Hirndoping – Neuroenhancement


Pharmakodynamik des Neuroenhancement und physiologische Grundlagen

Marco Weiergräber, Dan Ehninger und Karl Broich, Bonn

Pharmakologisches Neuroenhancement und Mood Enhancement sind sehr stark expandierende, jedoch immer noch zum Teil schwer quantifizierbare und mit einer hohen Dunkelziffer assoziierte Phänomene der modernen Leistungsgesellschaft. Egoistische Interessen im Sinne einer kognitiven Leistungssteigerung sowie emotionalen Stabilität und Anpassungsfähigkeit stehen motivational im Vordergrund der Anwender. Dabei wird vor allem auf Arzneimittel zurückgegriffen, deren Indikationsgebiete im Bereich der Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), der Schlafstörungen und der Demenz liegen. Die Anwendung ist per definitionem off Label. Die vorliegende Darstellung beschreibt zunächst die physiologischen Grundlagen von Vigilanz und Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis sowie Emotionen. Hieran schließt sich eine Darstellung der Pharmakodynamik der wichtigsten Substanzklassen, unter anderem der Purine und Methylxanthine, der Phenylethylamine, des Modafinils, der Nootropika und Antidepressiva an. Angriffspunkte sind insbesondere noradrenerge/dopaminerge und cholinerge Rezeptor- und Transportersysteme. Darüber hinaus sind Interaktionen mit dem Adenosin-, Serotonin- und Glutamatrezeptorsystem von Bedeutung, ebenso die Beeinflussung der Ca2+-Homöostase. Metaanalysen zeigen, dass Wirksamkeit im Indikationsgebiet der verwendeten Pharmaka nicht zwingend mit Neuroenhancement-Effekten bei Gesunden einhergeht. So ist nur bei einigen Phenylethylaminen und Modafinil eine verifizierbare positive Einflussnahme auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis erkennbar. Insbesondere die zukünftige Entwicklung neuer Antidementiva wird die Verfügbarkeit und den potenziellen Missbrauch von Neuroenhancement weiter beflügeln. So sind regulative Maßnahmen und gesellschaftliche Aufklärung zur Wahrung der Ich-Authentizität des Einzelnen, zur Vermeidung eines gesellschaftlichen Anpassungsdrucks und zur Wahrung ethischer Kategorien unerlässlich.

Liebe Leserin, lieber Leser, dieser Artikel ist nur für Abonnenten der MMP zugänglich.

Sie haben noch keine Zugangsdaten, sind aber MMP-Abonnent?

Registrieren Sie sich jetzt:
Nach erfolgreicher Registrierung können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse und Ihrem gewählten Passwort anmelden.

Jetzt registrieren