Editorial Rika Rausch

Eine Frage der Kompetenz

Übersicht

Phytopharmaka – traditionelle Empirie oder pharmakologische Evidenz?

Teil 1: Allgemeiner Teil und Anxiolytika

Die Beliebtheit von Phytopharmaka in der Bevölkerung wächst – und mit ihr die Bedeutung des Wirtschaftszweigs. IMS International beziffert den europäischen Markt für pflanzliche Arzneimittel auf 3,5 Milliarden Euro. Die Zuwachsraten im Jahresumsatz liegen deutlich über dem Marktdurchschnitt. Seit Ablauf der Schonfrist der Arzneimittelgesetz(AMG)-Novelle findet eine Marktbereinigung statt. Das Apothekenpersonal ist mehr denn je gefragt, empirische Aussagen und evidenzbasierte Empfehlungen zu unterscheiden und den Kunden kompetent zu beraten. In einer Artikelserie werden die wichtigsten Indikationsgebiete für Phytopharmaka kritisch beleuchtet. Nach einem allgemeinen Teil eröffnen Anxiolytika um das Anwendungsgebiet der milden Angststörungen die Reihe.

Übersicht Ingo Stock, Bonn

Marburg- und Ebola-Fieber

Erreger, Epidemiologie und Therapie

Marburg- und Ebola-Fieber sind systemische, mit schweren Hämorrhagien und Fieber einhergehende Viruserkrankungen, die mit einer hohen Letalität behaftet sind. Ihre Erreger, das Marburg-Virus (Marburg-Fieber) und verschiedene Ebola-Virus-Arten (Ebola-Fieber), sind umhüllte, einzelsträngige RNA-Viren aus der Familie der Filoviren. Ausbrüche des Marburg- und Ebola-Fiebers kommen in unregelmäßigen Abständen in Äquatorialafrika vor. Seit Ende des letzten Jahrtausends wird eine Häufung der Ausbrüche und Fallzahlen beobachtet. Der bislang größte Ausbruch eines Filovirus-induzierten hämorrhagischen Fiebers wird derzeit in Westafrika registriert. In Sierra Leone, Guinea, Liberia und Nigeria erkrankten seit März dieses Jahres mehr als 2600 Menschen am Ebola-Fieber; bis zu zwei Drittel (Guinea) der Betroffenen starben (Stand: 20.8.2014). Die Behandlung des Marburg- und Ebola-Fiebers erfolgt symptomatisch und supportiv; eine antivirale Therapie gibt es nicht. Mit BCX4430 wurde kürzlich ein Adenosin-Analogon mit einer hohen In-vitro- und In-vivo-Aktivität gegen Filoviren und andere RNA-Viren synthetisiert.

English abstract

Marburg and Ebola hemorrhagic fevers – pathogens, epidemiology and therapy

Marburg and Ebola hemorrhagic fevers are severe, systemic viral diseases affecting humans and non-human primates. They are characterized by multiple symptoms such as hemorrhages, fever, headache, muscle and abdominal pain, chills, sore throat, nausea, vomiting and diarrhea. Elevated liver-associated enzyme levels and coagulopathy are also associated with these diseases. Marburg and Ebola hemorrhagic fevers are caused by (Lake victoria) Marburg virus and different species of Ebola viruses, respectively. They are enveloped, single-stranded RNA viruses and belong to the family of filoviridae. Case fatality rates of filovirus disease outbreaks are among the highest reported for any human pathogen, ranging from 25 to 90% or more. Outbreaks of Marburg and Ebola hemorrhagic fever occur in certain regions of equatorial Africa at irregular intervals. Since 2000, the number of outbreaks has increased. In 2014, the biggest outbreak of a filovirus-induced hemorrhagic fever that has been documented so far occurred from March to July 2014 in Guinea, Sierra Leone, Liberia and Nigeria. The outbreak was caused by a new variant of Zaire Ebola-Virus, affected more than 2600 people (stated 20 August) and was associated with case-fatality rates of up to 67% (Guinea). Treatment of Marburg and Ebola hemorrhagic fevers is symptomatic and supportive, licensed antiviral agents are currently not available. Recently, BCX4430, a promising synthetic adenosine analogue with high in vitro and in vivo activity against filoviruses and other RNA viruses, has been described. BCX4430 inhibits viral RNA polymerase activity and protects cynomolgus macaques from Marburg virus infection when administered as late as 48 hours after infection. Nucleic acid-based products, recombinant vaccines and antibodies appear to be less suitable for the treatment of Marburg and Ebola hemorrhagic fevers.

