Editorial Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Festbetragsregelung für Triptane: Chaos in der Apotheke

Pharmakologie aktuell Claus Weichel, Ratingen, und Birgit Hecht, Stuttgart

Tapentadol

Opioid-Analgetikum und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer

Tapentadol ist ein moderater Agonist am m-Opioidrezeptor und ein Inhibitor der Noradrenalin-Wiederaufnahme. Als Retard-Präparat ist es in Deutschland seit August 2010 zur Behandlung starker, chronischer Schmerzen bei Erwachsenen, die nur mit Opioidanalgetika angemessen behandelt werden können, zugelassen. In klinischen Studien mit Patienten, die an chronischen Schmerzen im Bereich des unteren Rückens, an chronischen Arthroseschmerzen der Hüfte oder des Knies sowie an Schmerzen aufgrund diabetischer Polyneuropathie litten, war es signifikant besser wirksam als Plazebo und ähnlich wirksam wie Oxycodon. Insgesamt ist die Verträglichkeit der Substanz vergleichbar mit derjenigen von Oxycodon, wobei typische opioidrezeptorvermittelte unerwünschte Ereignisse wie Übelkeit und Obstipation etwas seltener auftraten. Die Auswertung von Fragebögen zum Gesundheitszustand der Patienten gab Hinweise darauf, dass die Hemmung der Noradrenalin-Wiederaufnahme klinisch relevant sein könnte. Tapentadol war außerdem in einer schnell freisetzenden Formulierung bei akuten Schmerzen wirksam, in dieser Formulierung ist es in Deutschland jedoch nicht verfügbar.

Übersicht Andreas Schuchert, Neumünster

Aktuelle Therapie der Hypertonie

Bei Patienten mit arterieller Hypertonie sollte ein Blutdruck unter 140/90 mmHg angestrebt werden, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern und die Lebenserwartung zu erhöhen. Für die medikamentöse Therapie stehen mit den ACE-Hemmern (Angiotensin-Konversionsenzymhemmern), Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, Beta-Rezeptorenblockern, Calciumkanalblockern und Thiazid-Diuretika fünf Hauptklassen zur Verfügung. Alle Klassen sind für eine Therapie gleichermaßen geeignet, solange mit ihnen der Zielwert für den Blutdruck erreicht wird. Bei gleich gut wirksamen Antihypertensiva sind diejenigen zu bevorzugen, die sich zusätzlich günstig auf die Begleiterkrankungen des Patienten auswirken. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten sind bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko aufgrund von koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus und Nierenerkrankungen zu bevorzugen, da sie organprotektive Eigenschaften haben. Die meisten festen Kombinationspräparate enthalten ein Thiazid-Diuretikum. Vor allem für diabetische Patienten ist eine Kombination aus einem Calciumkanalblocker und einem Inhibitor des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) von Vorteil. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz kann ein RAAS-Inhibitor mit einem Betablocker kombiniert werden.

English abstract

Present-day treatment of arterial hypertension

The treatment goal of patients with arterial hypertension is to reduce the blood pressure below 140/90 mmHg with the aim to lower the risk of subsequent cardiovascular diseases and to prolong patient’s longevity. There are five main classes for blood pressure treatment: ACE-inhibitors, angiotensin II receptor blockers, beta-receptor blockers, calcium channel blockers, and thiazide diuretics. All these antihypertensive drugs have in common that they are able to lower the arterial blood pressure in a similar range. If drugs have similar effects, those with additional beneficial effects on patient’s comorbidity should be preferred. Some antihypertensive drugs such as inhibitors of the renin-angiotensin-aldosteron system (RAAS) additionally have organ protective properties. ACE-inhibitors and angiotensin receptor blockers should be preferred in patients with a high cardiovascular risk such as coronary heart disease, heart failure, diabetes, and chronic kidney disease. A preferred approach is the initial prescription of a low dose combination to bring more hypertensive patients to their target blood pressure. Most combination drugs contain a thiazide diuretic. A better combination especially for diabetics seems to be a calcium channel blocker together with a RAAS inhibitor. A possible combination for patients with coronary heart disease or heart failure is a RAAS inhibitor combined with a beta-receptor blocker.

Key words: Arterial hypertension, ACE-inhibitor, angiotensin II receptor blocker, calcium channel blocker, thiazide diuretics, direct renin inhibitor

Bericht Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Neue Leitlinie zur kardiopulmonalen Reanimation

Wichtigste Maßnahme ist die Herzdruckmassage

Das European Resuscitation Council hat jüngst eine neue evidenzbasierte Leitlinie zur Wiederbelebung herausgegeben und damit die Fassung von 2005 aktualisiert. Eine wichtige Neuerung ist, dass Laienhelfer durch die Rettungsleitstelle ausschließlich zur Herzdruckmassage angeleitet werden sollen. Dadurch soll vermieden werden, dass Rettungsmaßnahmen aufgrund von Ekel vor der Mund-zu-Mund-Beatmung ganz unterbleiben.

