Seite 257
Editorial Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Patienten mit „Rücken“

Seite 260 -267
Übersicht Annette Becker, Winfried Hofmann, Sebastian Henze und Frank Dittmar, Marburg

Kreuzschmerz: Leitlinien-Update 2017

Aktivierung und interdisziplinäre Therapien stehen im Vordergrund

Seit der Erstveröffentlichung der Nationalen Versorgungsleitlinie Kreuzschmerz vor acht Jahren hat sich die Versorgungssituation der Patienten nicht verbessert. Immer mehr Menschen werden mit chronischen Kreuzschmerzen ins Krankenhaus eingewiesen und operativ oder interventionell behandelt. Inzwischen wurden die Empfehlungen überarbeitet. Mehr als früher stehen die Aktivierung und interdisziplinäre Therapie im Vordergrund der Empfehlungen, während passive Maßnahmen ablehnend beurteilt werden.

English abstract

Low back pain – Guideline update 2017

Seven years ago the first National Guideline for low back pain was launched. However, patient care has not improved significantly since then. More and more people suffering from chronic low back pain do receive hospital care, such as surgery or interventional care. In consequence, the recommendations have been revised in a way that activity and interdisciplinary care are more in focus than before whereas passive treatments are mostly not recommended. Once red flags as signs for organ pathology are excluded, acute back pain (less than 12 weeks) should be treated symptomatically until spontaneous recovery. However, if psychosocial or work related risk factors are present, these should be recognized early and targeted accordingly. Patients with a high risk for chronification and those suffering from chronic pain will gain from interprofessional and multimodal therapy in order to improve functional impairment and to enhance selfmanagement. Therapy for patients with chronic pain should focus on the patients’ quality of life. Drug therapy should only be used in a supportive way to improve adherence to non-pharmacological treatments. We present the current recommendations on management of low back pain of the revised version of the German National Guideline.

Seite 268 -269
Klinische Pharmazie Annette Becker, Winfried Hofmann, Sebastian Henze und Frank Dittmar, Marburg

Multimodale Therapie bei Rückenschmerzen

Chronische Rückenschmerzen sollten umfassend behandelt werden. So kann z.B. eine Kombination aus Physio- und Psychotherapie, Entspannungsübungen, Kunsttherapie und Alltagstraining zum Einsatz kommen. Eine Falldiskussion aus dem Diakoniekrankenhaus Marburg-Wehrda verdeutlicht, wie eine solche multimodale Therapie die Lebensqualität verbessern und den Bedarf an Analgetika verringern kann.

English abstract

Multimodal therapy for low back pain

This case report of a patient with chronic low back pain demonstrates how a multimodal therapy including physio- and psychotherapy, art therapy and relaxation techniques can enhance quality of life and reduce the need for analgesics.

Seite 273 -278
Übersicht Rainer Spanagel, Mannheim

Behandlung von Alkoholabhängigkeit

Der Missbrauch von Alkohol führt zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit. Durch die Anpassung des zentralen Nervensystems an die dauernde Alkoholzufuhr treten beim Absetzen des Alkohols Entzugserscheinungen auf. Die Behandlung der Entzugssymptomatik ist klinisch gut standardisiert. Eine große Herausforderung an den behandelnden Arzt und Patienten ist jedoch der Erhalt der Abstinenz bzw. den Patienten zum reduzierten Trinken zu führen. Um Verlangen und Rückfall bei alkoholabhängigen Patienten zu reduzieren, stehen Behandlungsstrategien zur Verfügung, die auf pharmakologischen Interventionen basieren. Die Entwicklung von Wirkstoffen wie Disulfiram, Naltrexon, Acamprosat und Nalmefen, die neurobiologisch wirken, machte die medikamentöse Therapie möglich. Neue potenzielle Anti-Rückfallsubstanzen wie Oxybat und Baclofen sowie die Verwendung von N-Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor-Kanalblocker (z.B. Neramexan) als Substitutionsmittel sind in der Diskussion. Zusammenfassend gibt es in der psychiatrischen Forschung kein anderes Gebiet, das in den letzten Jahren so viele innovative Behandlungsstrategien hervorgebracht hat, wie für die Alkoholabhängigkeit. Es wird jedoch noch einige Jahre dauern, bis die Mehrheit der behandlungsbedürftigen Patienten von diesen Entwicklungen profitieren wird.

English abstract

Treatment strategies for alcohol dependence

Chronic and excessive alcohol drinking can lead to physical dependence and addictive behavior. Characteristics of addictive behaviour are compulsive drug use, craving and chronic relapses that can occur even after years of abstinence. Here treatment strategies that are based on pharmacological interventions to reduce craving and relapse in alcohol dependent patients will be discussed. At first a historical overview about relapse prevention strategies will be provided. Then the development of disulfiram, naltrexone, acamprosate, and nalmefene will be reviewed and their neurobiological modes of action will be discussed. Finally, the use of sodium oxybate and baclofen will be discussed and the use of N-methyl-D-aspartate (NMDA) receptor channel blockers (e. g. neramexane) as substitution drugs will be introduced. In summary, there is no other field in psychiatric research that has, in recent years, yielded so many novel, druggable targets and innovative treatment strategies than for alcohol addiction. However, it will still be several years before the majority of the treatment-seeking patients will benefit from those developments.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Keratoconjunctivitis sicca