Fortbildung Wissensbasierung Katja Suter, Basel, Judith Günther, Freiburg, und Birgit Schindler, Freiburg

Die Informationsflut – ein Vielstoffgemisch

Die analytischen Methoden zur Extraktion valider Informationen

Die Idee einer beweisgestützten Medizin liegt mehr als 200 Jahre zurück. Immer wieder haben einzelne Wissenschaftler durch nachvollziehbare Verfahren, eingehende Dokumentation und Interpretation der gefundenen Ergebnisse versucht, das eigene Vorgehen zu hinterfragen und das Wohl des Patienten ins Zentrum zu stellen. Der Wissensstand hat sich über die Jahrhunderte weiterentwickelt, das eigene Wissen und Handeln zu hinterfragen ist jedoch weiterhin eine aktuelle Herausforderung – und nicht nur für die Berufsgruppen aus dem Gesundheitssektor. Worauf wollen wir unsere Entscheidungen fußen lassen und auf welchem Weg wollen wir zu Entscheidungen kommen?

English abstract

The Information flood – a multicomponent mixture. Analytical methods for the extraction of valid information

Over the centuries some individual scientists have challenged their knowledge, believes and behaviour. The common knowledge developed very fast, but the challenge still remains to ask the question "what do we really know"? And "what is the basis of our decisions and recommendations?" The scattered individual efforts finally advanced to a consolidated methodology - known as "evidence based medicine". This is the first article of a series to get German speaking pharmacists familiar with the basic concepts of evidence based methodology. The series gives some examples how the concept of evidence based medicine can be implemented in pharmaceutical practice.

Fragen aus der Praxis Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen

Welches Triptan wirkt bei akuter Migräne-Attacke am besten?

In klinischen Studien sind Triptane bei der Behandlung akuter Migräne-Attacken besser wirksam als Plazebo. Eine aktuelle Metaanalyse gibt Antwort auf die Frage, welcher Vertreter der Substanzklasse im Vergleich am besten wirkt.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen

Schwangerschaft

Gesundes Essen reduziert Frühgeburtsrisiko

Eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Omega-3-reichem Fisch in der Schwangerschaft senkt wahrscheinlich das Risiko für eine Frühgeburt. Zu diesem Schluss kommt eine prospektive Kohortenstudie mit 66000 norwegischen schwangeren Frauen.

Referiert & kommentiert Stefan Oetzel, Tübingen

Alkoholabhängigkeit

Medikamentöse Therapie unterstützt Reduktion des Alkoholkonsums

Eine Metaanalyse zur Alkoholentwöhnung untersuchte Pharmakotherapien mit Acamprosat, Naltrexon und anderen Substanzen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Alkoholentzug. Dabei wurde festgestellt, dass sich durch Acamprosat und Naltrexon der Alkoholkonsum effektiv vermindern lässt, wobei zwischen beiden Substanzen kein signifikanter Unterschied in ihrer Wirksamkeit besteht.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Hüftgelenksarthrose

Schmerzlinderung und Funktionsbesserung durch Physiotherapie?

Eine multimodale Physiotherapie zeigte bei Patienten mit Hüftgelenksarthrose im Vergleich zu einer Plazebo-Behandlung keinen Effekt auf Schmerzen und Funktion, so das Ergebnis einer australischen randomisierten, Plazebo-kontrollierten Parallelgruppenstudie.

Referiert & kommentiert Michael Koczorek, Bremen

COPD- und Asthma-Therapie

Fixkombination bewährter Wirkstoffe in neuem Inhalator

Der Erfolg einer inhalativen Therapie bei Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) hängt nicht allein von der Formulierung und Effektivität der Wirkstoffe ab, sondern wesentlich auch von der einfachen Handhabung des Device. Der neu zugelassene DuoResp® Spiromax® – vorgestellt bei einer Pressekonferenz von Teva in Hamburg – vereint beide Prämissen: die bewährten Wirkstoffe Budesonid und Formoterol in fixer Kombination, die durch den neuen Pulverinhalator auch bei geringem Atemfluss in zuverlässiger Dosis freigesetzt werden.

Referiert & kommentiert Christine Vetter, Köln

Onkologie

Immuntherapie verspricht Fortschritte im Kampf gegen Krebs

Trotz steigender Neuerkrankungsraten ist die Sterblichkeit durch bösartige Tumoren rückläufig. Zu verdanken ist dies Fortschritten bei der Früherkennung sowie in verschiedenen Bereichen der Therapie – angefangen von den operativen Verfahren über die Strahlentherapie bis hin zur medikamentösen Behandlung, bei der zunehmend zielgerichtete Therapeutika zum Einsatz kommen. An Bedeutung gewinnt zudem die Immuntherapie. Sie scheint sich als weitere Säule der Krebstherapie zu etablieren und verspricht Fortschritte bei diversen Tumorentitäten.

Referiert & kommentiert Dr. Susanne Heinzl, Reutlingen

Nichtkardiale Operationen

Kann Acetylsalicylsäure perioperativ gegeben Herzinfarkte verhindern?

Die perioperative Gabe von Acetylsalicylsäure hat bei nicht am Herzen stattfindenden Operationen im Vergleich zu Plazebo keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Todesfällen und nichttödlichen Herzinfarkten. Acetylsalicylsäure erhöht jedoch das Risiko für schwere Blutungen. Dies ergab die POISE-2-Studie mit über 10000 Patienten.

