Editorial Dr. Bettina Krieg, Stuttgart

Der Kausalität auf der Spur

Pharmakologie aktuell Claudia Bruhn, Schmölln

Neuer Wirkstoff gegen Narkolepsie

Eingriff in die histaminerge Neurotransmission durch Pitolisant

Seit Ende März 2016 ist in Europa ein neuer Arzneistoff zur Behandlung Erwachsener mit Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie zugelassen. Pitolisant (Wakix®) ist ein H3-Antihistaminikum, dessen Wirkung über einen inversen Agonismus am Histamin-3-(H3-)Rezeptor vermittelt wird. In klinischen Studien verbesserte der Wirkstoff Ausmaß und Dauer der Wachheit und Aufmerksamkeit tagsüber.

English abstract

Pitolisant for the treatment of narcolepsy with or without cataplexy

Since March 2016, a new treatment option for adult patients with narcolepsy – with or without cataplexy – has been granted marketing authorization in Europe. Pitolisant (Wakix®) is an inverse agonst at the histamine-3 (H3) receptor. In clinical studies, tests for measurement of wakefulness and attention, pitolisant showed significantly better results in comparison with placebo and similar results in comparison with modafinil. Pitolisant is well tolerated. Postmarketing analyses have to collect data about the long-term safety of pitolisant when used in a real-life setting.

Übersicht Ingo Stock, Bonn

Das Zika-Virus

Ein bislang kaum beachtetes Virus im Mittelpunkt des Interesses

Jahrzehntelang trat das zu den Flaviviren gehörende Zika-Virus in Afrika und Asien ausschließlich sporadisch als Erreger benigner fieberhafter Erkrankungen in Erscheinung. Nach zwei größeren Krankheitsausbrüchen im pazifischen Raum in den letzten Jahren wird nun jedoch in Süd- und Mittelamerika die erste große Epidemie durch das Zika-Virus beobachtet. Im Verlauf des aktuellen Ausbruchs treten häufig auch schwere Manifestationen einer Zika-Virus-Infektion wie fetale Fehlbildungen des Gehirns (Mikrozephalie) und das Guillain-Barré-Syndrom auf.

English abstract

Zika virus infections

The Zika virus is an enveloped RNA virus belonging to the flavivirus family. The virus is transferred to humans primarily through the bite of female Aedes mosquitoes such as A. aegypti, but human-to-human transmission (through sexual contact and from the infected mother to her foetus) also occurs. Until recently, infections with the Zika virus had only little medical significance. For several decades, the virus has sporadically caused benign febrile Dengue-like illnesses in several African and Asian areas. 2007 and 2013/2014, however, two major Zika outbreaks in the Pacific region have been documented. Currently, the biggest Zika virus epidemic ever recorded takes places in several states and territories in South and Central America including the Caribbean islands. During the current outbreak, the virus has been shown to frequently cause severe manifestations, in particular fetal malformations (microcephaly) of the brain, as well as neurological disorders in adults such as Guillain Barré syndrome. Treatment of Zika virus infections is symptomatic and supportive, a specific antiviral therapy does not exist.

Bericht Alexander Ströhle, Hannover, und Rima Obeid, Aarhus (Dänemark)

Metformin – (k)ein Vitamin-B12-Räuber?

Metformin ist das bevorzugte orale Antidiabetikum zur Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus, insbesondere bei übergewichtigen Personen. Es wird vermutet, dass Metformin die Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darmlumen herabsetzt und den Vitamin-B12-Status beeinträchtigt. Langfristig soll dies in ein klinisches Vitamin-B12-Defizit münden. Charakteristisch hierfür sind Störungen der Erythropoese (megaloblastische Anämie) und der Nervenfunktion (funikuläre Myelose). Wie sich die Datenlage rund um den vermeintlichen „Vitamin-B12-Räuber“ Metformin im Detail darstellt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

HNO-Infektionen

Indikationen für Antibiotika wieder im Fokus

Die Leitlinien und anderen Empfehlungen für eine Antibiotikatherapie von HNO-Infektionen sind teilweise bereits in die Jahre gekommen. Da es etliche neue Evidenzen gibt, bedürfen die Indikationen einer Aktualisierung. Eine mehrköpfige Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. med. Bernhard Olzowy hat auf dem Bad Honnef-Symposium der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie aktuelle Empfehlungen vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Primär biliäre Cholangitis

Ursodesoxycholsäure keine Option für alle Patienten

Die primär biliäre Cholangitis (PBC) ist eine seltene autoimmun vermittelte cholestatische Lebererkrankung. Einzige bisher zugelassene Therapieoption ist die Ursodesoxycholsäure (UDCA), auf die jedoch 40% der Patienten nicht ansprechen. Es besteht deshalb Bedarf für neue Therapiestrategien, so das Fazit eines von der Firma Intercept veranstalteten Presseworkshops.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Pulmonale arterielle Hypertonie

Behandlungserfolge mit Selexipag

Bei Patienten mit einer pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) war das Risiko für den primären Endpunkt – zusammengesetzt aus Todesfällen und auf PAH zurückzuführende Komplikationen – unter einer Behandlung mit Selexipag deutlich niedriger als unter Placebo. Signifikante Unterschiede in der Mortalitätsrate wurden zwischen den beiden Studiengruppen nicht festgestellt.

