Editorial Heike Oberpichler-Schwenk

Aktualisierter ethischer Leitfaden für klinische Studien

Pharmakologie aktuell Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Riociguat – ein Stimulator der löslichen Guanylatcyclase

Neues Wirkprinzip hilft Patienten mit pulmonaler Hypertonie

Riociguat greift als Stimulator der löslichen Guanylatcyclase (soluble guanylate cyclase; sGC) in den Stickstoffmonoxid-Signalweg der Lungengefäße ein und wirkt dadurch vasodilatatorisch und antiproliferativ. Davon können Patienten mit einer pulmonalen Hypertonie profitieren. In der folgenden Übersicht werden Wirkungsmechanismus, Pharmakodynamik und -kinetik sowie die wichtigsten klinischen Studien des neuen sGC-Stimulators vorgestellt.

Übersicht Ingo Stock, Bonn

Integrase-Inhibitoren – neue Wege für die Therapie der HIV-1-Infektion

Integrase-Inhibitoren sind neuartige antiretrovirale Wirkstoffe, die durch die Hemmung der Integrase der humanen Immundefizienzviren (HIV) die „Integration“ der viralen DNA in die Wirts-DNA unterbinden. Nachdem 2007 zunächst Raltegravir für die Kombinationstherapie mit nukleosidischen und Nucleotid-analogen Reverse-Transcriptase-Inhibitoren bei antiretroviral vortherapierten und antiretroviral-naiven Patienten mit einer HIV-1-Infektion zugelassen wurde, erhielt kürzlich auch Elvitegravir (als fixe Kombination mit drei weiteren Wirkstoffen) die klinische Zulassung. Im August dieses Jahres wurde mit Dolutegravir ein weiterer Integrase-Inhibitor von der FDA zugelassen. Während Raltegravir zweimal täglich in Abwesenheit eines Boosters eingenommen wird, können Elvitegravir (geboostert) und Dolutegravir (ungeboostert) einmal täglich für die antiretrovirale Kombinationstherapie eingesetzt werden. Integrase-Inhibitoren haben sich bei der Behandlung von HIV-1-Infektionen bislang als wirksam, sicher und gut verträglich erwiesen.

English abstract

Integrase inhibitors – new challenges for the treatment of HIV-1 infections

Integrase inhibitors are a promising new group of antiretroviral drugs that suppress the integrase yielded by human immunodeficiency viruses (HIV) via inhibiting the "integration" of the viral deoxyribonucleic acid (DNA) into the hosts' DNA genome. In 2007, raltegravir was the first integrase inhibitor that has been approved for the treatment of HIV-1 infections in antiretroviral-pretreated (-experienced) and antiretroviral-naive patients. Recently, elvitegravir, as a fixed coformulation with cobicistat, tenofovir und emtricitabine, has been approved for the treatment of HIV-1-infected antiretroviral-naive patients. In August of 2013, dolutegravir, a third integrase inhibitor, has been approved by the US Food and Drug Adiministation (FDA) for the treatment of HIV-1 infections in adults and children aged 12 years and older. Raltegravir has to be applied twice daily without a boosting agent. Elvitegravir and dolutegravir are applied once daily in the presence of a booster (elvitegravir) or unboosted (dolutegravir). In contrast to raltegravir and elvitegravir, dolutegravir shows a high genetic barrier to resistance, and is also applicable for the treatment of several HIV-1 infections with raltegravir and elvitegravir-resistant HIV variants. During the last years, raltegravir, elvitegravir and dolutegravir have been proven and established in the antiretroviral treatment of HIV-1 infections as effective, safe and well-tolerated agents. However, reliable statement forecasts of long-term toxicity of these substances can not yet be made.

Bericht Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Kontroversen in der Diabetestherapie

In der neuen Nationalen Versorgungsleitlinie zur Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 finden sich aktuelle Empfehlungen zu Diagnostik und Behandlung der Stoffwechselerkrankung. Besonderes Augenmerk liegt auf der Koordination der beteiligten Fachdisziplinen. Keine Einigung konnten die Fachgesellschaften dagegen bei den Empfehlungen zur Pharmakotherapie erzielen. Umstritten ist vor allem die Frage, welche Arzneistoffe zum Einsatz kommen sollen, wenn die Behandlung mit Metformin allein nicht ausreicht.

English abstract

Controversies in the management of type 2 diabetes

The new national guideline for the management of type 2 diabetes recommends procedures for the diagnosis and treatment of the metabolic disease. However, the contributing medical associations could not agree on some questions. Above all, there is a dissent which drug to choose, if metformin cannot be used or does not suffice in monotherapy.

Fragen aus der Praxis

Kann das Stillen Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Rotavirus-Impfung haben?

Kann das Stillen Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Rotavirus-Impfung haben?

Referiert & kommentiert Martin Wiehl, Königstein

Diabetes mellitus Typ 2

Unterzuckerungen weisen häufig auf gestörte Glucagonregulation hin

Das Stoffwechselhormon Glucagon ist in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld des diabetologischen Interesses gerückt. Bei Diabetes mellitus Typ 2 wird durch erhöhte Spiegel dieses Gegenspielers des Insulins eine Normalisierung des Blutzuckers erschwert. Neuere Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass bei Hypoglykämien die Gegenregulation durch Glucagon umso mehr eingeschränkt ist, je länger die Erkrankung fortbesteht. Wie die gestörte Glucagonfreisetzung bei Patienten mit Diabetes mellitus medikamentös beeinflusst werden kann, wurde auf der 48. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig dargelegt.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Empagliflozin