Referiert & kommentiert Helga Vollmer, M. A., München

Nationale Kohorte

Forschen für eine gesündere Zukunft

Im Mai dieses Jahres startete die größte Bevölkerungsstudie Deutschlands, die „Nationale Kohorte“, mit dem Ziel, 200000 Teilnehmer zu rekrutieren, um herauszufinden: „Was macht uns krank, was hält uns gesund?“.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Impfprävention

Welche Impfungen benötigen Senioren?

Für Senioren sind einige Impfungen besonders ratsam. Diese betreffen: Pneumokokken- und Meningokokken-Infektionen, Pertussis, Influenza, Hepatitis A und B sowie Polio (besonders bei Fernreisen), Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in Risikogebieten und schließlich Auffrischungen gegen Tetanus, Diphtherie, Mumps, Masern und Röteln.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Infektionsprophylaxe

Körpereigene Bakterienflora – besser dekolonisieren?

Während bislang Antibiotika zur selektiven Darmdekontamination eingesetzt wurden, konzentriert man sich heute hierfür auf Antiseptika. Dabei wird eine überzeugende Evidenz für die erfolgreiche Dekontamination mit Mupirocin und Chlorhexidin bei Bakteriämie und Übertragung multiresistenter Erreger gefunden. Es scheint effektiver zu sein, alle Risikopatienten damit zu dekolonisieren als nur identifizierte Träger dieser Erreger. Alternative Substanzen müssen erst in klinischen Studien geprüft werden.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Tuberkulose

Mehrfache und extensive Antibiotikaresistenz in Europa

Die Zahl von durch mehrfach resistente Tuberkelbakterien (Multi-drug-resistant tuberculosis, MDR-TB) erkrankten Menschen nimmt in Zentraleuropa zu, nicht zuletzt durch verstärkte Migration und steigendes Versagen der Standardkombinationen. MDR-, noch mehr XDR-Tuberkulosen (Extensively drug-resistant tuberculosis) konfrontieren die nationalen Gesundheitssysteme mit erheblichen Herausforderungen, die in erster Linie in einem erhöhten Bedarf an qualifiziertem Fachpersonal und moderneren Diagnosekapazitäten bestehen.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Mehrfachresistenz bei Tuberkulose

Empfehlung von Antibiotika nach hierarchischem Prinzip

Die Ausheilung von Tuberkulose dauert bei voller Sensibilität des Erregers sechs Monate, bei Resistenz gegen gängige Antituberkulotika jedoch 20 Monate und länger. Neue Wirkstoffe kommen nur zögerlich auf den Markt und die verfügbaren (auch neuen) Impfstoffe überzeugen keineswegs. Das im Frühjahr 2014 von 40 internationalen Wissenschaftlern erstellte „TBNET-Consensus-Statement“ bietet nun eine Leitlinie zur Behandlung dieser Patientengruppe.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Mehrfach resistente Tuberkelbakterien

Steiniger Weg zu neuen therapeutischen Optionen

Der Optimismus in den frühen 80er-Jahren, Tuberkulose mit bewährten Kombinationstherapien dauerhaft unter Kontrolle zu haben, musste der Ernüchterung weichen, dass die Erkrankungsrate in vielen Regionen durch das Auftreten mehrfach resistenter Erreger wieder deutlich ansteigt. Die Prüfungen neuer Wirkstoffe und ihrer Kombination mit Standardsubstanzen können zeitlich mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten, sofern die Prüfphasen nicht besser miteinander verzahnt werden können. Einer aus mehreren Gründen wünschenswerten Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit steht unter anderem das noch ungenügende Verständnis des Rückfallphänomens nach Therapieende entgegen.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Hepatitis C

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Eine Reihe von Erkrankungen nimmt bei Männern und Frauen einen signifikant unterschiedlichen Verlauf. Hierzu gehört offensichtlich auch die Hepatitis-C-Infektion, wie verschiedene Beobachtungsstudien belegen. Sowohl für Ansteckungsraten als auch für Spontanheilungen und Malignität existierten Vorteile für das weibliche Geschlecht – vornehmlich dürfte das Sexualhormon Estradiol dafür verantwortlich sein.

Referiert & kommentiert Prof Dr. Egid Strehl, Freiburg

Update HIV

Wie sieht die optimale Therapie aus?

Das 1981 erstmals beschriebene Krankheitsbild AIDS (Acquired immune deficiency syndrome) stellt angesichts von weltweit mindestens 34 Millionen Patienten eine unverminderte Herausforderung für die Medizin dar, auch wenn diese chronische Erkrankung durch die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) hinsichtlich Morbidität und Mortalität drastisch eingedämmt werden konnte. In einer von der Firma Gilead Sciences GmbH veranstalteten Vorstellungs- und Fragerunde für Fachjournalisten wurde über Gegenwart und Zukunft der HIV-Therapie diskutiert.