Tatort: Leber


Rika Rausch

Zum wiederholten Mal klagt der Patient in der Offizin über Appetitlosigkeit, Oberbauchbeschwerden, ständige Müdigkeit und chronischen Juckreiz. Auf den ersten Blick könnten diese Symptome als „Alltagsbeschwerden“ abgetan werden. Apotheker sollten jedoch hellhörig werden und der Spur nachgehen: Es besteht der Verdacht auf einen Leberschaden.

Die Leber ist die größte Drüse des menschlichen Körpers. Als zentrales Stoffwechselorgan erfüllt sie vielfältige Aufgaben im Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel. Sie trägt maßgeblich zur Aufrechterhaltung der Glucosehomöostase bei, synthetisiert Proteine (z.B. Gerinnungsfaktoren) sowie Lipide und Lipoproteine und stabilisiert den pH-Wert des Blutes. Zudem bildet sie die Galle und spielt damit einhergehend die Schlüsselrolle im Abbau und in der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Medikamenten und Giftstoffen. Ist die Leber in ihrer Funktion gestört, kann das schwere Rückwirkungen auf den gesamten Organismus haben. Zwei Erkrankungsformen – die hepatische Enzephalopathie und die nichtalkoholische Fettleber – stellen wir Ihnen in dieser Ausgabe ab Seite 160 vor.

Lebererkrankungen können viele Ursachen haben und sind nicht immer leicht aufzudecken, vor allem da die Leber keine Nozizeptoren aufweist und Schmerz als Warnsignal entfällt. Viele Kranke spüren nichts, bis es zu spät ist und bereits ein Großteil gesundes Lebergewebe geopfert wurde.

Um Fälle gestörter Leberfunktion rechtzeitig zu erkennen, müssen Arzt und Apotheker bei der Ermittlung zusammenarbeiten. Erste Hinweise liefern die Betroffenen in der Offizin, wenn sie über die oben beschriebenen Symptome berichten. Der Patient sollte daraufhin zu familiären Vorbelastungen, Auslandsaufenthalten und Kontakt zu Noxen (Alkohol, Medikamente, Umweltgifte) befragt werden. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Leberschaden, ist der Hausarzt hinzuzuziehen, um entsprechende Laborwerte zu prüfen. Mittlerweile bieten auch einige Apotheken diese Testung an. Die Bestimmung folgender Laborparameter liefert erste Indizien:

  • Alanin-Aminotransferase (ALT): normal bei Männern <45 U/l, bei Frauen <34 U/l; erhöht bei Leberparenchymschäden
  • Aspartat-Aminotransferase (AST): normal bei Männern <35 U/l, bei Frauen; <31 U/l; Hinweis auf Leberschaden, wenn gleichzeitig auch ALT erhöht
  • Alkalische Phosphatase (AP): normal bei Männern 40–130 U/l, bei Frauen 55–105 U/l; erhöht bei Hepatitis, Leberzirrhose, Fettleber, Leberkarzinom
  • Bilirubin: normal bei Erwachsenen 0,1–1,2 mg/dl; erhöht bei Leberparenchymschäden; verursacht Ikterus
  • Gamma-Glutamyl-Transferase (γ-GT): normal bei Männern <60 U/l, bei Frauen <40 U/l; erhöht bei Leberzirrhose, Fettleber, Alkoholismus und Lebertumoren

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