Omega-3-Fettsäuren bringen wahrscheinlich nichts

Patienten mit trockenen Augen werden neben künstlichen Tränen zusätzlich oft auch Omega-3-Fettsäuren empfohlen, da diesen antientzündliche Eigenschaften zugeschrieben werden. In einer methodisch hochwertigen Studie ergab sich nun allerdings kein Hinweis auf einen klinischen Effekt der Fischöle. Über einen 1-Jahres-Zeitraum verbesserten sich die Scores des Ocular Surface Disease Index bei den im Durchschnitt rund 58 Jahre alten Patienten unter Omega-3-Fettsäuren und Olivenöl-Placebo gleichermaßen.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Rika Rausch, Waren (Müritz)

Cannabis

Früher Herzinfarkt durch Marihuana-Konsum?

Eine aktuelle Studie befeuert die Diskussion um kardiovaskuläre Risiken im Zusammenhang mit der Anwendung von Cannabis: Junge Erwachsene, die Marihuana als Genussmittel konsumierten, trugen darin ein erhöhtes Risiko, noch vor dem 50. Lebensjahr einen Herzinfarkt zu erleiden. Lassen sich daraus Rückschlüsse auf den medizinischen Einsatz ziehen?

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Postmenopausale vulvovaginale Beschwerden

Vergleich einer Estradiol-haltigen Vaginaltablette mit nichthormonellen Vaginalcremes

In einer amerikanischen Studie wurde eine Estradiol-haltige Vaginaltablette mit einem Moisturizer und einem Placebo-Gel zur Therapie vulvovaginaler Symptome bei postmenopausalen Frauen verglichen. Unter allen drei Behandlungsarten besserten sich die Beschwerden. Die hormonhaltige Vaginaltablette schnitt nicht besser ab als der Moisturizer oder das Placebo-Gel.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg

Hypertonie

ACE-Hemmer bei Bluthochdruck – ja oder nein?

Ob ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARBs) zur Therapie des Bluthochdrucks bevorzugt werden sollen, ist sehr umstritten. Die Autoren des vorliegenden Reviews vergleichen Nutzen und Nebenwirkungen beider Substanzklassen und sprechen sich gegen ACE-Hemmer als erste Wahl aus.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Mathias Schneider, Stuttgart

Epilepsie-Patienten

Mehr Vergiftungen als der Durchschnitt

Unnatürliche Todesursachen wie Suizid oder Vergiftungen treten bei Epilepsie-Patienten häufiger als bei der Gesamtbevölkerung auf. Dabei vergiften sich die Epileptiker selten mit Antiepileptika selbst, sondern häufig mit Opioiden oder Antipsychotika. Das ergab eine Kohortenstudie aus England und Wales.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Miriam Sonnet, Rheinstetten

Diabetes mellitus

Betablocker erhöhen Sterblichkeitsrisiko

Wenn Diabetes-Patienten aufgrund eines Infarkts oder einer Herzinsuffizienz mit Betablockern behandelt werden, kann dies das Mortalitätsrisiko steigern. Das sind die Ergebnisse einer neuen, prospektiven Kohortenstudie.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Michael Koczorek, Bremen

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen

Frauen profitieren von Nitrofurantoin

Nitrofurantoin und Fosfomycin werden vermehrt zur Behandlung unkomplizierter Harnwegsinfektionen eingesetzt, seitdem die beiden Substanzen in Leitlinien als Erstlinientherapie empfohlen werden. Huttner et al. zeigten nun, welches der beiden Regime effektiver ist.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Medikamentöse Raucherentwöhnung

Kardiovaskuläres Risiko nicht erhöht

Raucher wiesen während oder nach einer Therapie mit Vareniclin, Bupropion oder Nicotin-Pflastern kein erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Nebenwirkungen auf. Signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirkstoffen wurden ebenfalls nicht festgestellt. Das ergab die EAGLE-Studie und deren Nachbeobachtungsphase.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Matthias Desch, Kogl

Antidepressiva

SSRI in der Schwangerschaft beeinflussen die Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes

Eine Anwendung selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) während der Schwangerschaft kann das Volumen und die neuronale Konnektivität bestimmter Gehirnregionen bei ungeborenen Kindern beeinflussen, wie Daten einer im JAMA Pediatrics veröffentlichten Studie zeigen.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft

Noch keine Evidenz für allgemeine Empfehlung

Die Expertenmeinungen bezüglich einer Vitamin-D-Supplementierung in der Schwangerschaft gehen weit auseinander, denn die Datenlage zu deren Nutzen ist sehr inkonsistent. Aktuell spricht sich die WHO dagegen aus; auch in Deutschland gibt es keine derartige Empfehlung. Eine kürzlich zu dieser Thematik publizierte Metaanalyse auf Basis eines systematischen Reviews bringt neue Fakten in die Diskussion.

Seite 279 -293
Referiert & kommentiert Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Wussten Sie schon …?

Geringes Verletzungsrisiko durch Kopfbälle