Editorial Heike Oberpichler-Schwenk

Gastroenterologische Perspektiven

Pharmakologie aktuell Claudia Bruhn, Schmölln

Denosumab

Erster RANK-Ligand-Inhibitor zur Therapie der Osteoporose

Der vollhumane monoklonale Antikörper Denosumab ist der erste Vertreter eines neuartigen Wirkprinzips gegen Knochenschwund. Er bindet mit hoher Affinität und Spezifität an den RANK-Liganden (RANKL) und behindert dadurch dessen Interaktion mit dem Rezeptor RANK (Receptor activator of nuclear factor kappa B). Die Unterbrechung dieses Signalwegs (RANKL-RANK-Signalweg) hemmt die Bildung und Funktionsfähigkeit von Osteoklasten und ihren Vorläuferzellen und vermindert dadurch die Knochenresorption. In mehreren klinischen Studien wurde eine Zunahme der Knochenmineraldichte durch die subkutane Injektion von Denosumab (60 mg alle sechs Monate) nachgewiesen. Bei postmenopausalen Frauen war die Inzidenz neuer Wirbelfrakturen durch die halbjährliche Applikation von Denosumab gegenüber Plazebo signifikant verringert. Auch Patienten mit Krebserkrankungen könnten zukünftig von einer Therapie mit Denosumab profitieren

English abstract

Denosumab The first inhibitor of RANK-Ligand for treatment of osteoporosis

Denosumab is a fully human monoclonal antibody, that specifically binds with high affinity to RANK-ligand (RANKL) and prevents interaction of RANKL with its receptor, called RANK (Receptor activator of nuclear factor kappa B). Blocking this signalling pathway (RANKL/RANK pathway) inhibits osteoclast differentiation and activation, and reduces bone resorption. Application of denosumab (60 mg s.c., every six months) results in increased bone mineral density, as showed in several clinical trials. Incidence of new vertebral fractures in postmenopausal women with osteoporosis was reduced significantly by semi-annual application of denosumab versus placebo. Patients suffering from malignant diseases could also benefit from treatment with denosumab in future.

Übersicht Uwe Gröber, Essen

Vitamin D3, ein altes Vitamin im neuen Licht

Das fettlösliche Vitamin D3 ist ein Secosteroid, das durch Hydroxylierung über die Zwischenstufe 25-Hydroxy-Vitamin D3 (Calcidiol) in die biologisch aktive Form, das 1,25-Dihydroxy-Vitamin D3 (Calcitriol), überführt wird. Diese aktive Form wird auch als Vitamin-D-Hormon bezeichnet, sie entfaltet ihre phyiologischen Wirkungen durch Bindung an Vitamin-D-Rezeptoren, die in zahlreichen Geweben vorkommen. Ein Mangel an Vitamin D hat nicht nur Auswirkungen auf den Calcium- und Knochenstoffwechsel, sondern ist auch an der Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen beteiligt, darunter Autoimmunerkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebserkrankungen. Von besonderer Bedeutung ist der Einfluss von Vitamin D3 auf das Immunsystem. Obwohl der Körper Vitamin D3 selbst bilden kann, ist ein Vitamin-D-Mangel in Deutschland weit verbreitet. Ein Maß zur Einschätzung des individuellen Vitamin-D-Status ist der Calcidiol-Serumspiegel.

English abstract

Vitamin D – an old vitamin in a new perspective

Vitamin D3 is a secosteroid which, in its active form 1,25-(OH)2-Vitamin D3, has hormone activities. Most cells and tissues in the human body have vitamin D receptors that stimulate the nuclear transcription of various genes to alter cellular function. Vitamin D3 appears to have an effect on numerous disease states and disorders, including osteoporosis, chronic musculoskeletal pain, diabetes (types 1 and 2), multiple sclerosis, cardiovascular disease, and cancers of the breast, prostate, and colon. According to many researchers there is currently a worldwide vitamin D deficiency in various populations, including infants, pregnant and lactating women, and the elderly. The prevalence of vitamin D3 insufficiency in the general German population is high. Vitamin D in the food supply is limited and most often inadequate to prevent deficiencies. Supplemental vitamin D is likely necessary to avoid deficiency, especially in winter months. The estimated cost saving effect of improving vitamin D status in Germany might be up to 37.5 billion euros annually.

Übersicht Marko Lehmann und Andreas Stallmach, Jena

Blut auf dem Stuhl

Woran ist bei der Differenzialdiagnose zu denken?

Blut im Stuhl, Blut auf dem Stuhl oder Blutspuren am Toilettenpapier sind sehr häufige Symptome in allen Altersgruppen. Viel zu selten kommt es deswegen zu einer ärztlichen Konsultation. Die Ursachen der genannten Symptome sind vielfältig. Zum überwiegenden Teil liegen gutartige anorektale Erkrankungen wie das Hämorrhoidalleiden zugrunde. Neoplasien von Anus und Intestinum sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind neben weiteren Krankheitsbildern wichtige Differenzialdiagnosen, weshalb stets eine endoskopische Untersuchung zur Abklärung der Ursachen erfolgen sollte.

