Sexuell übertragbare Infektionen: Bleibendes und Veränderungen


Heike Oberpichler-Schwenk

Quellen

1. Syphilis in Deutschland im Jahr 2009. Epid Bull 2010;(49):487–91.

2. Doerr HW. Genitale Herpesvirus-Infektionen [Abstract]. Chemother J 2012;21:44.

3. Brockmeyer N. Epidemiologie und Bedeutung von klassichen STIs – ein überkommenes Konzept? [Abstract]. Chemother J 2012;21:44.

4. Gross G. Genitoanale HPV-Infektionen – Diagnostik und Behandlung [Abstract]. Chemother J 2012;21:45.

Vom 14. bis 16. findet in Berlin der Kongress der Deutschen STI-Gesellschaft (Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit) statt. „STI“ steht für sexuell übertragene Infektionen (sexually transmitted infections) und wird auch in der Kombination mit „STD“ (sexually transmitted diseases) verwendet; der Begriff „Geschlechtskrankheiten“ ist inzwischen weniger gebräuchlich. Der Kongress ist ein Jubiläumskongress zum 110-jährigen Bestehen der DSTIG, dementsprechend wird sicher auch auf den geschichtlichen Wandel in der Betrachtung von sexuell übertragbaren Krankheiten eingegangen.

In vergangenen Jahrhunderten waren vor allem Syphilis und Gonorrhö bekannt. In den 1980er- und 90er-Jahren kam es zu einer Welle von HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen, der mit umfangreichen Aufklärungskampagnen begegnet wurde. In den letzten Jahren wurde die HIV-Infektion dank der Fortschritte bei der medikamentösen Therapie zu einem beherrschbaren Zustand, mit der möglichen Konsequenz, dass die Bedrohung durch diese sexuell übertragbare Infektion – und damit auch durch andere! – aus dem öffentlichen Bewusstsein gerät.

Aber es gibt sie nach wie vor: Infektionen mit Treponema pallidum (Syphilis), Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö), Chlamydia trachomatis, Herpesviren (HSV), humanen Papillomaviren (HPV), HIV und anderen. Und möglicherweise infolge des erwähnten falschen Gefühls der Sicherheit sind sie zum Teil häufiger als zuvor, vor allem in der Risikogruppe der homosexuell aktiven Männer (in der epidemiologischen Berichterstattung werden diese als MSM [Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern haben] bezeichnet). So vervierfachte sich die Zahl der jährlich gemeldeten Syphilis-Fälle bei MSM zwischen 2001 und 2008 von rund 500 und rund 2000 Fälle; bei heterosexuellen Männern und Frauen blieb die Melderate konstant unter 500 Fällen pro Jahr [1]. Teilweise ändern die bekannten sexuell übertragbaren Erkrankungen auch ihre Charakteristika oder treten in ungewöhnlichen Manifestationsformen auf. So galt zum Beispiel lange Zeit das Herpesvirus Typ 2 (HSV-2) als Erreger des Herpes genitalis und HSV-1 als Erreger extragenitaler Herpeserkrankungen; in den letzten zehn Jahren wurde jedoch in 20 bis 25% der Fälle HSV-1 aus Herpes-genitalis-Läsionen isoliert [2]. Haut- oder/und Schleimhautläsionen beispielsweise durch Treponemen oder Herpesviren treten nicht nur an der Genitalschleimhaut, sondern auch im Mastdarm oder im Rachen auf, und Infektionen mit HPV 16 und 18 werden vermehrt mit der Entstehung von Pharynxkarzinomen in Verbindung gebracht [3]. HPV-Infektionen sind zudem nicht nur die häufigste Ursache von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), sondern auch für etwa die Hälfte der (hier zum Glück seltenen) Peniskarzinome verantwortlich. Bei der Prävention von HPV-Infektionen spielt neben Verhütungsmitteln die Impfung eine zunehmende, wenn auch nach Ansicht von Experten noch zu geringe Rolle [4].

Zu den häufigsten bakteriellen Erregern von STI gehört Chlamydia trachomatis, Gegenstand des Übersichtsbeitrags in diesem Heft. Besonders problematisch ist, dass die Infektion, die in vielen Fällen asymptomatisch verläuft, infolge aufsteigender Infektion des Genitaltrakts zur Eileiterentzündung (Salpingitis) führen kann, die, vor allem bei wiederholten Infektionen, schon bei jungen Frauen Unfruchtbarkeit zur Folge hat. Umfassende, frühe (!) Aufklärung über die Infektion und ihre Vermeidung ist also notwendig.

Neben Jugendlichen sind aber auch Menschen in den mittleren Lebensjahren und sexuell aktive Senioren eine Zielgruppe für Aufklärung über STI, die nach Meinung von Prof. Norbert Brockmeyer, Präsident der DSTIG, verstärkt angesprochen werden sollte.

Liebe Leserin, lieber Leser, dieser Artikel ist nur für Abonnenten der MMP zugänglich.

Sie haben noch keine Zugangsdaten, sind aber MMP-Abonnent?

Registrieren Sie sich jetzt:
Nach erfolgreicher Registrierung können Sie sich mit Ihrer E-Mail Adresse und Ihrem gewählten Passwort anmelden.

Jetzt registrieren