Editorial Prof. Dr. med. Andreas H. Jacobs, Bonn

Parkinson-Syndrome

Medizin meets Pharmazie

Parkinson-Krankheit

Medizin meets Pharmazie Olaf Rose, Münster

Parkinson-Krankheit: Basiswissen

Die Parkinson-Krankheit ist eine chronische neurodegenerative Erkrankung. Anhand ihrer Ätiologie lassen sich verschiedene Parkinson-Syndrome unterscheiden. Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) ist als typische Parkinson-Krankheit bekannt, seine Prävalenz wird in der europäischen Gesamtbevölkerung auf rund 1% geschätzt. Es gibt klare epidemiologische Hinweise, dass Lebensstil und Alter das Krankheitsrisiko beeinflussen. Bezeichnend für das idiopathische Parkinson-Syndrom ist die Neurodegeneration mit der Ausbildung von Lewy-Körperchen und erhöhtem oxidativem Stress in der Pars compacta der Substantia nigra; in den Lewy-Körperchen kann sterisch verändertes Alpha-Synuclein nachgewiesen werden. Das Zusammenspiel von Glutamat, GABA und Dopamin ist für die motorischen Symptome entscheidend.

English abstract

Parkinson's Disease: Basic knowledge

Pharmacotherapy in Parkinson's disease is complex and requires expertise in all health-care professions. Besides idiopathic Parkinson's disease (IPD) secondary parkinsonism, monogenetic Parkinson's disease and atypical syndromes need to be differentiated. The prevalence in the European population is estimated to be approximately 1%. Lifestyle and age are closely linked to IPD. Neurodegeneration with formation of Lewy-bodies and increased oxidative stress in the pars compacta of the substantia nigra are closely linked to IPD. Lewy-bodies show misfolded α-Synuclein. The balance of glutamate, GABA and dopamine is essential for motor complications. Bradykinesia/akinesia, rigidity, rest tremor and postural instability are typical symptoms along with dissymmetry, shuffling gait and camptocormia, micrographia, aphasia, hypophonia, dysphagia, and hypomimia. Early symptoms are akathisia/restlessness, insomnia, somnolence, hyposmia and neck pain. With further progression of IPD, neurons of the ventral tegmental area are affected and lead to non-motor symptoms, which hence are directly related to the underlying disease. Gastric dysmotility, depression, urinary incontinence, excessive sweating, hallucinations, spasticity, muscle pain and Parkinson's disease dementia are part of IPD.

Medizin meets Pharmazie Inga Suttrup und Tobias Warnecke, Münster

Diagnostik des idiopathischen Parkinson-Syndroms

Die richtige Diagnose des idiopathischen Parkinson-Syndroms kann insbesondere in der Frühphase der Erkrankung, in der häufig nur leichtgradige motorische Symptome vorhanden sind, sehr schwierig sein. Neuere Studien zeigten, dass sich bis zu einem Drittel aller initial gestellten Parkinson-Diagnosen im Verlauf der Erkrankung als falsch erwies. Besonders die Abgrenzung des idiopathischen Parkinson-Syndroms von den sogenannten atypischen Parkinson-Syndromen stellt am Beginn der Erkrankung eine klinische Herausforderung dar.

English abstract

Diagnosis of Parkinson's disease

Especially in early stages, the diagnosis of Parkinson’s disease is challenging. Patients with a suspected diagnosis should always be transferred to a neurologist with special expertise in clinical differential diagnosis of movement disorders. The diagnosis should be confirmed by an established three-stage algorithm which involves the screening of clinical diagnostic criteria, possible exclusion criteria, special characteristics of atypical parkinsonian syndromes and supportive criteria. Besides, a secondary parkinsonian syndrome should be considered as a possible cause of the presented clinical symptoms. Instrumental diagnostic procedures can support the process of differential diagnosis.

Medizin meets Pharmazie Olaf Rose, Münster

Pharmakotherapie der Parkinson-Krankheit

Die Pharmakotherapie der Parkinson-Krankheit hat sich in den letzten Jahren vor allem durch einen Zuwachs an klinischen Erfahrungen mit den verfügbaren Wirkstoffen verbessert, bedeutende Neuentwicklungen waren selten. Neue Ansätze gibt es zur Therapie direkt nach Diagnosestellung, hier sind die MAO-B-Hemmer aufgewertet worden. Problematisch bleibt die Behandlung in den Spätphasen der Erkrankung.

English abstract

Pharmacotherapy in Parkinson's disease

Pharmacotherapy in Parkinson's disease is complex, with dopaminergic stimulation as its backbone. During the past decade only a few new drugs have been registered. However, progress has been made in clinical experience. Recent studies suggest better and longer efficacy of MAO-B inhibitors. Therapy of advanced stages of Parkinson's disease remains a challenge as the therapeutic window narrows and motor complications prevail.

Medizin meets Pharmazie Martina Henrichsmann, Wettringen

Psychotische Symptome unter dopaminerger Medikation

Eine Patientin leidet unter einem fortgeschrittenen idiopathischen Parkinson-Syndrom mit Halluzinationen. Anhand eines klinischen Medikationsmanagements werden Strategien zur Verbesserung der unterschiedlichen Symptome aufgezeigt. Dabei wird deutlich, dass Halluzinationen im fortgeschrittenen Stadium oft auf die Medikation zurückzuführen sind. Der Fall zeigt auf, wie schmal der Grat zwischen Symptomkontrolle und der Vermeidung von psychotischen Nebenwirkungen der Medikation bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit ist.

