Editorial Rika Rausch

Platz-Wunde

Übersicht Matthias Bastigkeit, Geschendorf

Phytopharmaka – Traditionelle Empirie oder pharmakologische Evidenz?

Teil 3: Phytopharmaka bei Infektionen der Harnwege

„Es brennt, es krampft, es tröpfelt“, klagt die Kundin in der Apotheke. Ursächlich für die geschilderten Beschwerden kann eine Schleimhautentzündung der ableitenden Harnwege sein. 50 bis 80 % aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Harnwegsinfektion. Beim erstmaligen Auftreten dieser Symptomatik sollte zur genauen Abklärung ein Arzt aufgesucht werden. Ist der Kundin das Krankheitsbild bereits bekannt und bestehen keine Kontraindikationen, ist ein Therapieversuch in der Selbstmedikation möglich. Im Rahmen der Erfahrungsheilkunde kommen auch Phytopharmaka bei dieser gendergeprägten Erkrankung zum Einsatz; die Datenlage dazu ist sehr heterogen.

English abstract

Herbal medicines against urinary tract infections – traditional empiricism or pharmacological evidence?

Empirically, a variety of plants are used for uncomplicated urinary tract infections. The variety of phytopharmaceuticals with valid results is much smaller. There is a variety of observational studies about Cranberry, bearsgrape leaves, birch leaves and European goldenrod. This also justifies a recommendation in the pharmacy in a complementary medical treatment. Desireably, larger placebo-controlled studies, which proove the empirical healing, would provide more evidence. Children, pregnant women, men and patients with fever, severe cramps and blood in the urine should not medicate themselve. The patient should be referred to a doctor.

Übersicht Wolfram Kluwe, Sankt Augustin

Wundversorgung bei Platz- und Schnittwunden

Die wichtigsten Ziele der Wundversorgung bei Platz- und Schnittwunden sind: Blutung stoppen, Infektion und Schmerzen vermeiden und ein ästhetisch befriedigendes Ergebnis erreichen. Dafür sollte aber nie nur die Wunde sondern immer der gesamte Patient betrachtet werden. Im Folgenden werden grundlegende Aspekte der Wundheilung und des Wundmanagements beschrieben. Nähte, Gewebekleber, Klammern und der Hautverschluss mit Heftpflastern sind Möglichkeiten des Wundverschlusses, auch in der ambulanten Versorgung. Die Aufklärung des Patienten hinsichtlich Schonung und Verhalten sind nach der Erstversorgung ebenso wichtig wie die Überprüfung des Tetanusschutzes und die Abwägung einer antibiotischen Behandlung bei Bissverletzungen oder potenziell kontaminierten Wunden.

English abstract

Wound management for cuts and lacerations

Skin cuts and lacerations are frequent injuries. A perfect result of the treatment is going without saying for the patient and its relatives. But there are some aspects to note for an adequate wound management. The main aims of wound management are clear: assist in hemostasis, to avoid infection and pain, and to ensure an esthetically pleasing scar. For these we have to treat not only the wound. Taking care for the hole patient and treating the sore pain and preventing painfull manipulations is the goal for the patients satisfaction.

The basic aspects of wound healing and wound management will be described. Sutures, tissue adhesives, staples, and skin-closure tapes are options in the outpatient setting. Although suturing is the preferred method for laceration repair, tissue adhesives are similar in patient satisfaction, infection rates, and scarring risk in low skin-tension areas and may be also more cost-effective. Patient education and appropriate procedural coding are important after the repair. Please do not forget in every case to ask for the tetanus immunization and to think about an antibiotic therapy in case of human or animal bites and for wounds in risk areas and with contamination.

Übersicht Ingo Stock, Bonn

Wundstarrkrampf und Clostridium tetani

Der Wundstarrkrampf (Tetanus) ist eine akute, mit erhöhtem Muskeltonus und Krämpfen einhergehende Erkrankung, der eine neurologische Störung zugrunde liegt. Ursache für das Krankheitsbild ist ein von Clostridium tetani am Infektionsort (Wunde) freigesetztes Toxin. Tetanus tritt mittlerweile in den meisten industrialisierten Ländern selten auf. In vielen tropischen und subtropischen Ländern mit niedrigen Impfquoten und schlechter medizinischer Versorgung kommt die Erkrankung hingegen noch immer häufig vor. Dies gilt vor allem für den neonatalen Tetanus, an dessen Folgen jährlich weltweit etwa 50000 Neugeborene und Säuglinge sterben. Die Tetanus-Behandlung umfasst die möglichst rasche Neutralisation des frei zirkulierenden Toxins, eine adäquate antibakterielle und symptomatische Therapie sowie die intensivmedizinische Betreuung des Patienten. Zur Prophylaxe der Erkrankung ist die aktive Immunisierung mit einem Tetanus-Toxoid die Methode der Wahl.