Referiert & kommentiert Dagmar Jäger-Becker, Rodgau

Übermäßiges Schwitzen

Methantheliniumbromid bei primärer axillärer Hyperhidrose

Methantheliniumbromid, bislang fiktiv zugelassen, hat als Vagantin® Riemser in Deutschland die Zulassung bei primärer axillärer Hyperhidrose erhalten und ist seit April verfügbar. Für Patienten, die an dieser Form des übermäßigen Schwitzens leiden, ist das Anticholinergikum nun erstattungsfähig, wie in einem von Riemser veranstalteten Pressegespräch deutlich wurde.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Eugen Verspohl, Münster

Schmerztherapie

Vorhersagemöglichkeit der postoperativen Schmerzintensität

In einer Studie mit 180 Patienten konnte ein Zusammenhang zwischen dem Schmerzempfinden vor einem laparoskopischen Eingriff und der postoperativen Schmerzintensität gefunden werden. Patienten mit einem höheren Schmerzempfinden vor der Operation hatten auch ein höheres Risiko für postoperative Schmerzen, benötigten höhere Opioid-Dosen und eine frühere Analgetika-Verabreichung.

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

Rheumatoide Arthritis

Evidenz für naturheilkundliche Therapien

Die Naturheilkunde und andere Methoden, die zur Mind-Body-Medizin gehören, etwa Yoga oder Meditation, werden inzwischen als ergänzende Optionen zur Schulmedizin angesehen, nicht als Alternative; es handelt sich also – aus Sicht von vielen Ärzten – um Komplementärmedizin. Im Rahmen des 43. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie berichtete Prof. Andreas Michalsen, welche Evidenz für diese Therapien sowie für spezielle Diäten in der Rheumatologie besteht.

Referiert & kommentiert Dr. Bettina Wagner, Konstanz

Multiple Sklerose

Die richtige Therapiestrategie finden

Neben den etablierten Wirkstoffen Interferon beta und Glatirameracetat gibt es inzwischen zahlreiche neue Präparate zur Therapie der multiplen Sklerose (MS) . Auf einem von Merck Serono organisierten Symposium wurden neben den derzeitigen Therapieoptionen auch aktuelle Daten zu Interferon beta vorgestellt.

Referiert & kommentiert Regine Schulte Strathaus, Wiesbaden

ADHS

Neue Therapieoption bereichert individuelles Vorgehen

Seit Januar dieses Jahres wird die multimodale Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindesalter durch einen nicht BtM-pflichtigen Wirkstoff bereichert: Guanfacin retard (Intuniv®). Die schnelle Wirkung auf die Kernsymptomatik bei ADHS wurde im Rahmen einer Pressekonferenz der Firma Shire vorgestellt.

Referiert & kommentiert Manuela Arand, Berlin

Chronische Hepatitis C

Zwölf Wochen Therapie reichen meist aus

In der Therapie der chronischen Hepatitis C ist nach wie vor viel Bewegung. Ende Mai hat die Fixkombination aus dem Protease-Hemmer Grazoprevir und dem NS(Nicht-Strukturprotein)5A-Replikationskomplex-Inhibitor Elbasvir (Zepatier®) vom Humanarzneimittelausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur ein positives Votum erhalten. Die Kombination ist bei einem breiten Spektrum von Patienten einsetzbar, darunter auch solchen, die bisher als schwer behandelbar galten. Die Ergebnisse verschiedener Phase-III-Studien mit der Fixkombination Grazoprevir/Elbasvir wurden bereits letztes Jahr auf einem Kongress in Berlin vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dagmar Jäger-Becker, Rodgau

Periphere diabetische Neuropathie

Topische Capsaicin-Therapie gewinnt an Bedeutung

Ein achtprozentiges Capsaicin-Pflaster lindert lokale Nervenschmerzen nach einer einmaligen Anwendung über mehrere Monate. Seine gute Wirksamkeit und Sicherheit bei peripheren neuropathischen Schmerzen wurden bereits in mehreren klinischen Studien mit insgesamt rund 2400 Patienten nachgewiesen. Jetzt hat das kutane Applikationssystem auch eine Zulassung zur Behandlung der peripheren diabetischen Neuropathie erhalten.