Editorial Heike Oberpichler-Schwenk

Wie geht es MS-Patienten in Deutschland?

Übersicht Constanze Schäfer, Düsseldorf

Laborwerte

In Blut und Urin lässt sich eine Vielzahl von physiologischen Parametern analysieren. In vielen Apotheken führen die Mitarbeiter täglich Untersuchungen zu Blutzucker und Cholesterolspiegel, gelegentlich auch zu Leberwerten oder anderen Parametern durch. Oft kommen zudem Kunden in die Apotheke und fragen nach der Bedeutung des einen oder anderen Werts, der im Rahmen einer Untersuchung beim Arzt ermittelt wurde. Gründe genug, sich etwas eingehender mit Laborwerten, damit im Zusammenhang stehenden physiologischen Folgen und möglichen Einflussfaktoren bei der Ermittlung zu beschäftigen.

English abstract

Laboratory parameters

Numerous physiologic parameters can be analyzed in blood and urine. In many pharmacies, pharmacy support staff perform diagnostic analytic tests like blood glucose and cholesterol tests on a daily basis. Occasionally they perform standard liver function tests as well. Frequently customers attend the pharmacy and ask for the significance of particular laboratory test results. These are enough reasons to discuss laboratory values, the associated medical consequences and the factors which possibly affect the test results in greater detail.

Übersicht Stefan Schwarz, Hans Leweling, Bernd-Udo Sagstetter, Mannheim, und Hans-Michael Meinck, Heidelberg

Komplementäre und alternative Therapien der multiplen Sklerose

Die meisten Patienten mit multipler Sklerose (MS) verwenden zumindest zeitweise komplementäre und alternative Therapien (KAT). Über mögliche positive wie auch unerwünschte Wirkungen der meisten KAT liegen keine aussagekräftigen Untersuchungen vor. Ein Teil der KAT beruht auf nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlagen und positiven Ergebnissen kleinerer Studien. Bei der Mehrzahl der KAT ist die Wirkung hypothetisch oder auf Erfahrungsberichte gestützt. Mögliche Effekte auf die Lebensqualität sind unzureichend untersucht. Von einigen KAT muss wegen potenzieller Risiken abgeraten werden. Die Kosten der KAT sind teilweise erheblich und müssen unter Berücksichtigung des fehlenden Wirkungsnachweises kritisch beurteilt werden. Grundlagen und wissenschaftliche Datenlage häufig verwendeter KAT werden diskutiert. Die Datenlage ist für ungesättigte Fettsäuren, Vitamin D und Calcium sowie für Cannabinoide am günstigsten; allerdings steht auch für diese Therapien der Wirkungsnachweis aus. Aussagekräftige Therapiestudien werden zum Wirkungsnachweis der KAT gefordert.

Übersicht Dirk W. Lachenmeier, Karlsruhe

Thujon-Wirkungen von Absinth sind nur eine Legende

Toxikologie entlarvt Alkohol als eigentliche Absinthismus-Ursache

In der Diskussion über Thujon als möglicher toxischer Bestandteil der wermuthaltigen Spirituose Absinth wird der Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung immer wieder ignoriert. Sehr oft werden die Wirkungen von Absinth allein auf Thujon zurückgeführt, was wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert ist. Auch eine psychotrope Wirkung von Thujon konnte wissenschaftlich nicht belegt werden. Im übrigen ist die Frage einer Thujon-Wirkung in Absinth irrelevant, da Thujon sowohl in heute auf dem Markt erhältlichen Absinthen als auch in historischen Produkten aus der Blütezeit des Absinths in derartig geringen Mengen vorkommt, dass eine pharmakologische Wirkung per se auszuschließen ist. Die unter dem Begriff „Absinthismus“ zusammengefassten Wirkungen der Spirituose, die in Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts beobachtet wurden, können nach heutigem Stand des Wissens allein durch einen chronischen Alkohol-Missbrauch erklärt werden.
Besonders aus Sicht des Jugendschutzes und gesundheitlichen Verbraucherschutzes sollte eine unklare Berichterstattung über Absinth vermieden werden, die beispielsweise durch angebliche den Alkoholeffekten entgegengesetzte Wirkungen zu einer Verharmlosung des Alkoholkonsums führen könnte. Wissenschaftlich nicht gesicherte Mutmaßungen über den Einfluß bestimmter Trinkrituale auf die Toxizität von Absinth sollten unterlassen werden. Eine Rückkehr zu mehr Evidenz und weniger Mutmaßung in der Berichterstattung über Absinth und Thujon wäre wünschenswert.

English abstract

Thujone-attributable effects of absinthe are only an urban legend – toxicology uncovers alcohol as real cause of absinthism

In the discussion about thujone as possible toxic constituent of the wormwood-containing alcoholic beverage absinthe, the dose-response-relationship is frequently ignored. The effects of absinthe are very often attributed only to thujone, an association that is not scientifically proven. Especially the alleged psychotropic effects of thujone are scientifically unproven. However, the question about thujone effects in absinthe is irrelevant, because thujone is contained in both modern commercial absinthes and historic pre-ban products in such low amounts that a pharmacological effect can be excluded per se. The effects of the spirit that are summarized under the term absinthism observed in late 19th century’s France, can be explained by chronic alcohol misuse and dependence alone according to today’s standards of knowledge.

Especially from the perspective of youth and public health protection, an ambiguous and biased reporting about absinthe should be avoided. For example, the alleged antagonistic effects of thujone on the action of ethanol might lead to a trivialization of alcohol-related harms. Scientifically unproven speculations about the influence of certain drinking rituals of absinthe on its toxicity must be rebutted. A return to more evidence and less conjecture in the reporting about absinthe would be desirable.