English abstract

Tetanus and Clostridium tetani – a brief review

Tetanus is an acute, often fatal, disease caused by an exotoxin (tetanospasmin) produced by the anaerobic, gram-positive spore-forming bacterium Clostridium tetani. It is characterized by generalized rigidity and convulsive spasms of skeletal muscles. In most industrialized countries, tetanus is a rare disease. However, in many tropical and subtropical countries with low vaccination coverage and poor medical care, it is still widely distributed. This applies in particular for neonatal tetanus. About 50000 newborns and infants die each year from consequences from this severe illness. Management of tetanus involves neutralization of free circulating toxin, adequate antibacterial and symptomatic therapy as well as intensive care of the patient. For prophylaxis of the disease, active tetanus toxoid vaccination is the method of choice.

Fortbildung Wissensbasierung Judith Günther, Freiburg, Matthias Briel und Katja Suter, Basel

Vier Zahlen und noch ein bisschen mehr Mathe

Der Unterschied zwischen Chance und Risiko

Neben relativem Risiko, absoluter sowie relativer Risikoreduktion kursiert für binäre Endpunkte in der wissenschaftlichen Literatur noch ein weiteres Effektmaß: Das Chancen- bzw. Quotenverhältnis oder das Odds-Ratio. Wie das relative Risiko lässt sich das Odds-Ratio leicht aus der Vier-Felder-Tafel herleiten. Vorteil: Odds-Ratios lassen sich prinzipiell bei jedem Studientyp berechnen, einschließlich retrospektiver Studien. Sie haben zudem – so schwärmen die Biostatistiker – schönere mathematische Eigenschaften und werden daher auch gerne in Metaanalysen als Effektmaß zur Berechnung eines neuen gemeinsamen (gepoolten) Schätzwertes oder Summenschätzers verwendet. Nachteil: Odds-Ratios können in klinischen Studien zu einer Überschätzung des Effekts einer Intervention führen. Der Artikel zeigt den Unterschied zwischen Chance und Rate auf und wie Odds-Ratio und relatives Risiko zusammenhängen.

English abstract

Four numbers and a bit more basic knowledge of mathematics

In addition to relative risk, relative risk reduction and absolute risk reduction there circulates another effect size for binary endpoints in the scientific medical literature: the odds ratio. Relative risk and odds ratio are alternative ways of reflecting study results. Both, relative risk (RR) and odds ratio (OR), can easily be calculated from the "2×2-table". Advantage of OR: odds ratios can be calculated in every type of controlled study design, including retrospective studies. Furthermore, odds ratios – the biostatisticians are swarming – offer beautiful mathematical properties and therefore are often used in meta-analysis as an effect size for calculating a pooled estimate of the results of different studies with the same clinical question. Disadvantage of OR: In clinical studies the presentation of the results as "odds ratios" may result in an overestimation of the intervention effect. This article shows the difference between "chance" and "risk" and how odds ratio and relative risk are associated.

Bericht Bettina Hellwig, Konstanz

Neue Wirkstoffe erweitern die Therapiemöglichkeiten bei MS

Mit der Einführung der Beta-Interferone in den 1990er-Jahren konnte das Fortschreiten einer multiplen Sklerose (MS) erstmals wirksam aufgehalten werden, dann folgte Glatirameracetat. In den vergangenen Jahren wurden zudem verschiedene Antikörper und kleine Moleküle zur verlaufsmodifizierenden Therapie eingeführt. Diese Neuerungen wurden in den aktualisierten Stufenplan eingeordnet, der auf dem Neurologenkongress im September 2014 in München vorgestellt wurde.

Referiert & kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Europäischer Krebskongress 2014

Schwangerschaft und Krebstherapie

Mehrere Studien, die während des europäischen Krebskongresses (ESMO) 2014 in Madrid vorgestellt wurden, beschäftigten sich mit dem Thema Krebstherapie in der Schwangerschaft und besonders mit der Entwicklung der Neugeborenen. Kinder, die während der Schwangerschaft durch die Behandlung der Mutter einer Chemotherapie und/oder Radiotherapie ausgesetzt wurden, haben gemäß zweier in Madrid vorgestellten Fall-Kontroll-Studien keine negativen Auswirkungen auf ihre mentale oder kardiale Entwicklung erlitten.

