Patienten mit „Rücken“


Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

In Deutschland haben etwa 80% der Bevölkerung mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Möglicherweise sind die Zahlen aber noch höher, da Patienten länger zurückliegende Rückenschmerzepisoden schlicht vergessen oder „wegerklären“, z.B. im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft [5]. Akute Rückenschmerzen bessern sich bei den meisten Patienten innerhalb von wenigen Wochen, wenn sie nicht durch ausstrahlende Schmerzen, eine lange Vorgeschichte oder psychosoziale Risikofaktoren wie depressive Grundstimmung oder negativen Stress am Arbeitsplatz („yellow flags“) kompliziert sind. Bereits im Alter zwischen 30 und 40 Jahren leiden ungefähr 20 bis 30% der Deutschen unter chronischen Rückenschmerzen. Die Häufigkeit nimmt im Alter zu [5].

Um die Versorgungssituation der Patienten mit nichtspezifischen Kreuzschmerzen zu verbessern, ist letztes Jahr die 2., komplett überarbeitete Auflage der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Nicht-spezifischer Kreuzschmerz erschienen [3].

In der Übersicht „Kreuzschmerz: Leitlinien-Update 2017“ ab Seite 260 geht Professor Becker, Marburg, auf die wesentlichen Aspekte und Änderungen bei der Diagnostik und Therapie (nichtmedikamentös und medikamentös) ein. Aktivierende Maßnahmen und interdisziplinäre Therapien stehen nun im Vordergrund. Für unsere Beratungstätigkeit in der Apotheke bedeutet das laut Prof. Becker, die Bewegungsängste der Patienten nicht zu verstärken, sondern ressourcenorientiert (was ist trotz der Schmerzen möglich?) zu beraten. Die Patienten sollen darin bestärkt werden, sich zu bewegen. Besonders Patienten mit anhaltenden Schmerzen profitieren von Bewegungsprogrammen (z.B. Physiotherapie, Yoga, Pilates …).

In einer aktuellen Studie mit Patienten, die Schmerzen im unteren Rückenbereich hatten, konnte die Wirksamkeit einer manuellen Therapie zur weiteren Intensivierung einer Bewegungstherapie in Form von Rückenübungen gezeigt werden [1]. Hier speziell durch die spinale Manipulationstherapie, bei der das betroffene Wirbelsäulensegment durch eine geringgradige, ruckartige Bewegung über den Endpunkt hinaus gedehnt wird (über das typische Knacksen hörbar).

Die medikamentöse Therapie soll den Patienten in die Lage versetzen, nichtmedikamentöse Maßnahmen wahrzunehmen, sich beispielsweise auf Psychotherapiesitzungen einzulassen oder körperlich aktiv zu werden. Bringen Sie Ihr Wissen hier ebenfalls auf den aktuellen Stand: Welche nichtverschreibungspflichtigen Analgetika sollten in erster Linie empfohlen werden und wie steht es beispielsweise um die Wirksamkeit von Beinwell- oder Diclofenac-haltigen Gelen oder Capsaicin-haltigen Pflastern und Cremes bei Rückenschmerzen?

In der Übersicht nennt Prof. Becker wichtige Hinweise beim Umgang mit Opioiden hinsichtlich Dosierung, Langzeittherapie und Therapiebeendigung. Eine Dosiseskalation bei Nichtansprechen auf Opioide ist in vielen Fällen nicht hilfreich, da die Opioid-Ansprechrate bei chronischen Patienten nur bei 25% liegt, wie Prof. Becker bereits in einem Kommentar zu einer Studie über die Therapie mit Opioiden bei chronischen Rücken- und Arthroseschmerzen (siehe MMP 5, 2018) angemerkt hat [2]. Wie solchen Patienten mithilfe einer multimodalen Therapie geholfen werden und wie diese im Detail aussehen kann, lesen Sie im Patientenfall ab Seite 268.

Zusätzlich zur NVL wurde auch eine Patientenleitlinie herausgegeben, die Sie ihren Patienten empfehlen können [4]. Hier werden die diagnostischen Schritte und Therapieverfahren in verständlicher Form erläutert. Beispielsweise warum bildgebende Verfahren bei plötzlichen Rückenschmerzen ohne Warnzeichen zunächst nicht empfohlen werden und warum Bettruhe die Heilung eher verzögert als verbessert.

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