Pharmakologie aktuell Claudia Bruhn, Schmölln

Ivabradin

Reduktion der Herzfrequenz bei koronarer Herzkrankheit und chronischer Herzinsuffizienz

Eine erhöhte Herzfrequenz ist ein wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder chronischer Herzinsuffizienz gelingt es nicht immer, die Herzfrequenz ausreichend zu senken. Ivabradin hemmt selektiv den Schrittmacherstrom If im Sinusknoten und verringert dadurch die Herzfrequenz. Es ist seit 2005 zugelassen zur symptomatischen Behandlung der chronischen stabilen Angina pectoris bei Erwachsenen mit koronarer Herzkrankheit, wenn Beta-Rezeptorblocker nicht vertragen werden, kontraindiziert sind oder nicht ausreichend wirksam sind. In Europa ist Ivabradin seit Februar 2012 darüber hinaus indiziert bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz der NYHA(New York Heart Association)-Klassen II bis IV, deren Herzfrequenz über 75 Schlägen pro Minute liegt. Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen der SHIFT-Studie (Systolic heart failure with the If inhibitor ivabradine trial), in der die Gesamtsterblichkeit von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz durch die Gabe von Ivabradin zusätzlich zur Standardtherapie signifikant stärker gesenkt wurde als durch einen Zusatz von Plazebo.

Übersicht Ingo Stock und Beate Henrichfreise, Bonn

Infektionen mit Chlamydia trachomatis

Das gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterium Chlamydia trachomatis ist der am häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragene Krankheitserreger des Menschen. C.-trachomatis-Stämme der Serovare D bis K verursachen vor allem Infektionen des Urogenitalsystems, die in der Mehrzahl der Fälle zunächst asymptomatisch verlaufen. Nachfolgende aszendierende Genitalinfektionen können jedoch bei der Frau zu ektopischen Schwangerschaften und zur Sterilität führen. Nach perinataler Übertragung der Erreger kann es zu schweren Pneumonien und anderen Infektionen beim Neugeborenen kommen. Von „urogenitalen“ C.-trachomatis-Infektionen sind insbesondere sexuell aktive Teenager und junge Erwachsene betroffen. Stämme der Serovare L1, L2 und L3 verursachen das Lymphogranuloma venereum. Diese vor allem in den Tropen verbreitete, ebenfalls sexuell übertragene Erkrankung geht mit Hauterscheinungen und systemischen Symptomen einher. Stämme der Serovare A, B und C werden dagegen primär durch infektiöses Augensekret übertragen. Sie verursachen das Trachom, eine chronische, unter mangelhaften hygienischen Verhältnissen auftretende Augenerkrankung. Sie ist weltweit die zweithäufigste Ursache der Erblindung. C.-trachomatis-Infektionen und -Erkrankungen sollten immer antibakteriell therapiert werden. Die Auswahl der Antibiotika und die Behandlungsdauer richten sich nach der Indikation. Für den Nachweis einer C.-trachomatis-Infektion wird meist der direkte Erregernachweis angestrebt. Aufgrund der möglichen schwerwiegenden Konsequenzen einer urogenitalen C.-trachomatis-Infektion wird jungen Frauen in vielen industrialisierten Ländern ein Chlamydien-Screening angeboten. Zur Bekämpfung und Eliminierung des Trachoms dient die sogenannte SAFE-Strategie, die die Umsetzung eines therapeutischen und hygienischen Maßnahmenkatalogs beinhaltet.

English abstract

Infections with Chlamydia trachomatis

The gram-negative obligate intracellular bacterium Chlamydia trachomatis is the pathogen that is most often transmitted through sexual contact. C. trachomatis is responsible for a wide range of different diseases. Strains of serovars D to K primarily cause urogenital infections, which are often asymptomatic, but can also lead to uncomplicated and complicated genital diseases. Pelvic inflammatory diseases attributed to ascending genital infections can result in ectopic pregnancies and infertility in women. After perinatal transmission, infections in the newborn can also occur. Strains of serovars L1, L2 and L3 cause lymphogranuloma venereum, a common sexually transmitted disease in many tropical and subtropical regions. The illness is associated with various skin lesions and systemic symptoms such as fever and headache. Unlike other serovars, strains of serovar A, B and C are transmitted primarily by infectious eye discharge. They cause a chronic eye disease called trachoma that occurs under poor hygienic conditions. Infections with C. trachomatis should be treated with antibacterial drugs reaching high intracellular concentrations. The choice of antibiotics and duration of treatment depend on the indication. In general, intracellular acting agents such as doxycycline, macrolides like azithromycin and erythromycin and certain quinolones (i.e. levofloxacin and ofloxacin) are applied for specific therapy of C. trachomatis infections. During pregnancy, application of macrolides or aminopenicillins has been recommended for most indications. Because of the serious potential consequences of urogenital C. trachomatis infection in women, many industrialized countries offer a C. trachomatis screening. For the elimination of trachoma, which is envisaged by the World Health Organization for the year 2020, the so-called SAFE strategy is used. This strategy includes therapeutic and hygienic measures that may be suitable to eliminate one of the leading causes of blindness worldwide.