English abstract

Psychotic symptoms in Parkinson's disease

We present a patient suffering from Parkinson's disease with hallucinations. A comprehensive Medication Management can outline ways to solve drug related problems. Hallucinations in an advanced stage of the disease are often related to the medication. Finding the balance between controlling symptoms and provoking psychotic adverse drug reactions is a typical clinical challenge in the treatment of Parkinson's disease.

Medizin meets Pharmazie

Zusammenfassung: Parkinson-Krankheit

Alle Antworten auf einen Blick

Übersicht Hardy-Thorsten Panknin, Berlin, Stefan Schröder, Düren und Matthias Trautmann, Stuttgart

Sepsis: Diagnostik und Therapie im Wandel

Aktuelle Strategien gegen eine lebensbedrohliche Erkrankung

Eine schwere Sepsis ist eine intensivpflichtige Erkrankung mit hoher Mortalität. Da eine Sepsis vielfältige Ursachen haben kann, stellt sie sich äußerst unterschiedlich dar, eine einfache Definition dieses Krankheitsbilds fällt dementsprechend schwer. Kürzlich wurde eine Überarbeitung der Sepsis-Definition publiziert, die eine schnellere Diagnosestellung und somit einen frühen Therapiebeginn ermöglichen soll. Die Früherkennung der Sepsis durch eine entsprechende Vigilanz für das lebensbedrohliche Krankheitsbild mit der Identifikation des Infektfokus, dessen Sanierung und frühzeitiger Antibiotikatherapie sowie eine zügige zielorientierte Stabilisierung der Hämodynamik sind wesentliche Kernelemente der erfolgreichen Therapie.

English abstract

Sepsis: Updated definitions and optimized management

Sepsis is newly defined as a life-threatening organ dysfunction caused by a dysregulated host response to infection. Organ dysfunction will be determined by an increase in the Sepsis-related Organ Failure Assessment (SOFA) score. The updated definition should facilitate earlier recognition and more timely management of patients with sepsis. Sepsis should be treated as quickly and efficiently as possible as soon as it has been identified. This implies rapid administration of antibiotics and fluids.

Bericht

„Demographischer Wandel fordert Innovation“

Bericht vom 122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) e.V.

Der Internistenkongress bietet alljährlich einen umfassenden Überblick über das gesamte Spektrum der inneren Medizin. Schwerpunkte vom 9. bis 12. April 2016 in Mannheim waren diesmal die rasante Entwicklung der Informationstechnologie und die Qualitätsoffensive „Klug entscheiden“.

Fragen aus der Praxis Andreas von Ameln-Mayerhofer, Sindelfingen

Erfolgskontrolle nach Borreliose-Behandlung?

Eine Kundin, die nach einem Zeckenbiss ein Erythema migrans entwickelt hat und entsprechend mit Doxycyclin behandelt wurde, fragt in der Apotheke, ob es nicht sinnvoll sei, eine Blutuntersuchung zur Erfolgskontrolle zu machen. Ein negatives serologisches Ergebnis schließt eine Lyme-Borreliose nicht aus. Allerdings wird in der Leitlinie der Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V. der Lymphozytentransformationstest (LTT) als Indikation für eine Therapiekontrolle nach einer Antibiotika-Behandlung aufgeführt [3]. Wie sieht das korrekte Vorgehen aus?

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Schmerztherapie bei Urolithiasis

NSAID: Mittel der ersten Wahl bei Nierenkoliken

Schmerzen bei einer akuten Nierenkolik können effektiv mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) behandelt werden. Insgesamt weniger wirksam sind Spasmolytika, die auch in Kombination mit NSAID keine zusätzliche Schmerzerleichterung erbringen. Das ist das Ergebnis eines Cochrane-Reviews mit Metaanalyse.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Medikamentöse Raucherentwöhnung

Nicotinpflaster meist ausreichend

Entwöhnungswillige Raucher profitieren bei der Abstinenz nach 26 Wochen oder nach einem Jahr gleichermaßen von einem Nicotinpflaster, einer kombinierten Entwöhnungstherapie oder einer Vareniclin-Monotherapie. Nachteile zeigten sich für Vareniclin durch eine höhere Nebenwirkungsrate im Vergleich zu den Nicotinpräparaten.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Eugen Verspohl, Münster

Grundlagenforschung

Wundheilung mittels Elektrostimulation

Referiert & kommentiert Dr. Bettina Wagner, Konstanz

Zytostatika-Nebenwirkungen

Chemotherapie-induzierte Neuropathien

Chemotherapie-induzierte Neuropathien (CIN) sind eine häufige Folge von Zytostatika-Therapien. Sie können die Lebensqualität deutlich einschränken und führen oftmals zum Abbruch der Chemotherapie. Bislang existieren keine etablierten präventiven oder kausalen Therapieansätze, wie auf einem Symposium im Rahmen des 88. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie deutlich wurde.