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Übersicht Michael Reiß, Radebeul und Gilfe Reiß, Dresden

Epistaxis: Ursachen, Diagnostik und Therapie

Nasenbluten (Epistaxis) ist einer der häufigsten Notfälle in der HNO-Heilkunde. Es ist insgesamt ein wichtiges Symptom oder Krankheitsbild und nicht nur für den HNO-Facharzt von Bedeutung, sondern auch für Angehörige anderer Berufsgruppen. Die vorliegende Übersicht fasst die Ursachen und Risikofaktoren, die Diagnostik und die Therapie zusammen. Ferner wird auf spezielle Situationen und Krankheitsbilder eingegangen. Schweres oder gar unstillbares Nasenbluten erfordert eine breite Palette diagnostischer und therapeutischer Optionen.

English abstract

Epistaxis: diagnosis and therapy

Epistaxis or nosebleed is one of the most frequent emergencies in otorhinolaryngology. It is clearly an important condition – not only to the ear-nose-throat(ENT)-specialist but also to any general practitioner. This review looks at the aetiology, associated clinical considerations and evolution of its management. Intractable epistaxis requires a broad armamentarium of different diagnostic and therapeutic options.

Übersicht Thomas Uhrhan, Mehmet Gövercin und Marion Schaefer, Berlin

Der Einfluss von Arzneimitteln auf das Sturzrisiko älterer Patienten

Mit steigendem Alter nimmt die Prävalenz von Stürzen ebenso wie der Schweregrad der Sturzfolgen zu. Stürze im Alter sind für die Betroffenen mit einem erheblichen Leidensdruck und unter Umständen fatalen Folgen verbunden. Darüber hinaus verursachen sie beachtliche Kosten für die Versorgungssysteme. Die meisten Stürze bei älteren Menschen resultieren aus dem Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren und einem Auslöser. Eine erhöhte Sturzneigung wird nicht zuletzt durch die Einnahme von Arzneimitteln maßgeblich beeinflusst. Häufig sind Arzneimittelnebenwirkungen wie Hypotension oder motorische oder kognitive Störungen die Sturzursache. Es muss jedoch stets unterschieden werden, ob die Anwendung eines Arzneimittels lediglich ein Indikator für eine Funktionsstörung ist oder einen eigenständigen Risikofaktor für Stürze darstellt. Apotheker können durch Beratung zu Arzneimittelneben- und -wechselwirkungen, aber auch zu weiteren Risikofaktoren zur Verminderung des Sturzrisikos älterer Patienten beitragen.

English abstract

The effect of medications on the risk of falling in elderly patients

In advanced age, the tendency to fall increases, as does the severity of the consequences of falling. For the elderly, falling involves considerable suffering and psychological strain, with sometimes fatal consequences. Moreover, falls cause substantial costs to the health and welfare systems. Among elderly people, most falls result from the concurrence of several risk factors and a trigger. Taking medication can significantly influence the tendency to fall. Adverse drug reactions such as hypotension or the inhibition of motor or cognitive skills are often the cause of falling. In each case it must be determined whether the use of a medication is solely an indicator of a functional disorder or acts as an independent risk factor for falling. Pharmacists can help reduce the risk of falling by advising elderly patients on a medication's side effects and its interaction with other medications as well as on additional risk factors.

Übersicht Claudia Peuke, Holle*

Hyperurikämie/Gicht

Die Gichterkrankung, von der Männer sehr viel häufiger betroffen sind als Frauen, gehört zu den sogenannten „Wohlstandskrankheiten“. In Zeiten mit unterkalorischer Versorgung tritt sie trotz genetischer Disposition kaum auf. Bei Männern manifestiert sich das Krankheitsbild häufig bereits im mittleren Lebensalter. Es handelt sich dabei um eine Stoffwechselstörung, der überhöhte Harnsäurewerte im Blut vorangehen. Hyperurikämie und Gicht – der Übergang ist fließend! Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, wann das Krankheitsbild als behandlungsbedürftig gilt. Da es eindeutige Studien zum bestmöglichen Therapiebeginn nicht gibt, stehen präventions- und therapiebegleitende Maßnahmen im Vordergrund.

Bericht Bericht von Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Neue Studienergebnisse in der Kardiologie

Das Bessere ist der Feind des Guten

Die Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), die in diesem Jahr in Stockholm stattfand (28.08.–01.09.2010), bietet alljährlich ein Forum für neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Zu den Highlights dieses Kongresses gehören die Hot-Line Sessions, bei denen neueste Ergebnisse aus klinischen Studien vorgetragen und diskutiert werden. Einige davon werden im Folgenden vorgestellt.

Referiert & kommentiert Abdol A. Ameri, Weidenstetten

Schmerzhafte Fingergeschwüre

Eine häufige Komplikation systemischer Sklerose

Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) leiden aufgrund der vaskulären Funktionsstörungen unter mannigfaltigen Komplikationen in verschiedenen Organsystemen. Eine der häufigsten und am stärksten belastenden Komplikation sind digitale Ulzerationen. Sie sind schmerzhaft, häufig rezidivierend und beeinträchtigen die Lebensqualität und Alltagsfunktionalität der betroffenen Patienten. Der orale duale Endothelin-1-Rezeptorantagonist Bosentan reduziert die Anzahl neuer digitaler Ulzerationen bei SSc-Patienten mit bereits bestehenden Fingergeschwüren. Aktuelle Ergebnisse wurden bei einer Fachtagung der Firma Actelion vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Pulmonal arterielle Hypertonie

Die Therapie sollte zielorientiert sein

Für die spezifische Therapie der pulmonal arteriellen Hypertonie stehen drei Substanzgruppen zur Verfügung. Dazu gehören auch die Endothelin-Rezeptorantagonisten wie Bosentan. Die Therapie sollte heute bereits im Stadium NYHA II zunächst mit einer Monotherapie begonnen werden. Eine Kombinationstherapie ist dann notwendig, wenn damit die Therapieziele nicht erreicht werden, so das Fazit eines Satellitensymposiums, das die Firma Actelion anlässlich des 51. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumonologie und Beatmungsmedizin veranstaltete.

Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Multiples Myelom

Anhaltender Überlebensvorteil durch Bortezomib in der Primärtherapie

Die 3-Jahres-Daten der VISTA-Studie bestätigten den Nutzen einer Bortezomib-haltigen Therapie beim multiplen Myelom. Neben einer verbesserten Überlebenszeit wirkt sich Bortezomib auch günstig auf Nieren- und Knochenstoffwechsel aus. Die Daten wurden bei einem Symposium der Firma Ortho Biotech, Neuss, beim diesjährigen Deutschen Krebskongress in Berlin vorgestellt [1].

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Clostridium-difficile-Infektion

Anti-Toxin-Antikörper senken Rezidivrate

Patienten mit einer Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö profitieren von Antikörpern gegen C.-difficile-Toxine, die zusätzlich zu oralem Metronidazol oder Vancomycin intravenös gegeben werden. Die Rezidivrate war bei diesen Patienten deutlich niedriger als bei Patienten, die statt der Antikörper eine Plazebo-Infusion erhielten, so das Ergebnis einer kontrollierten Doppelblindstudie. Auf die Dauer und Schwere der akuten Infektion hatten die Antikörper dagegen keinen Einfluss.

Referiert & kommentiert Thomas Fiß, Greifswald

Pharmazeutische Betreuung

Zu viele alte Patienten nehmen ungeeignete Medikamente ein

Mit der Einnahme von potenziell inadäquaten Medikamenten bei über 65-jährigen Patienten ist ein erhebliches gesundheitliches Risiko verbunden. Im Rahmen der AGnES-Studien (Arzt-entlastende, Gemeinde-nahe, E-health-gestützte, systemische Intervention) wurde die Medikation von älteren Patienten auf die Einnahme von potenziell inadäquaten Medikamenten hin überprüft. Eine Subgruppenanalyse ergab einen Zusammenhang zwischen der Einnahme bestimmter Medikamente und Stürzen.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Postoperative Pneumonie

Kein erhöhtes Risiko durch Magensäurehemmer

Einer kanadischen retrospektiven Kohortenanalyse zufolge war bei älteren Patienten, die sich einem elektiven operativen Eingriff unterzogen, die Einnahme von Säurehemmern nach Adjustierung verschiedener Patienten- und Operationscharakteristika nicht mit einem erhöhten Risiko für eine postoperative Pneumonie verbunden.

Referiert & kommentiert Bettina Christine Martini, Legau

Vorhofflimmern

Weniger strenge Kontrolle der Herzfrequenz reicht aus

Eine niederländische Studie ergab, dass bei Patienten mit chronischem Vorhofflimmern eine weniger strenge Kontrolle der Herzfrequenz als bisher üblich ebenso effektiv war wie die strenge Kontrolle. Außerdem wurde sie leichter erreicht.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Rheumatoide Arthritis

Neue Prednison-Formulierung verringert Krankheitsaktivität und Symptome

Im Rahmen der CAPRA-2-Studie (Circadian administration of prednisone in rheumatoid arthritis) wurde die Wirksamkeit von Prednison-Tabletten mit zeitverzögerter Freisetzung bei Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis untersucht. Mit dem neuen Präparat wurde eine effektive Entzündungshemmung mit Abnahme der Krankheitsaktivität erreicht, verbunden mit einer deutlichen Abnahme der Symptomatik, so das Ergebnis eines von Merck Serono anlässlich des Jahreskongresses der European League against Rheumatism (EULAR) in Rom veranstalteten Pressegesprächs.

Referiert & kommentiert Bettina Christine Martini, Legau

Neue Behandlungsmethoden

„Migränechirurgie“ – Humbug oder Innovation?

In einer 2009 publizierten Studie wurde bei Migränepatienten untersucht, ob eine Entfernung von Nerven- oder Muskelgewebe an so genannten Triggerpunkten, die Migräne reduziert. Dabei wurden die Patienten randomisiert dem tatsächlichen operativen Eingriff unterzogen oder scheinoperiert. Die Studienergebnisse fielen zwar zugunsten der Migränechirurgie aus, aber es sind schwere methodische Mängel an der Studie zu kritisieren.

Referiert & kommentiert Sabine Stürmer, Bendestorf

Primärprävention vor Neuralrohrdefekten

„Pille“ mit Folsäure-Zusatz kann vor angeborenen Anomalien schützen

Folate bzw. Folsäure sind essenziell für eine gesunde embryonale Entwicklung. Liegt in den ersten vier Schwangerschaftswochen ein Folatmangel vor, kann ein Neuralrohrdefekt entstehen. Aber nur wenigen Frauen im gebärfähigen Alter ist dies bekannt. Zudem wissen viele Frauen zu diesem frühen Zeitpunkt gar nicht, dass sie schwanger sind. Mit dem Zusatz von Folsäure in oralen Kontrazeptiva sollen nun speziell Frauen erreicht werden, die kurz nach Absetzen der „Pille“ schwanger werden. Das Konzept wurde bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer Vital vorgestellt [1].