Pharmakologie aktuell Birgit Hecht, Stuttgart

Retigabin

Ein neuartiges Antikonvulsivum zur Zusatztherapie fokaler Anfälle

Retigabin (Trobalt®) ist ein Antikonvulsivum, das in Europa seit Frühjahr 2011 als Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit fokalen Anfällen mit oder ohne Generalisierung zugelassen ist. Seine Wirkung beruht auf einer „Öffnung“ von spannungsabhängigen Kaliumkanälen aus der Familie der KCNQ- oder Kv7-Kanäle. Retigabin stabilisiert das Membranpotenzial und verhindert wiederholte hochfrequente Aktionspotenziale. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Retigabin wurde unter anderem in den Phase-III-Studien RESTORE 1 und 2 (Retigabine efficacy and safety trials for partial onset epilepsy) untersucht, an denen erwachsene Patienten mit schwer behandelbaren fokalen Anfällen teilnahmen. Retigabin verringerte bei ihnen die Anfallsfrequenz gegenüber Plazebo signifikant und klinisch relevant. Die beobachteten unerwünschten Ereignisse betrafen vor allem das zentrale Nervensystem, beispielsweise Schwindel oder Müdigkeit. Retigabin ist insbesondere für Patienten mit therapierefraktärer fokaler Epilepsie eine interessante neue Therapieoption.

Übersicht Michael Höckel, André Wilmer und Ulrich Jaehde, Bonn

Fatigue-Syndrom bei Krebspatienten

Das Fatigue-Syndrom ist durch eine chronische Erschöpfung gekennzeichnet und neben dem Anorexia-Nausea-Emesis-Syndrom eine der häufigsten unerwünschten Wirkungen einer Tumortherapie. Die Ursachen und Symptome der Fatigue sind vielfältig. Eine Reihe von nichtmedikamentösen und medikamentösen Maßnahmen können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Für ein wirksames Management der Fatigue ist ein strukturiertes Vorgehen in einem multiprofessionellen Team notwendig. Nicht zuletzt kann auch der Apotheker in der öffentlichen Apotheke zur Betreuung von Krebspatienten mit Fatigue beitragen.

English abstract

Fatigue in cancer patients

Fatigue is characterized by persistent tiredness or exhaustion and besides the anorexia-nausea-emesis syndrome one of the most frequent adverse events of cancer treatment. There is a large variety of causes and symptoms. Various non-pharmacologic and pharmacologic interventions can help to ameliorate the symptoms and to improve patient's quality of life. For the effective management of fatigue a systematic approach of the multiprofessional team is required. Last but not least, the pharmacist can contribute to support cancer patients suffering from fatigue.

Bericht Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Rechtsherzversagen in der Intensivmedizin

Vorrangiges Therapieziel ist die Senkung der rechtsventrikulären Nachlast

Ein Rechtsherzversagen als Folge einer pulmonal-arteriellen Hypertonie ist bei intensivmedizinischen Patienten immer eine therapeutische Herausforderung. Neben kausalen Therapien wie der Reperfusion oder einer Lysetherapie werden frühzeitig systemische oder inhalierbare Vasodilatatoren (Endothelin-Rezeptorantagonisten, Prostanoide, Phosphodiesterase-Hemmer) eingesetzt. Ziel der spezifischen medikamentösen Therapie ist es, die rechtsventrikuläre Nachlast zu senken.

Fragen aus der Praxis

Was bedeutet Histaminintoleranz?

Was versteht man unter einer Histaminintoleranz? Welche Arzneimittel können bei dieser Erkrankung eingenommen werden, welche nicht?

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Essenzielle Hypertonie

Azilsartanmedoxomil, eine neue Therapieoption

Mit Azilsartanmedoxomil steht seit Kurzem ein neuer Angiotensin-II-Rezeptorantagonist zur Behandlung der essenziellen Hypertonie zur Verfügung. Azilsartanmedoxomil war in Vergleichsstudien besser wirksam als Ramipril, Olmesartanmedoxomil und Valsartan. Dabei war das neue Sartan gleich gut verträglich wie die anderen Vertreter dieser Wirkstoffklasse. Ergebnisse der Zulassungsstudien wurden bei einer von Takeda Pharma veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Iris Hinneburg, Halle

Diabetes mellitus Typ 2

Nutzen einer starken Blutzuckersenkung fraglich

Typ-2-Diabetiker haben nicht immer einen Vorteil von einer verstärkten Diabetes-Therapie. In einer Metaanalyse aus 13 randomisierten, kontrollierten Studien fanden sich nur für wenige diabetische Folgeschäden Hinweise auf einen möglichen Nutzen einer verstärkten Senkung des Blutzuckerspiegels gegenüber der Standardtherapie. Durch eine Intensivierung der Therapie steigt aber gleichzeitig das Risiko für schwere Hypoglykämien.