Referiert & kommentiert Ralf Schlenger, München

Mammakarzinom

Genexpressionstests können unnötige Chemotherapien vermeiden

Brustkrebspatientinnen mit niedrigem genomischen Risiko können auf eine Chemotherapie verzichten. Dies zeigen die Dreijahres-Überlebensraten nach Abschluss der PlanB-Studie, wie die Westdeutsche Studiengruppe (WSG) für Brustkrebs auf einer Pressekonferenz berichtete. In der Studie war das Rückfallrisiko der Frauen mithilfe eines Genexpressionstests stratifiziert worden. Die Zwischenergebnisse der Nachfolgestudie ADAPT lassen hoffen, dass Frauen auch bei mittlerem Rückfallrisiko von einer Chemotherapie absehen können, ohne ihre Heilungschancen zu senken.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Mutationen

Klonale Hämatopoese und Blutkrebs nehmen mit steigendem Lebensalter zu

Erworbene Mutationen, die zu einer klonalen Hämatopoese führen, werden mit steigendem Lebensalter häufiger und sind bei etwa 10% der Personen über 65 Jahre nachzuweisen. Am häufigsten scheinen diese Mutationen in drei Genen aufzutreten, von denen bereits bekannt ist, dass sie mit myeloischen Neoplasien (myelodysplastischen Syndromen, myeloproliferativen Syndromen und akuten myeloischen Leukämien) assoziiert sind. Zu diesem Ergebnis kamen zwei zeitgleich online im New England Journal of Medicine publizierte Studien, die mit unterschiedlichen Methoden durchgeführt wurden.

Referiert & kommentiert Priv.-Doz. Dr. Martin Hug, Freiburg

Kardiovaskuläre Prävention

Nebenwirkungen von HMG-CoA-Reductasehemmern in Placebo-kontrollierten Studien

In einer Metaanalyse randomisierter, kontrollierter Studien mit HMG-CoA-Reductasehemmern („Statinen“) waren lediglich die Raten einer Diabetesentwicklung sowie asymptomatische Leberwertenanstiege im Vergleich zu Placebo erhöht. Ob Muskelsymptome, die in der Praxis häufiger unter HMG-CoA-Reductasehemmer-Therapie gemeldet werden, tatsächlich auf die Medikamente zurückzuführen sind, ließ sich in dieser Analyse nicht klären.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Therapie mit Gallensäuren

Neue Therapieansätze sind in der klinischen Prüfung

Die Anwendung der Gallensäure Ursodesoxycholsäure (UDCA) ist ein etabliertes Therapiekonzept bei cholestatischen Lebererkrankungen. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass Gallensäuren als Signalmoleküle mit hormonellen Eigenschaften wirken und deshalb auch bei anderen Erkrankungen ein therapeutisches Potenzial entfalten könnten, so das Fazit eines von der Falk Foundation e.V. veranstalteten Pressegesprächs.

Referiert & kommentiert Dr. Matthias Herrmann, Berlin

Feuchte AMD und andere Netzhauterkrankungen

Ranibizumab-Behandlungsschema flexibilisiert

Bei feuchter altersbezogener Makuladegeneration (AMD) und in den drei anderen zugelassenen Indikationen können Augenärzte die Behandlung mit Ranibizumab seit September 2014 nach einer Entscheidung der Europäischen Kommission flexibler gestalten als zuvor. Was dies im Rahmen der individualisierten Therapie bedeutet, stand im Mittelpunkt einer von Novartis veranstalteten Pressekonferenz auf dem Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) 2014 in Leipzig. Diskutiert wurde auch, warum bei einem Vergleich verschiedener Studien Vorsicht geboten ist.

Referiert & kommentiert Abdol A. Ameri, Weidenstetten

Epilepsien fokalen Ursprungs

Neue Daten belegen Vorteile einer frühen Zusatztherapie

Erwachsene Patienten mit fokalen epileptischen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung, die unter einer antiepileptischen Monotherapie nicht oder nicht adäquat kontrolliert werden, können auch unter den Bedingungen der täglichen Praxis von einer frühzeitigen Add-on-Therapie mit modernen nebenwirkungs- und interaktionsarmen Antiepileptika profitieren. Darauf weisen die Ergebnisse von zwei nichtinterventionellen Studien hin, die auf einem von Eisai veranstalteten Pressegespräch im Rahmen der Neurowoche 2014 vorgestellt wurden.