Gusto nach Genen


Rika Rausch

Der Monat Februar bietet Gelegenheit, den Niederschlag der guten Absichten zum Jahreswechsel erstmals zu resümieren. Laut einer Forsa-Umfrage zählt auch 2014 wieder das Abnehmen zu den beliebtesten Vorsätzen der Deutschen [1]. Der Wunsch nach einer schlanken Figur und körperlicher Fitness führt gerade zu Beginn des Jahres zu (höchst-)sportlichen Anstrengungen und Diät-Vorhaben.

Für eine Ernährungsumstellung gibt es ebenso viele Gründe wie kreative Ansätze. Immer mehr Anhänger findet mittlerweile die Paläo-Diät. Auf dem Speiseplan stehen Wildfleisch und -fisch, Insekten, Eier von Vögeln und Reptilien, Frucht- und Knollengewächse, Blattgemüse, Nüsse und Honig. So oder ähnlich stellt man sich heute die Ernährung unserer Vorfahren während des Paläolithikums (vor 2,4 Millionen bis 10000 Jahren) vor [2].

Die Hominidae der Altsteinzeit waren Jäger und Sammler; erst im Zuge der neolithischen Revolution (vor etwa 11000 Jahren) kamen Ackerbau und Viehzucht auf. Aus diesem Grund sind Getreide, Milch, Speiseöle, isolierte Zucker und daraus hergestellte Erzeugnisse bei der Paläo-Diät tabu. Als Getränke kommen Wasser und Kräutertees infrage.

Im Sinne der Paläo-Diät entspricht die steinzeitliche Ernährung unseren Genen. Der Theorie der genetischen Konstanz zufolge hat sich das Genom während der letzten 40000 Jahre kaum verändert, sodass sich der paläolithische Speiseplan evolutionsbiologisch begründen lässt. Davon abweichende Kost soll die Gesundheit beeinträchtigen und die Entstehung von Krankheiten fördern [3].

Tatsächlich zeigen rezente Jäger- und Sammlervölker eine sehr viel geringere Prävalenz an chronisch-degenerativen Erkrankungen. Adipositas, Hyperinsulinämie, Diabetes mellitus Typ 2, Atherosklerose und Hypertonie sind beispielsweise bei den Bewohnern der Insel Kitavi (Papua-Neuguinea), einem Naturvolk, das sich „paläolitisch“ ernährt, so gut wie unbekannt [4]. Man führt dies auf einen hohen Ballaststoffgehalt, eine günstige Fettsäurenzusammensetzung (hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren) und eine niedrige glykämische Last der Nahrung zurück.

Zu bedenken gilt jedoch, dass die Ernährung mit anderen Faktoren (körperliche Aktivität, Ausmaß an psychosozialem Stress, Licht- und UV-Exposition) zusammenspielt und ein gesundheitlicher Benefit der Steinzeitdiät im Kontext des Lebensstils gesehen werden sollte.

Zudem ist die paläolithische Ernährungsweise nicht einheitlich definiert. Abhängig von geographischen und klimatischen Verhältnissen variiert sie stark in den Anteilen pflanzlicher (0–85%) und tierischer Kost (6–100%) sowie in der Komposition der Hauptnährstoffe [2]. Die Generierung von Empfehlungen zur Steinzeitkost in quantitativer Hinsicht wird dadurch erheblich erschwert.

Wie also sieht der optimale Speiseplan zur Gewichts- und damit zur Risikoreduktion sogenannter Zivilisationskrankheiten aus? In der seit 15 Jahren erstmals aktualisierten amerikanischen Leitlinie zur Adipositas wird davon ausgegangen, dass es keine ideale Ernährung für die Gewichtsabnahme gibt. Die Zusammensetzung der Nahrung sollte sich an den Vorlieben des Patienten und seinem Gesundheitszustand orientieren [5]. Die Veröffentlichung der deutschen Leitlinie „Adipositas – Prävention und Therapie“ wird in den kommenden Monaten erwartet.

Der Artikel „Gesundes Übergewicht!?“ in dieser Ausgabe (S. 54) behandelt das Phänomen einer erhöhten Lebenserwartung bei leichtem Übergewicht und vermittelt einen Eindruck über die kontroverse Adipositas-Diskussion.

Daneben gibt der Beitrag „Erkrankungen durch humane Rhinoviren“ (S. 44) einen Überblick über Ätiologie und Therapie der Erkältung – ebenfalls ein alljährlich aktuelles Thema im Februar.

1. Forsa-Umfrage Dezember 2013, im Auftrag der DAK-Gesundheit. www.dak.de/dak/download/Forsa-Umfrage_Gute_Vorsaetze_2014-1341626.pdf [Zugriff am 27.01.2014].

2. Ströhle A, et al. Ernährung à la Altsteinzeit. DAZ 2011;50:54–62.

3. Cordain L, et al. Origins and evolution of the Western diet: health implications for the 21st century. Am J Clin Nutr 2005;81:341–54.

4. Lindeberg S, et al. Biological and clinical potential of a palaeolithic diet. J Nutr Environ Med 2003;13:149–160.

5. 2013 AHA/ACC/TOS Guideline for the Management of Overweight and Obesity in Adults. http://circ.ahajournals.org/ [Zugriff am 23.01.2014].

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