English abstract

Minimal bright red rectal bleeding: What should be considered?

Blood in faeces or stains of blood on the surface or toilet paper are common problems among all age groups. Too few patients seek medical consultation because of these symptoms. The differential diagnosis is quite large. Most cases are caused by benign anorectal diseases like hemorrhoids. On the other hand neoplasias of the anus and intestine or inflammatory bowel disease are important diagnoses to be considered. We emphasize that every patient should be seen by a doctor and endoscopic investigation should be discussed.

Key words: Blood on stool, blood in stool, bloody diarrhea, bright red blood per rectum, blood stains, fresh blood passed per rectum

Fragen aus der Praxis

Interaktionen zwischen Fluorid und Milch?

Können Fluoridtabletten gleichzeitig mit Milchprodukten eingenommen werden oder sind Interaktionen mit dem darin enthaltenen Calcium zu erwarten?

Referiert & kommentiert Bettina Christine Martini, Legau

Osteoporose

Strontiumranelat erhöht auch bei Männern die Knochenmineraldichte

Für Männer mit Osteoporose stehen weit weniger Therapieoptionen zur Verfügung als für postmenopausale Frauen. In einer offenen, prospektiven, randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit von Strontiumranelat bei Männern mit derjenigen von Alendronsäure verglichen. Die Zunahme der Knochenmineraldichte war mindestens ebenso gut.

Referiert & kommentiert Dr. med. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen

Osteologie

Aktualisierte Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Erwachsenen

Die Osteoporose ist die häufigste Knochenerkrankung beim Menschen. In Deutschland sind rund 4–6 Millionen Menschen davon betroffen. In der aktualisierten Osteoporose-Leitlinie des Dachverbands Osteologie e.V. (DVO) werden nun neben Arzneimittel-bedingten Osteoporoseformen auch andere Formen der sekundären Osteoporose berücksichtigt. Weitere Neuerungen betreffen die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen. Die Leitlinie wurde bei einer Pressekonferenz des DVO im Rahmen des Osteologie-Kongresses im März 2010 in Berlin vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Hoch dosiertes Vitamin D

Zu viel des Guten?

Bei älteren Frauen erhöhte die einmal jährliche orale Gabe von hoch dosiertem Vitamin D (500000 I.E.) sowohl das Sturz- als auch das Frakturrisiko.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Chronische Rückenschmerzen

Keine Therapievorteile von Glucosaminsulfat gegenüber Plazebo

In einer randomisierten klinischen Studie konnten bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen mit der Einnahme von Glucosaminsulfat verglichen mit Plazebo keine signifikanten Verbesserungen von Einschränkungen, Schmerzen oder Lebensqualität erzielt werden.

Referiert & kommentiert Birgit Hecht, Stuttgart

Wundversorgung

Schmerzmanagement bei chronischen Wunden

Die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden ist sowohl für Ärzte als auch für Pflegende eine Herausforderung. Auf dem 13. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. bot sich für Angehörige verschiedener Berufsgruppen aus dem ambulanten und stationären Bereich Gelegenheit, sich über verschiedene Aspekte der Wundversorgung zu informieren. Die Therapie von Schmerzen, die mit chronischen Wunden assoziiert sind, setzt sich zusammen aus der lokalen Wundversorgung und der systemischen Therapie. Ergänzt wird sie durch nichtmedikamentöse Maßnahmen. Voraussetzung ist eine sorgfältige Anamnese, die sich auf die Befragung des Patienten stützt.

Referiert & kommentiert Priv.-Doz. Dr. Dieter Angersbach, Wolfratshausen

Raucherentwöhnung

Nicotinpflaster plus Nicotinlutschtabletten am besten wirksam

Ohne Korrektur des p-Werts waren alle Pharmakotherapien gegenüber Plazebo überlegen. Bei Verwendung eines zur Fehlerkontrolle bei multiplen Tests korrigierten p-Werts war die Abstinenzrate sechs Monate nach Beginn des Rauchverzichts nur unter der Kombination Nicotinpflaster plus Nicotinlutschtabletten signifikant höher als unter Plazebo.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Diabetes mellitus Typ 2

Medizinische Interventionen verlangsamen Retinopathie

Die Ergebnisse einer Subgruppenanalyse der ACCORD-Studie zeigen, dass eine intensive Blutzuckerkontrolle und die Kombinationsbehandlung der Dyslipidämie mit Simvastatin plus Fenofibrat das Progressionsrisiko der diabetischen Retinopathie senken.