Referiert & kommentiert Dr. Andreas Ziegler, Großhabersdorf

Schmerz und Angst

Warum Ureinwohner von West-Neuguinea weniger leiden als wir

Der Ethnomediziner Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel gab bei einer Veranstaltung der Linde Gas Therapeutics anlässlich des Deutschen Anästhesiekongresses 2010 in Nürnberg einen spannenden Einblick in die Lebensweise des west-neuguineischen Volksstamms der Eipo. Er zeigte, wie dieses Naturvolk mit Schmerz und Angst umgeht und was die westliche Gesellschaft daraus lernen könnte.

Referiert & kommentiert Abdol A. Ameri, Weidenstetten

Migräne

Frühe Einnahme von Triptanen ist bei Migräne mit Allodynie pathophysiologisch begründet

Bei akuten Migräneattacken kann ein frühzeitiger Einsatz von Serotonin-1B/1D-Agonisten („Triptanen“) das Erreichen der Schmerzfreiheit verbessern. Voraussetzung für die Therapieentscheidung ist eine möglichst genaue Beurteilung der migräneassoziierten funktionellen Beeinträchtigungen sowie die Häufigkeit der Einnahme. Bei Patienten, die während einer Migräneattacke eine Allodynie entwickeln, kann durch eine frühzeitige Intervention eine zentrale Sensibilisierung verhindert werden. Pathophysiologische Hintergründe und klinische Aspekte dieses Vorgehens wurden bei einem Symposium der MSD Sharp & Dohme GmbH in Berlin vorgestellt.

Referiert & kommentiert Helga Vollmer, M.A., München

Tinnitus

Verlust der Stille

Tinnitus ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, dem unterschiedliche Krankheitsbilder zugrunde liegen. Daher kann Tinnitus allein nicht „wegbehandelt” werden. Vielen Patienten kann jedoch mit einer Kombination neurootologischer und psychosomatischer Behandlungsansätze geholfen werden.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Akuter Schlaganfall

Therapie mit Antihypertensiva unterbrechen oder fortführen?

Bei Patienten mit akutem Schlaganfall und Bluthochdruck hat es keinen Einfluss auf die weitere Prognose, ob die antihypertensive Therapie fortgeführt oder abgesetzt wird. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer britischen Studie.

Referiert & kommentiert Abdol A. Ameri, Weidenstetten

Tiefe Venenthrombose

Orale Thromboseprophylaxe in der Knie- und Hüftendoprothetik

Die Implantation von Knie- und Hüftendoprothesen ist mit einem hohen Risiko von tiefen Beinvenenthrombosen (TVT) assoziiert. Eine effektive und im Klinikalltag einfach umsetzbare Form der Prävention thromboembolischer Ereignisse ist die orale Thromboseprophylaxe mit Rivaroxaban. Im Rahmen eines von Bayer Vital veranstalteten Workshops gaben Experten Praxistipps zu seinem Einsatz [1].

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Oberflächliche Venenthrombose

Fondaparinux verhindert Komplikationen

Die oberflächliche Venenthrombose ist eine häufige Erkrankung, für die es bisher keine evidenzbasierten Therapieempfehlungen gab. Der Faktor-Xa-Inhibitor Fondaparinux hatte in der randomisierten, Plazebo-kontrollierten CALISTO-Studie eine günstige Wirkung bei diesem Krankheitsbild. Die Ergebnisse der Studie wurden bei einem Satellitensymposium der Firma GlaxoSmithKline anlässlich der 54. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Nürnberg vorgestellt.

Referiert & kommentiert Andrea Warpakowski, Itzstedt

Chronische Hepatitis-B-Infektion

First-Line-Therapie: langfristig Virusvermehrung hemmen und Resistenzen vermeiden

In aktuellen Leitlinien zur Therapie der chronischen Hepatitis B wird empfohlen, sowohl Hepatitis-B-e-Antigen(HBeAg)-positive als auch HBeAg-negative Patienten initial mit den stärksten Virustatika in Monotherapie zu behandeln. Eines der empfohlenen Virustatika ist das Nukleotidanalogon Tenofovir, das auch bei einer Therapiedauer von mehr als zweieinhalb Jahren die Virusvermehrung wirksam unterdrückt und gegen das noch keine Resistenzen aufgetreten sind, so das Fazit eines Symposiums der Gilead Sciences GmbH [1] im Rahmen des 45th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver (EASL) 2010 in Wien.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Arzneimittelsicherheit

Herpesmedikamente nicht teratogen?

Die Analyse der Daten von über 800000 Neugeborenen in Dänemark ergab, dass die Einnahme der Virustatika Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht mit dem Auftreten schwerer Geburtsfehler assoziiert ist. Von diesen drei Wirkstoffen liegen zu Aciclovir am meisten Erfahrungen vor.

Referiert & kommentiert Bettina Christine Martini, Legau

Bisphosphonate

Kein erhöhtes Risiko für Ösophaguskarzinom?

In einer großen Kohorten-Studie auf der Basis eines britischen Patientenregister fand sich kein Hinweis auf eine erhöhte Inzidenz von Karzinomen der Speiseröhre oder des Magens bei oraler Einnahme von Bisphosphonaten.

Referiert & kommentiert

Demographischer Wandel

Mehr Behandlungen im Krankenhaus