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Editorial Dr. Charly Gaul, Königstein

Evolution oder Revolution?

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Pharmakologie aktuell Matthias Desch, Kogl

CGRP- und CGRP-Rezeptor-Antagonisten

Antikörper und niedermolekulare Substanzen zur Prophylaxe und Akuttherapie der Migräne

Im Bereich der Migräneprophylaxe gibt es seit Kurzem neue, innovative Therapiemöglichkeiten, die viele bisher unzureichend behandelte Patienten neue Hoffnung schöpfen lassen. Ob sich diese Hoffnung bewahrheiten lässt, wird die breite Anwendung zeigen. Auch im Bereich der Akuttherapie sind im Hinblick auf die niedermolekularen CGRP-Rezeptor-Antagonisten noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Inwieweit dieses Gebiet nach der Zulassung des ersten zwei Antikörper zur Migräneprophylaxe in der klinischen Forschung noch interessant ist, wird sich ebenfalls zeigen. Die nachfolgende Übersicht soll einen Einblick zu (potenziellen) Behandlungsmöglichkeiten im Kontext des CGRP-Antagonismus ermöglichen.

English abstract

CGRP- and CGRP-receptor antagonists for prophylaxis of migraine

About 12 % of adults suffer from episodic or chronic migraine. Usually acute migraine headache is treated with NSAIDs or triptans. About 40 % of migraine patients respond inadequately to NSAIDs or triptans. Additionally lots of patients suffer from serious or more than four days of migraine headache per month. In this case, prophylactic medication is needed. But lots of patients discontinue a prophylactic therapy due to missing treatment effects or serious adverse events. So there is a need for new options to treat episodic or chronic migraine. Research is focussing on CGRP (calcitonin gene-related peptide), which is a 37-amino-acid molecule and very important for the onset of migraine. Beside the “gepants”, which are small molecules that block the CGRP-receptor, a further developed strategy blocking CGRP or its receptor via antibodies is now available for undertreated migraine patients. They show superior efficacy than placebo for the prophylaxis of episodic and chronic migraine. The big advantage is their profile of side effects which is on the level of placebo.

Seite 17 -27
Übersicht Jan Frölich, Mannheim

Depressive Erkrankungen im Kindes- und Jugendlichenalter

Depressive Störungen im Kindes- und Jugendlichenalter sind häufig, gehen mit wesentlichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität, aber auch der Alltagsfunktionen einher, neigen zum Chronifizieren mit häufigen Rückfällen bis in das Erwachsenenalter hinein und beinhalten eine erhöhte Suizidgefahr. Des Weiteren gehen sie mit einer Mehrzahl an zusätzlichen ernsthaften psychiatrischen Störungen, unter anderem Suchterkrankungen, einher, was den Verlauf zusätzlich erschwert. Ursächlich werden Gen-Umwelt-Interaktionen vermutet, verbunden mit einer Vielzahl an psychosozialen Belastungsfaktoren, zum Beispiel in der Familie der Betroffenen, sowie kognitiven, negativ getönten Wahrnehmungsverzerrungen bei den Betroffenen. Die Diagnostik ist aufgrund der nicht immer zufriedenstellenden Compliance vor allem von jugendlichen Patienten und der mitunter schwierigen Einschätzbarkeit des Befindens der Patienten selbst durch Familienangehörige (zeit-)aufwendig und sollte stets qualifizierten Fachärzten oder Fachpsychotherapeuten vorbehalten sein. In diesem Kontext sind auch immer die Abgrenzung zu Adoleszenz-typischen Stimmungsschwankungen notwendig, aber auch differenzialdiagnostische Erwägungen im Rahmen sekundärer depressiver Symptome bei somatischen Erkrankungen oder bei medikamentösen Behandlungen und zu anderen psychiatrischen Erkrankungen, vor allen Dingen den bipolaren Störungen. Die therapeutische Arbeit ist vorzugsweise ambulant konfiguriert, sofern keine Suizidalität besteht, wichtige Tagesfunktionen noch erhalten sind sowie Unterstützung aus der Familie vorhanden ist. Vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze einzeln oder in der Gruppe sind wichtig und haben sich als empirisch wirksam erwiesen. Bei unzureichender Wirksamkeit besteht die Indikation für eine zusätzliche medikamentöse Behandlung, welche allerdings nur für die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nachgewiesen ist. In Zukunft werden zunehmend auch internetgestützte Therapieformen zum Einsatz kommen. Die Patienten müssen auch nach Beendigung intensiver therapeutischer Maßnahmen weiter behandelt werden, damit sowohl der Verlauf eingeschätzt als auch ein Rückfall vermieden werden kann.