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

Diabetische Polyneuropathie

Strategien gegen den Schmerz

Die schmerzhafte diabetische Polyneuropathie ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus. Sie geht mit einem drastischen Verlust an Lebensfreude und Alltagsaktivitäten einher. Themen eines von Lilly Deutschland veranstalteten Pressegesprächs waren Leitlinien-Empfehlungen zur Medikation bei diabetischer Polyneuropathie und Tipps, wie Ärzte und Patienten besser mit den Schmerzen umgehen können.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Diabetes mellitus Typ 2

Synergistische Wirkungen von Exenatid und Basalinsulinen verbessern die Blutzuckerkontrolle

Typ-2-Diabetiker können künftig mit einer Kombination des kurzwirksamen Glucagon-like-peptide-1-(GLP-1)Rezeptoragonisten Exenatid und einem beliebigen Basalinsulin behandelt werden. Exenatid (zweimal täglich, Byetta®) ist seit März zugelassen zur Kombinationstherapie mit einem Basalinsulin mit oder ohne Metformin und/oder Pioglitazon bei Erwachsenen mit Diabetes mellitus Typ 2, bei denen mit diesen Wirkstoffen keine angemessene Blutzuckerkontrolle erreicht wurde. Dabei kann sowohl eine bestehende basale Insulintherapie um Exenatid ergänzt werden als auch umgekehrt. Bei einer von Lilly veranstalteten Pressekonferenz wurden klinische Studien vorgestellt, in denen die neue Kombinationstherapie untersucht wurde.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Randowtal/Schmölln

Gicht

Langfristige Senkung der Harnsäurespiegel schützt auch vor Spätfolgen einer Hyperurikämie

Bei etwa jedem zehnten Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten kommt es zur Manifestation der Gicht. Typisch sind artikuläre Manifestationen, also Entzündungen in Gelenken, die diese langfristig zerstören können. Seltener kommt es zur Ablagerung von Harnsäure in anderen Geweben (Tophi). Ob eine Hyperurikämie das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht, wurde in mehreren Studien untersucht. Inwieweit eine Senkung erhöhter Harnsäurespiegel zur Prävention potenzieller Komplikationen einer Hyperurikämie beiträgt, wurde bei einem von Berlin-Chemie veranstalteten Fachpressegespräch diskutiert.

Referiert & kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Hämatopoetische Stammzelltransplantation

Wie gesund sind die Langzeitüberlebenden?

Dank der Stammzelltransplantation überleben heutzutage wesentlich mehr Patienten eine Blutkrebserkrankung. Im Vergleich mit Gesunden haben sie aber offenbar in der Folgezeit ein deutlich erhöhtes Risiko für somatische Erkrankungen. Das ergab eine Analyse der Gesundheitsdaten von Langzeitüberlebenden einer Stammzelltransplantation im Vergleich mit den Daten ihrer Geschwister durchschnittlich 15 Jahre nach der Therapie.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg/bh

Intensivmedizin

Dexmedetomidin für die Sedierung von Patienten auf der Intensivstation zugelassen

Wenn beatmete Intensivpatienten zur Sedierung den Alpha2-Rezeptoragonisten Dexmedetomidin erhalten, wird die anvisierte Sedierungstiefe mindestens so gut erreicht wie mit den Standardsedativa Midazolam, Propofol oder Lorazepam. Unter Dexmedetomidin ist aber die Beatmungsdauer kürzer als unter Midazolam und das Risiko für ein Delir oder Koma ist unter dem neuen Sedativum geringer als unter Lorazepam. Patienten, die mit Dexmedetomidin sediert werden, können sich anderen gegenüber besser mitteilen als Patienten, die mit Midazolam oder Propofol sediert werden.