Editorial Dr. Bettina Krieg, Stuttgart

Altbekanntes hinterfragen

Übersicht Tobias Silzle, St. Gallen

Das multiple Myelom

Verbesserte Therapieoptionen für eine noch unheilbare Erkrankung

Das multiple Myelom (MM) ist die häufigste nach WHO 2016 definierte Neoplasie des lymphatischen Systems und mit einem medianen Erkrankungsalter von etwa 72 eine Erkrankung des älteren Menschen. Die Einführung der Proteasomenhemmer (Prototyp Bortezomib) und immunmodulatorischen Substanzen (Prototyp Thalidomid) hat die Therapie des MM seit Anfang der 2000er-Jahre revolutioniert. Mit modernen Kombinationstherapien einhergehende verbesserte Ansprechraten bringen ein deutlich verlängertes medianes Überleben mit sich, von dem auch ältere Patienten profitieren können. Trotz der verbesserten Therapieoptionen bleibt das MM vorerst eine unheilbare Erkrankung. Für die Therapie des Rezidivs wurden seit 2015 neben neuen Vertretern der etablierten Substanzklassen auch grundlegend neue Therapieprinzipien (monoklonale Antikörper, Histon-Deacetylase-Inhibitoren) eingeführt, die eine weiter verbesserte Krankheitskontrolle auch in fortgeschrittenen Krankheitsphasen ermöglichen. Die vorliegende Arbeit fasst grundlegende Aspekte zur Pathophysiologie und Diagnostik zusammen und versucht, den aktuellen Standard der Therapie wiederzugeben.

English abstract

Multiple myeloma

Multiple myeloma (MM) is the most frequent lymphatic neoplasia defined according to the WHO 2016 classification and a disease of the elderly. The introduction of proteasome inhibitors (prototype Bortezomib) and immunomodulatory IMID drugs (prototype thalidomide) at the beginning of the 21th century has revolutionized its treatment. Modern combination therapies are associated with deeper responses, which in turn go along with a significant longer overall survival. These improvements are achievable in both younger and older patients. However, MM still has to be considered as an incurable disease. The introduction of several new compounds, including monoclonal antibodies and a histon deacetylase inhibitor besides new PIs and IMIDs has significantly broadened the therapeutic options in the relapsed setting. This article gives an overview over the pathophysiology of the disease, the principles of the diagnostic work-up and the options for first-line treatment and treatment at relapse.

Fragen aus der Praxis Jürgen Barth, Gießen

CIPN: Gibt es eine Therapie oder Prophylaxe?

Antitumortherapeutika können eine Chemotherapie induzierte periphere Neuropathie (CIPN) verursachen, die nicht selten dosislimitierend ist. Bereits eine CIPN Grad 2 nach CTCAE (Common terminology criteria for adverse events) beeinträchtigt die Lebensqualität. Welche Möglichkeiten bestehen, um dieser schweren Nebenwirkung zu begegnen?

Übersicht Ingo Rustenbeck, Braunschweig

Wie wirksam ist die HbA1c-Senkung?

Aktueller Stand der Evidenz bei Diabetes mellitus Typ 2

Der normnahen Einstellung des Blutzuckers und einem dementsprechend beeinflussten HbA1c-Wert wird eine entscheidende Bedeutung für die Wirksamkeit der Therapie des Typ-2-Diabetes zugemessen. Die Ergebnisse der vor beinahe 20 Jahren veröffentlichten UKPDS-Studie und der UKPDS-Follow-up-Studie ließen annehmen, dass eine normnahe Einstellung des HbA1c-Werts nicht nur die mikrovaskulären Schäden, sondern auch die makrovaskulären Schäden signifikant vermindert. In drei folgenden großen Studien, der ACCORD-, der VADT- und der ADVANCE-Studie konnten jedoch nur Effekte auf Parameter mikrovaskulärer Schäden gesehen werden, nicht jedoch auf kardiovaskuläre Ereignisse als Konsequenz makrovaskulärer Schäden. In den Nachbeobachtungsstudien war zwar eine signifikante Verminderung der diabetischen Nephropathie nachweisbar, jedoch nur ein marginaler Effekt auf makrovaskuläre Schäden. Die kürzlich publizierte aufsehenerregende Verminderung kardiovaskulärer Ereignisse in der EMPA-REG-Outcome-Studie kann als weiterer Beleg für die anscheinend nur lockere Kopplung von HbA1c-Senkung und Verminderung makrovaskulärer Schäden interpretiert werden, denn die dort erzielte HbA1c-Senkung war ausgesprochen gering.

English abstract

The relation between HbA1c and the clinical outcomes in type 2 diabetes

The HbA1c-value is regarded as the central parameter to evaluate the efficiency of antidiabetic therapy. The results of the UKPDS and its follow-up study suggested that a near normal HbA1c-value would not only lead to diminished microvascular but also to diminished macrovascular lesions in type 2 diabetes. Thereafter however, three large prospective studies, the ACCORD-, the VADT-, and the ADVANCE-trial could only verify diminished microvascular lesions as the consequence of intensive glucose control. Even though a significant reduction of diabetic nephropathy could be confirmed in the follow-up, a convincing effect on major cardiovascular events and life expectancy failed to materialize. The surprisingly strong reduction of major cardiovascular events in the recently published EMPA-REG Outcome study can be regarded as a further piece of evidence that the HbA1c-value is only loosely related with macrovascular lesions, since the reduction of the HbA1c-value by the SGLT2-inhibitor empagliflozine was only modest.