Neuer SGLT-2-Inhibitor überzeugt in Studien

Empagliflozin senkt HbA1c-Wert, Nüchternblutglucose, systolischen Blutdruck und Körpergewicht – das besagen die Daten mehrerer aktueller Studien, die als Poster auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Chicago vorgestellt wurden. Getrennt untersucht wurde die Wirkung des SGLT-2-Inhibitors bei Patienten mit einem Ausgangs-HbA1c über 10%: Hier war der Effekt auf die Blutzuckerkontrolle noch deutlicher.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Lixisenatid

Höhere Chance auf HbA1c-Kontrolle ohne Gewichtszunahme

Mit Lixisenatid steht erstmals ein prandialer Rezeptoragonist des Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) zur Verfügung, der nur einmal täglich angewendet werden muss. Auf dem Kongress der American Diabetes Association (ADA) in Chicago wurden Analysen der Zulassungsstudien präsentiert, die zeigen, dass mit dem GLP-1-Analogon viele Patienten den HbA1c-Zielwert <7% erreichen, ohne an Körpergewicht zuzulegen oder eine symptomatische Hypoglykämie zu erleiden.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Allergieprävention bei Kleinkindern

Das Immunsystem früh zur Toleranz erziehen

Die Entwicklung einer Allergie im frühen Kindesalter wird durch genetische und epigenetische Faktoren programmiert. Das Zusammentreffen mit exogenen Faktoren wie Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmten Nahrungsmitteln kann dann die Allergie auslösen. In der Allergieprävention wird heute allerdings kaum mehr das frühe Vermeiden von Allergenen empfohlen, vielmehr zielen die Präventionsstrategien eher auf die Induktion einer Immuntoleranz.

Referiert & kommentiert Andrea Hertlein, Bonn

Lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Basalzellkarzinom

Vismodegib: Erste systemische Therapie bei fortgeschrittenem Basalzellkarzinom

Am 12. Juli 2013 hat nach der FDA auch die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) Vismodegib (Erivedge®) für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen sowie symptomatischen metastasierten Basalzellkarzinoms zugelassen. Die Zulassung gilt für die Therapie bei erwachsenen Patienten, bei denen eine Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet ist. Vismodegib wird einmal täglich in Form einer Kapsel eingenommen. Der Wirkstoff hemmt den Hedgehog-Signalweg.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Akute promyelozytäre Leukämie

Retinsäure plus Arsentrioxid besser als Standardtherapie?

In einer deutsch-italienischen klinischen Studie der Phase III erreichten Leukämiepatienten mit niedrigem bis mittlerem Risiko, die Retinsäure plus Arsentrioxid erhielten, bessere Remissions- und 2-Jahres-Überlebensraten als diejenigen, die mit Retinsäure plus Chemotherapie behandelt wurden.

Referiert & kommentiert Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Nordhorn

Opioidtherapie in der Palliativmedizin

Transmukosales Fentanyl bei Durchbruchschmerzen

Die Schmerztherapie bei Patienten in palliativer Situation wird bestimmt von retardierten Opioiden. Kommt es im Krankheitsverlauf nach zunächst gut beherrschbarer Schmerzsituation zu einer erneuten Exazerbation, können hierfür verschiedene Ursachen verantwortlich sein. Die Therapie des Durchbruchschmerzes sowie die opioidinduzierte Hyperalgesie wurden auf dem 8. Bremer Kongress für Palliativmedizin ausführlich erörtert.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Akute Herzinsuffizienz

Serelaxin verbessert die Dyspnoe und die Prognose

Die akute Herzinsuffizienz ist immer ein lebensbedrohlicher Zustand und auch die Langzeitprognose ist ungünstig. Die bisher zur Verfügung stehenden Therapieprinzipien wie Vasodilatatoren, Diuretika und positiv inotrope Substanzen wirken symptomatisch, verbessern jedoch nicht die Prognose. Mit Serelaxin, der rekombinanten Form des menschlichen Hormons Relaxin 2, wird jetzt ein neues Therapieprinzip erforscht, nachdem sich unter dieser Substanz im Rahmen der RELAX-AHF-Studie nicht nur eine Verbesserung der Akut-Symptomatik, sondern auch der Prognose zeigte. Die Ergebnisse der Studie wurden im Rahmen eines von der Firma Novartis Pharma GmbH veranstalteten Pressegesprächs im Mai 2013 diskutiert.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen - Mit Autorenkommentar

Schlaganfall

Prävention durch Verschluss eines offenen Foramen ovale

Bei Patienten unter 60 Jahren mit kryptogenem Schlaganfall führt ein interventioneller Verschluss eines offenen Foramen ovale tendenziell zu weniger Schlaganfällen als eine konservative Therapie. Der Unterschied erreicht aber auch bei der gepoolten Auswertung von drei randomisierten kontrollierten Studien keine statistische Signifikanz.

Referiert & kommentiert Dr. Annette Junker, Wermelskirchen

Humane Papillomaviren

Ist Oralsex die Ursache für Krebs?

Diese Frage wurde im Sommer dieses Jahres öffentlichkeitwirksam aufgeworfen, als der Schauspieler Michael Douglas in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Guardian“ äußerte, dass er Oralsex als Auslöser seines Mundkrebs vermute [1]. Eine Studie, die während der 49. Jahrestagung der US-amerikanischen Onkologen in Chicago im Juni 2013 vorgestellt wurde, gab zu diesem Thema zumindest in einer Hinsicht Entwarnung: Partner von Patienten mit HPV(Human papilloma virus)-positivem Oropharynxkarzinom (HPV-OPC) haben nur ein sehr geringes Risiko, an dieser Krebsform zu erkranken; auch müssten die sexuellen Gewohnheiten nicht geändert werden [2].