Editorial Prof. Dr. med. Andreas H. Jacobs, Bonn

Arzneimittelversorgung im Alter

Übersicht *Katja Prax, *Zahra Abbas, Kristina Friedland, Erlangen, und Martin Smollich, Rheine

Aktuelles Update der Beers-Kriterien

Deutsche Übersetzung und Anpassung an den deutschen Arzneimittelmarkt

Die Beers-Kriterien sind ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in der Geriatrie. 2015 wurden sie durch die American Geriatrics Society (AGS) aktualisiert und um wichtige Aspekte erweitert. Die vorliegende Übersetzung soll die Verbreitung der aktualisierten Beers-Kriterien auch in Deutschland unterstützen und so zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen. Durch die Adaption an den deutschen Arzneimittelmarkt wird die Praxistauglichkeit sichergestellt. Die Anwendung dieser neuen Fassung liefert aufgrund ihrer Aktualität sowie der Erweiterung um relevante Arzneimittelinteraktionen und Hinweise zur Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz einen deutlichen Mehrwert für die Optimierung der geriatrischen Pharmakotherapie.

English abstract

Beers-Criteria: Translation of the recent update

The Beers criteria are an important instrument to improve medication safety in geriatrics. In 2015, the American Geriatrics Society (AGS) updated the Beers criteria and extended the list regarding important aspects. Our translation into German aims to simplify the application in German health care and to improve medication safety. The list was adapted to the German health care market to ensure its suitability for daily clinical use. The updated Beers lists is extended regarding clinical relevant drug-drug interactions and advice for dose titration in patients with renal insufficiency. Thereby, we hope that the updated Beers criteria will help to optimize geriatric pharmacotherapy.

Klinische Pharmazie Peter Raphael Franken und Ronja Woltersdorf, Bonn

Belastung der Nieren bei älterer Patientin mit Herzinsuffizienz

Die leitliniengerechte Therapie multimorbider Patienten führt häufig zu umfangreichen Medikationsplänen, die nicht selten besonders im Alter potenziell ungeeignete Medikamente enthalten. Ob und welche Medikamente abgesetzt werden können, ist im Einzelfall zu erwägen. Das Beispiel einer Medikationsanalyse bei einer Patientin mit einer Kombination kardialer Beschwerden zeigt, dass dabei auch mögliche Risiken für andere Organsysteme, zum Beispiel die Nieren, zu berücksichtigen sind.

English abstract

Risk of renal dysfunction in an elderly patient with chronic heart failure

The treatment of elderly multimorbid patients according to clinical guidelines often results in polypharmacy. An individual risk assessment is required to consider the possibility of deprescribing especially potentially inappropriate medication in the elderly. This exemplary case report describes a medication review of a patient with multiple chronic cardiovascular diseases taking into account the impact on renal function.

Übersicht Michael Reiß, Radebeul, und Gilfe Reiß, Dresden

Heiserkeit

Ursachen und Therapie

Wegen einer Heiserkeit oder Dysphonie konsultiert etwa 1% aller Patienten den Arzt. Die Ursachen einer Heiserkeit sind sehr vielfältig und können von einer harmlosen Laryngitis bis zu Stimmlippentumoren reichen. Neben akuten und chronischen Laryngitiden (42% und 10%) können funktionelle Stimmstörungen (30%), gutartige (15%) sowie bösartige Tumoren (3%), Stimmlippenparesen (5%), die physiologische Altersstimme (2%) und psychogene Faktoren (2%) eine Heiserkeit hervorrufen. Die Manifestation internistischer Erkrankungen ist sehr selten. Die Therapie richtet sich nach der Ursache: Arzneimittel, Stimmtherapie oder Operation. Die vorliegende Arbeit gibt eine aktuelle Übersicht über mögliche Ursachen einer Heiserkeit, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. Eine Heiserkeit sollte immer ernst genommen und bei einer Anamnesedauer von über drei Wochen laryngoskopisch abgeklärt werden.

English abstract

Hoarseness – causes and treatments

Due to a hoarseness or dysphonia about 1% of patients consult a doctor. The causes of hoarseness are very diverse and can range from a harmless laryngitis to vocal cord tumors.

In addition to acute and chronic laryngitis (42% and 10%), functional dysphonia (30%), benign (15%) and malignant tumors (3%), vocal cord paresis (5%), the physiological aging voice (2%) and psychogenic factors (2%) can cause hoarseness. The manifestation of internal diseases is very rare.

Treatment options depending on the cause are drugs, voice therapy or surgery. The present article gives an overview of possible causes of hoarseness, diagnosis and treatment options. Hoarseness lasting more than three weeks should always be taken seriously and be examined laryngoscopically.