Referiert & kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Metastasiertes Mammakarzinom

Antikörper-Konjugat verlängert das progressionsfreie Überleben gegenüber der Standardtherapie

Trastuzumab emtansin ist ein Konjugat des gegen den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2) gerichteten Antikörpers Trastuzumab mit einem Zytostatikum. Beim multidisziplinären europäischen Krebskongress in Stockholm wurde eine Phase-II-Studie vorgestellt, in der Trastuzumab emtansin das progressionsfreie Überleben von Patientinnen mit HER2-positivem metastasiertem Brustkrebs signifikant gegenüber einer Standardtherapie mit Trastuzumab und Docetaxel verlängerte.

Referiert & kommentiert Michael Koczorek, Bremen

Uterusmyome

Neue Behandlungsmöglichkeit mit selektivem Progesteron-Rezeptormodulator

Ulipristalacetat (Esmya®) ist in Europa seit Februar 2012 zugelassen zur präoperativen Therapie mäßiger bis schwerer Symptome von Uterusmyomen bei prämenopausalen Patientinnen. Mit Ulipristalacetat werden Blutungen schnell kontrolliert und Myome anhaltend verkleinert. In Phase-III-Studien war der selektive Progesteron-Rezeptormodulator Plazebo überlegen und ebenso wirksam wie das Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analogon Leuprorelinacetat. Dabei waren Hitzewallungen unter Ulipristalacetat deutlich seltener als unter dem GnRH-Analogon. Das neue Arzneimittel wurde bei einer von PregLem veranstalteten Pressekonferenz im Rahmen des Fortbildungskongresses der Frauenärztlichen Bundesakademie vorgestellt.

Referiert & kommentiert Michael Koczorek, Bremen

Humane Papillomaviren

Impfung verhindert zervikale Krebsvorstufen, wird aber in Deutschland zu selten eingesetzt

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) empfiehlt seit 2007 eine generelle Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren zur Reduktion der Krankheitslast durch Gebärmutterhalskrebs. Dennoch ist die Durchimpfungsrate in Deutschland deutlich geringer als zum Beispiel in Australien. Experten empfehlen daher, dass Gynäkologen, Pädiater und Hausärzte ihre Patientinnen aktiv auf die Impfung ansprechen sollten. Bei einem von Sanofi Pasteur MSD veranstalteten Symposium im Rahmen des Fortbildungskongresses der Frauenärztlichen Bundesakademie wurden aktuelle Daten zur Impfung mit dem tetravalenten HPV-Impfstoff Gardasil® vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen

Thromboembolieprophylaxe

Kein Vorteil von Apixaban-Einnahme nach der Entlassung aus dem Krankenhaus

Akut erkrankte internistische Patienten haben über die Zeit des Krankenhausaufenthalts hinaus ein erhöhtes Thromboembolierisiko. Der Nutzen einer verlängerten Thromboembolieprophylaxe nach der Entlassung ist jedoch fraglich. In der ADOPT(Apixaban dosing to optimize protection from thrombosis)-Studie, einer randomisierten, multizentrischen Studie, war eine längere Thromboembolieprophylaxe mit Apixaban einer kürzeren mit Enoxaparin nicht überlegen.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Tiefe Venenthrombosen

Kathetergesteuerte Thrombolyse senkt das Risiko eines postthrombotischen Syndroms

Nach akuten venösen Thrombosen kann die kathetergesteuerte Thrombolyse bei ausgewählten Patienten eine wirksame Ergänzung zur konventionellen Antikoagulationstherapie sein, um das Risiko für die Entstehung eines postthrombotischen Syndroms zu senken. Das ist das Ergebnis der norwegischen CAVENT-Studie.

Referiert & kommentiert Dr. Beate Fessler, München

Zulassungserweiterung

Etoricoxib bei postoperativen Zahnschmerzen

Im April 2012 wurde die Zulassung des Cyclooxygenase-2-Hemmers Etoricoxib (Arcoxia®) erweitert. Das Coxib ist nun auch indiziert für die kurzzeitige Behandlung von mäßig starken Schmerzen nach Zahnoperationen.

Referiert & kommentiert

Raucherentwöhnung

Kardiovaskuläre Sicherheit von Vareniclin