die operative Weisheitszahnentfernung eignet sich besonders gut als Schmerzmodell für die Evaluierung der Wirksamkeit von nicht-steroidalen Antiphlogistika und wird von der Europäischen Zulassungsbehörde zur Untersuchung von Analgetika bei akuten somatischen Schmerzen empfohlen. Das liegt daran, dass es sich dabei um einen standardisierten chirurgischen Eingriff handelt, der nur einer Lokalanästhesie bedarf und der einen substantiellen postoperativen Schmerz bis zu 48 Stunden nach dem Eingriff zur Folge hat.

Klinische Studie vergleicht Ibuprofen und Ibuprofen-Lysinat bei akuten Schmerzen

In die randomisierte, Placebo-kontrollierte, multi-zentrische doppelblinde Studie wurden Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren eingeschlossen, die sich einer Weisheitszahn-Entfernung unterzogen. Sie wurden in einem randomisierten 2:2:1-Schema auf Ibuprofen-Lysinat (683 mg, entsprechend 400 mg Ibuprofen), Ibuprofen (400 mg) und Placebo aufgeteilt. Die Patienten erhielten eine Einmal-Gabe des jeweiligen Wirkstoffes bzw. Placebo, nachdem die Wirkung des Lokalanästhetikums abgeklungen war. Die Schmerzlinderung (pain relief, kurz PAR) wurde von den Patienten auf einer 5-stufigen Skala angegeben (0 = keine Schmerzlinderung bis 4 = komplette Schmerzlinderung). Die Schmerzintensität wurde auf einer 100 mm visuellen Analogskala angegeben. Beide Parameter wurden jeweils sukzessive über einen Zeitraum von 15 Minuten bis 6 Stunden nach der Gabe erfasst. Als primärer Endpunkt wurde die gemittelte Summe der PAR-Scores nach 6 Stunden definiert (TOTPAR). Daneben wurden Wirkungseintritt und Nebenwirkungen erfasst.

TEST

Abb. 1. Schmerzreduktion über 6 Stunden [Abbildung modifiziert nach Kyselovic et al. 2020]

TEST

Abb. 2. Differenz der Schmerzintensität über 6 Stunden [Abbildung modifiziert nach Kyselovic et al. 2020]

Keine Überlegenheit von Ibuprofen-Lysinat

Von den 351 in die Studie eingeschlossenen Patienten erhielten 141 Ibuprofen-Lysinat, 139 Ibuprofen sowie 71 Placebo. Verglichen mit Placebo linderten beide Wirkstoffe signifikant den Schmerz 15 Minuten nach der Einnahme und über den gesamten Zeitraum von sechs Stunden hinweg. Der TOTPAR in der Ibuprofen-Lysinat-Gruppe betrug 19,57 verglichen mit 19,96 in der Ibuprofen- und 8,27 in der Placebo-Gruppe. Ibuprofen-Lysinat war zwar signifikant wirksamer als Placebo, aber seine Wirkung war mit der von Ibuprofen vergleichbar (Abbildung). Auch hinsichtlich des Wirkungseintritts war kein signifikanter Unterschied zwischen Ibuprofen und Ibuprofen-Lysinat messbar (Tab. 1). Beide Wirkstoffe waren gut verträglich. Alle unerwünschten Wirkungen waren schwach bis moderat. Die Studie zeigte somit, dass Ibuprofen-Lysinat keine Überlegenheit zu Ibuprofen hinsichtlich analgetischer Wirkung, Wirkungseintritt und Verträglichkeit bei Patienten mit postoperativem Zahnschmerz aufweist.

Tab. 1. Mediane Zeit bis zum Wirkeintritt [modifiziert nach Kyselovic et al.]
Mediane Zeit in Minuten
(95%-Konfidenzintervall)
p-Wert
Ibuprofen-Lysinat Ibuprofen Placebo Vergleich Ibuprofen-Lysinat und Ibuprofen
Erste wahrgenommene Schmerzlinderung* 30
(25,0; 30,0)
30
(30,0; 40,0)
120
(50,0; 325,0)
0,6618
Deutlich wahrgenommene Schmerzlinderung* 60
(55,0; 75,0)
65
(60,0; 90,0)
n/a
(280,0; n/a)
0,8630
Halbierung der Schmerzen 65,6
(53,1; 95,0)
71,3
(57,2; 96,7)
n/a
(n/a; n/a)
0,9133
n/a: nicht berechenbar, da zu wenig Teilnehmer den Endpunkt erreicht haben
*Die Patienten wurden gebeten die Zeit zu notieren, wann die Schmerzlinderung erstmals und deutlich wahrnehmbar war.


Alternativen für einen schnelleren Wirkungseintritt von Ibuprofen

Wie bereits eingangs erwähnt weisen moderne Ibuprofen-Zubereitungen wie Brausetabletten, Flüssigkapseln oder Ibuprofen-Lysinat zwar eine schnellere Bioverfügbarkeit auf, doch dies setzt in der Regel eine Nüchterneinnahme mit rund 10 Stunden ohne Nahrungsaufnahme voraus. Welche Möglichkeiten gibt es also für eine schnellere und ausgeprägtere Wirkung von Ibuprofen? Eine Möglichkeit ist die Kombination mit einem anderen Analgetikum wie beispielsweise Paracetamol. Durch die unterschiedlichen Wirkmechanismen kann mit einer Kombination der beiden Wirkstoffe eine höhere analgetische Wirkung erreicht werden als mit den Einzelstoffen. Eine andere Möglichkeit ist die Kombination mit Coffein. Coffein kann als Co-Analgetikum zu einer effektiveren Schmerzlinderung beitragen. Die Kombination von 400 mg Ibuprofen mit 100 mg Coffein zeigte in einer klinischen Studie eine ausgeprägtere und schnellere Wirkung als Ibuprofen allein [2]. Somit kann die Kombination von Ibuprofen mit Paracetamol oder Coffein eine effektivere Möglichkeit zu einer verbesserten Analgesie sein als eine Ibuprofen-Lysinat-Formulierung.


Autorin

Dr. Birgit Benedek
Apothekerin

Quelle

Kyselovič J et al. A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial of Ibuprofen Lysinate in Comparison to Ibuprofen Acid for Acute Postoperative Dental Pain. Pain Ther 2020, https://doi.org/10.1007/s40122-019-00148-1

Literatur

1. Moore RA, et al. Faster, higher, stronger? Evidence for formulation and efficacy for ibuprofen in acute pain. Pain 2014;155:14-21.

2. Weiser T, et al. Efficacy and safety of a fixed-dose combination of ibuprofen and caffeine in the management of moderate to severe dental pain after third molar extraction. Eur J Pain 2018;22:28-38.