Bericht Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Tops und Flops in der Kardiologie

Bericht vom Europäischen Kardiologenkongress in Rom

Der Europäische Kardiologenkongress, der dieses Jahr vom 27. bis 31. August in Rom stattfand, bietet alljährlich ein Forum, auf dem die neuesten wissenschaftlichen Studienergebnisse vorgetragen und diskutiert werden. Auch diesmal sind nicht alle Hoffnungen in Erfüllung gegangen, wie die „negativen“ Studien zeigen.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Polypharmazie bei alten Patienten

Wann kann man etwas absetzen?

Die Polypharmazie bei alten multimorbiden Patienten ist ein großes Problem, denn es kommt zu Interaktionen und zum Teil gravierenden Nebenwirkungen. Deshalb ist es wichtig, beim einzelnen Patienten immer wieder darüber nachzudenken, was man absetzen könnte.

Referiert & kommentiert Dr. rer. nat. habil. Annette Hille-Rehfeld, Stuttgart

Checkpoint-blockierende Tumortherapie

Checkpoint-blockierende Antikörper als Regulativ im Grundstoffwechsel von Tumorzellen

Antikörper gegen das Tumorantigen PD-L1 wurden für die Blockade der immunsuppressiven Interaktion von PD-L1 mit dem PD-1-Rezeptor von T-Zellen entwickelt. Inzwischen hat sich eine weitere Wirkung der PD-L1-Blockade gezeigt: Da sie auch die erst kürzlich erkannte PD-L1-initiierte Signaltransduktion im Tumor selber unterbinden, können PD-L1-Antikörper den Glucose-Verbrauch sowie die aerobe Glykolyse im Tumor drosseln. Im Gegenzug kann so die Glucose-Versorgung Tumor-infiltrierender Lymphozyten, die nach Antigen-vermittelter Aktivierung ebenfalls aerobe Glykolyse betreiben, verbessert werden. Im unbehandelten Tumorgewebe dagegen bewirkt Glucose-Mangel bei den T-Zellen Symptome der Anergie und schwächt die Immunabwehr.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Paracetamol und Ibuprofen

Keine vermehrten Exazerbationen bei Asthma-kranken Kindern

Bei Kindern bis zum Alter von fünf Jahren mit leichtem anhaltendem Asthma bronchiale ist eine Behandlung von Fieber oder Schmerzen mit Paracetamol nach Bedarf nicht mit mehr Asthma-Exazerbationen assoziiert als eine Behandlung mit Ibuprofen. Dies ergab die multizentrische, prospektive, randomisierte, doppelblind durchgeführte AVICA-Studie.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Aluminium-adjuvantierte Impfstoffe

Stellungnahme des Paul Ehrlich Instituts: toxikologisch unbedenklich

Eine neue Bewertung des Paul Ehrlich Instituts (PEI) attestiert Aluminium-haltigen Impfstoffen erneut die toxikologische Unbedenklichkeit und schließt sich damit der Sichtweise der US-amerikanischen FDA an.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

DPP-4-Inhibitoren

Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz?

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung oder multiplen Risikofaktoren wurde infolge einer Therapie mit DPP-4-Inhibitoren ein leichter Anstieg bei den Klinikeinweisungen aufgrund einer Herzinsuffizienz festgestellt.

Referiert & kommentiert Regine Schulte Strathaus, Wiesbaden

27. Schmerz-und Palliativtag

Kompetenz-Netzwerke schaffen mehr Lebensqualität für Schmerzpatienten

Schmerzpatienten müssen noch zu oft lange Wege gehen, bis sie adäquate Hilfe bei kompetenten Schmerzmedizinern finden. Diese sind nach wie vor rar gesät, vor allem in ländlichen Gebieten. Doch können Schmerzpatienten von neugeschaffenen Kompetenz-Netzwerken, die auch verwandte Sparten der medizinischen Versorgung einbeziehen, profitieren.

Referiert & kommentiert

Alterungsprozesse

Metformin als Antiaging-Substanz

Auch wenn sich die Lebensdauer stetig verlängert, bleibt die Unsterblichkeit nach wie vor utopisch. Wünschenswert wäre eine Lebenszeitverlängerung unter Aufhalten der altersbedingten Krankheiten. Aktuelle Forschungsergebnisse tragen dazu bei, den Mechanismus des Alterns aufzuklären und Ansätze für Antiaging-Strategien zu finden. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Metformin Alterungsprozesse verzögern kann.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Hautdesinfektion vor intravaskulärer Katheter-Insertion

Chlorhexidin-Alkohol Mittel der ersten Wahl

Das Legen intraarterieller und zentralvenöser Katheter birgt die Gefahr einer Infektion. In einer vergleichenden Studie ergaben sich nach einer Hautdesinfektion mit Chlorhexidin-Alkohol deutlich weniger Katheter-assoziierte Infektionen als nach einer Desinfektion mit Povidon-Iod-Alkohol. Damit ist die Empfehlung internationaler Leitlinien für Chlorhexidin-Alkohol als Mittel der ersten Wahl für die Lokaldesinfektion auch im direkten Vergleich bestätigt.