English abstract

Depressive disorders in children and adolescents

The prevalence of depression is low before puberty, but rises from the early teens, and girls are predominantly concerned. Especially in children comorbid disruptive and anxiety disorders are common and may precede depressive symptoms and during adolescence an increased risk for substance abuse exists. Adolescent depression is associated with a range of adverse later outcomes including suicidality, problems in social functioning and poor physical and mental health. A family history of depression and exposure to stressful life events are the most robust risk factors for depression. The pathogenetic model of depression involves both psychosocial and heritable genetic processes with reciprocal interactions. Especially neurocognitive based perceptual distortions contribute to the development of depressive symptoms. Depressed children and youth benefit from cognitive behavior therapy and/or antidepressant SSRI (selective serotonin reuptake inhibitor) medication.

Seite 28 -29
Kommentar Klaus J. Neis, Saarbrücken

Beratung und Aufklärung zur HPV-Impfung

Eine nationale Aufgabe

Zwar lassen sich bereits viele Jugendliche gegen humane Papillomviren (HPV) impfen, dennoch nehmen noch lange nicht alle Heranwachsenden diese Möglichkeit wahr. Im August letztes Jahres haben wir bereits über eine Studie zum Kommunikationstraining für medizinische Fachkräfte berichtet. Der Gynäkologe Professor Neis zeigt noch einmal auf, wie die Beratung und Aufklärung von Eltern, Mädchen und Jungen zur HPV-Impfung die Impfbereitschaft erhöhen kann.

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Thomas M. Heim, Freiburg

Wissenstransfer über Fachgrenzen hinweg

Glanzlichter vom Deutschen Rheumatologen-Kongress 2018

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Mannheim zeigte letztes Jahr in besonderer Weise, dass eine erfolgreiche Behandlung von Menschen mit rheumatologischen Erkrankungen den interdisziplinären Blick braucht. Das trifft nicht nur auf die Grundlagenforschung und die Entdeckung möglicher neuer Angriffspunkte für medikamentöse Therapien zu, sondern auch auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Entzündung, Immunsystem, Schmerz, neurologisch-endokrinen und psychosozialen Faktoren und auf die sich daraus ergebenden nichtmedikamentösen Therapieansätze.

Seite 34 -39
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen

Rheumatoide Arthritis

Können DMARD die Erkrankung verzögern?

Die Entwicklung einer rheumatoiden Arthritis kann Jahre dauern. Eine frühe therapeutische Intervention mit DMARD verzögert den Ausbruch und das Fortschreiten der Erkrankung. Das sind die Ergebnisse einer Metaanalyse.

Seite 34 -39
Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Ankylosierende Spondylitis

Adalimumab lieber nicht absetzen

Patienten mit aktiver, aber noch nicht radiologisch nachweisbarer ankylosierender Spondylitis können unter der Behandlung mit Adalimumab eine anhaltende Remission erzielen. Sie haben eine gute Chance, diesen Zustand zu erhalten, wenn sie die Therapie beibehalten. Ein Absetzversuch dagegen steigert das Risiko für ein erneutes Aufflammen der Krankheit. Das zeigt eine aktuelle Studie, die kürzlich im Lancet publiziert wurde.

Seite 34 -39
Referiert & kommentiert Solvejg Langer, Stuttgart

Primäre Dysmenorrhö

Hilft Sport gegen Regelschmerzen?

Eine primäre Dysmenorrhö tritt bei bis zu 90 % der Frauen irgendwann im Leben auf. Laut einer neuen Metaanalyse kann sportliche Betätigung die Symptome verbessern.

Seite 34 -39
Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Chirurgie versus Physiotherapie am Knie

Patienten mit Meniskusabriss müssen nicht immer operiert werden

Zumindest mittelfristig ist die alleinige physiotherapeutische Behandlung bei Patienten mit partiellem Meniskusabriss nicht weniger wirksam als eine partielle Meniskusentfernung: Im Laufe von zwei Jahren ab Behandlungsbeginn besserte sich die Funktion des betroffenen Kniegelenks in einer Studie unter beiden Therapien in vergleichbarem Ausmaß.

Seite 34 -39
Referiert & kommentiert Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Wussten Sie schon …?

Warum Patienten ihren Arzt belügen