Fragen aus der Praxis

Rimonabant in der Frühschwangerschaft?

Ein Lehrbeispiel zur Arzneimitteltherapie bei Frauen im gebärfähigen Alter

Anfrage eines Facharztes für Gynäkologie: „Eine Patientin hat in Unkenntnis ihrer Schwangerschaft bis zur 5. Schwangerschaftswoche Rimonabant (Acomplia®) eingenommen. Besteht ein teratogenes Risiko?“

English abstract

Prescription of rimonabant in the early stage of pregnancy?

Rimonabant should not be prescribed in pregnancy because no sufficient data on the teratogenic/embryotoxic risk are available. A preventive termination of pregnancy is not indicated.

Women in childbearing age should take only low-risk drugs. Otherwise dedicated information, in doubt pregnancy test, and strict contraception is required.

Referiert & kommentiert Dr. Luise Mansel, Haimhausen

Invasive Candidiasis

Anidulafungin – gut verträglich und besser wirksam als Standardmedikation

Im September 2007 wurde Anidulafungin (Ecalta®) als neue Substanz aus der Gruppe der Echinocandine zur Behandlung von invasiven Candida-Infektionen bei erwachsenen, nicht neutropenischen Patienten zugelassen. Es ist signifikant besser wirksam als die bisher als Standard anerkannte Substanz Fluconazol und wird gut vertragen. Da es praktisch keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zeigt, kann es auch bei schwer kranken hämato-onkologischen und intensivmedizinisch behandelten Patienten problemlos eingesetzt werden.

Referiert & kommentiert Monika Walter, München

Juvenile idiopathische Arthritis

Etanercept in der Kinderrheumatologie

Um dauerhafte Funktionseinbußen zu verhindern, sind eine frühe Diagnose und ein unverzüglicher Therapiebeginn für Kinder und junge Erwachsene mit juveniler idiopathischer Arthrtis (JIA) besonders wichtig, betonte Professor Gerd Horneff auf einem Klinikworkshop, der Ende November 2007 in der Asklepios Klinik Sankt Augustin stattfand. Eine wichtige Option ist dabei der TNFα-Rezeptor Etanercept (Enbrel®), dessen Wirksamkeit und Verträglichkeit auch durch die Ergebnisse des deutschen JIA-Enbrel-Registers bestätigt werden.

Referiert & kommentiert Dr. med. Nana Mosler, Leipzig

Schilddrüsenfunktionsstörungen

Behandlung der Hypothyreose kann Rheuma bessern

Nahezu die Hälfte der Patienten, die an einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden, sind zugleich Rheuma-Patienten. Nur zu oft aber wird dieser Zusammenhang in der Praxis übersehen oder gar nicht hinterfragt. Bei rheumatischen Erkrankungen sollte jedoch differenzialdiagnostisch unbedingt auch eine Schilddrüsenerkrankung berücksichtigt werden. Bemerkenswerterweise kann nämlich eine Levothyroxin-Therapie gleichzeitig auch die Rheuma-Symptomatik für den Patienten entscheidend verbessern.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. H. C. Diener, Essen

Migräne

Topiramat bei chronischer Migräne

Topiramat führt auch bei Patienten mit chronischer Migräne im Vergleich zu Plazebo zu einer signifikanten Abnahme der Migränetage. Die häufigsten unter Topiramat aufgetretenen Nebenwirkungen sind Parästhesien.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. H. C. Diener, Essen

Migräne

Prophylaxe mit Topiramat: wann treten die Nebenwirkungen auf?

Beim Einsatz von Topiramat zur Migräneprophylaxe treten die Nebenwirkungen, die zum Therapieabbruch führen, meist in der Titrationsphase auf.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans Christoph Diener, Essen

Clusterkopfschmerz

Zolmitriptan-Nasenspray zur Behandlung der Clusterattacke

In einer randomisierten doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Cross-over-Studie waren 5 und 10 mg Zolmitriptan-Nasenspray wirksamer als Plazebo bei der Behandlung von Clusterattacken.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen,Hachenburg

Antihypertensive Therapie in der Schwangerschaft

Welche Arzneistoffe kommen in Frage?

Eine arterielle Hypertonie in der Schwangerschaft ist sowohl für die Mutter als auch das Kind eine besondere Risikosituation, die mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht. Dabei müssen schwangerschaftsbedingte und schwangerschaftsunabhängige Hypertonieformen unterschieden werden. Für die medikamentöse Therapie kommen nur wenige Substanzen in Betracht, nämlich Methyldopa, Metoprolol, Dihydralazin und Nifedipin.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Glucocorticoide bei drohender Frühgeburt

Früher Nutzen, aber offene Fragen zu Dosierung und Langzeitfolgen

Pränatal verabreichte Glucocorticoide senken die Frühgeburtsrate und die Neonatalsterblichkeit. Unsicherheit besteht allerdings noch darüber, ob sie mit Blick auf die Langzeitfolgen besser nur einmal oder mehrfach verabreicht werden sollten.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Atemwegsinfektionen

Humanes Bocavirus als Erreger?

Das humane Bocavirus wurde in zeitlichem Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, isoliert. Das Virus scheint weltweit verbreitet zu sein. Um die klinische Bedeutung des humanen Bocavirus besser charakterisieren zu können, sind prospektive Untersuchungen und die Entwicklung eines Tiermodells und Zellkulturverfahrens notwendig.

Referiert & kommentiert Red.

Forschung

Knorpelpipeline