Klinische Pharmazie Miriam Felberg, Berlin, Kirstin Reckers, Braunschweig, Martin Schulz, Berlin und Stephan Scherneck, Braunschweig

Der diabetologisch qualifizierte Apotheker DDG

Evaluation einer praxisorientierten Intensiv-Fortbildung

Die frühe Diagnose eines Diabetes mellitus und eine langfristige, intensive Betreuung von Diabetes-Patienten ist von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg. Welchen Beitrag ein speziell geschulter Apotheker hierbei leisten kann und an welchen Stellen noch Optimierungsbedarf besteht, hat eine Umfrage unter diabetologisch qualifizierten Apothekern DDG ergeben.

English abstract

Community pharmacist care of patients with diabetes: Opportunities and limitations

The prevalence of diabetes mellitus is continuously increasing and presents a great challenge for all involved health care providers. In addition to prevention, in particular of type 2 diabetes, the aim is to reduce the risk of subsequent diseases, which can be achieved by means of an early and guidance-oriented therapy. Within the framework of an official cooperation between the German Diabetes Association (DDG) and the Federal Chamber of Pharmacists (BAK), pharmacists were intensively trained and certified in the field of diabetology on the basis of a coordinated curriculum (diabetologic-qualified pharmacist DDG). 15 years after the introduction, we aimed to examine this post-graduate education and to identify potential improvements. For this purpose, a structured questionnaire was sent to 1,696 certified pharmacists in five large state chambers of pharmacists in Germany, which was answered by 457 (26.9 %). In particular, information on participation in diabetes risk screening, participation in diabetes prevention and interprofessional cooperation between doctors and pharmacists was asked. The results show a strong participation of the certified colleagues in the identification of previously undiagnosed diabetes patients as well as in diabetes prevention. However, cooperation between doctors and pharmacists in the care of diabetes patients shows a clear need for optimization. This is an important point, which must be addressed in the future, especially in view of the increased establishment of medication management for the improvement of medication effectiveness and safety.

Fragen aus der Praxis Ronja Woltersdorf, Bonn

Arzneimittelinteraktionen im Alter

Fragen aus der Praxis beim MMP-Webinar

Am 5. September fand das dritte MMP-Webinar statt, Referentin war Dr. Ronja Woltersdorf von der Universität Bonn. Rund 600 Teilnehmer schalteten sich zu, um ihre Kenntnisse über Arzneimittelinteraktionen bei älteren Patienten auf den neuesten Stand zu bringen. Während und nach der Veranstaltung wurden zahlreiche praxisrelevante Fragen gestellt. Lesen Sie hier eine Auswahl der Antworten.

Referiert & kommentiert Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Gendermedizin

Adhärenz bei der Schmerztherapie

Frauen zeigen eine geringere Adhärenz bei der Schmerztherapie als Männer und zögern oft Analgetika zu benutzen. Dies zeigt eine kürzlich im Cancer Nursing veröffentliche Studie.

Referiert & kommentiert Dr. Matthias Desch, Kogl b.Wien

Gendermedizin

Keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Mortalität nach einem Myokardinfarkt

Die Datenlage über die Unterschiede in der Kurzzeit- und Gesamtsterblichkeit von Frauen und Männern nach einem ST-Hebungsinfarkt ist uneinheitlich. Patientendaten aus dem VIENNA-STEMI-Register aus den Jahren 2003 bis 2009 zeigen laut einer adjustierten Analyse keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, wie im International Journal of Cardiology berichtet wird.

Referiert & kommentiert Solvejg Langer, Stuttgart

Gendermedizin

Frühgeborene Jungen werden öfter krank

Referiert & kommentiert Dr. Claus Gassner, Villingen-Schwenningen

Gendermedizin

Körperliche Bewegung verbessert die kognitiven Fähigkeiten vor allem bei Frauen

Patientinnen und Patienten, die unter einer bipolaren Störung leiden, verfügen infolge der Erkrankung häufig über eingeschränkte kognitive Fähigkeiten. In der vorliegenden Untersuchung wurde gezeigt, dass körperliche Aktivität vor allem bei Frauen eine Verbesserung dieser kognitiven Defizite bewirken kann.

Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Orale Zytostatika

Interaktionen erkennen und beurteilen

Das Erkennen von Interaktionen setzt neben pharmakologischem Basiswissen auch den Umgang mit Datenbanken und Kenntnisse über deren Aussagekraft voraus. In einem nächsten Schritt sind mögliche pharmakokinetische und pharmakodynamische Wechselwirkungen zu beachten, bevor eine Lösung erarbeitet wird. Wie man dabei vorgehen kann, wurde in einem Seminar des diesjährigen Norddeutschen Zytostatika Workshops in Hamburg-Harburg erläutert.

Referiert & kommentiert Dr. Bettina Krieg, Stuttgart

Wussten Sie schon …?

Warum das Vakzin einem was vom Pferd erzählt