Editorial Heike Oberpichler-Schwenk

„Kennen Sie Ihr Herzinfarkt-Risiko?“

Übersicht Peter W. Radke, Lübeck

Der akute Myokardinfarkt

Eine Übersicht über Diagnostik und Therapie

Der akute Myokardinfarkt mit ST-Strecken-Hebung ist ein kardialer Notfall mit hoher Frühsterblichkeit. In der letzten Dekade hat sich jedoch die Prognose von Patienten mit akutem Myokardinfarkt vor allem durch die Weiterentwicklung perkutan-interventioneller Techniken und der medikamentösen Therapie deutlich verbessert. Die direkte kathetergestützte Wiedereröffnung des Infarktgefäßes („direkte PCI“) ist zurzeit der Goldstandard in der Infarktbehandlung, sofern sie innerhalb von zwei Stunden nach dem ersten medizinischen Kontakt durchgeführt werden kann. Dies stellt hohe Anforderungen an die Logistik von Rettungsdiensten und den versorgenden Krankenhäusern. Die Auswahl einer geeigneten Therapie zur Hemmung der Thrombozytenfunktion (Acetylsalicylsäure, Adenosindiphosphat[P2Y12]- und Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptor-Inhibitoren) und die Auswahl der antithrombotischen Medikation (Heparine, direkte Thrombininhibitoren) ist aufgrund der großen Anzahl der zur Verfügung stehenden Substanzen eine ebenso große Herausforderung: sie erfordert eine detaillierte Kenntnis der Studienlage, der Leitlinien sowie der jeweiligen Patientencharakteristika.

English abstract

Acute myocardial infarction: Diagnosis and treatment

Acute ST-elevation myocardial infarction (STEMI) represents a cardiac emergency with a high early mortality. Over the last decades, prognosis of patients with STEMI has dramatically improved. This has primarily been a result of advances in coronary interventional techniques as well as medical therapy. Direct percutaneous recanalization of the infarct-related artery represents the gold standard in treating STEMI, specifically when performed within two hours after first medical contact. These timelines imply logistical challenges for ambulance and hospital services. Furthermore, the broad variety of antithrombotic (acetylsalicylic acid, P2Y12 and GPIIb/IIIa receptor antagonists) and antithrombin medication (heparins, direct thrombin inhibitors) requires a sound understanding of the current evidence, guidelines and the individual patient characteristics to offer optimal medical therapy to the individual patient.

Key words: Acute myocardial infarction, direct percutaneous intervention

Übersicht Hans-Georg Classen, Stuttgart-Hohenheim, Uwe Gröber, Essen, Dieter Löw, Wiesbaden, Joachim Schmidt, Dresden, und Hilmar Stracke, Gießen

Zink-Mangel

Symptome, Ursachen, Diagnose und Therapie

Zink ist ein essenzielles Spurenelement, das für zahlreiche Stoffwechselprozesse notwendig ist. Die Diagnose eines Zink-Mangels stützt sich auf die vier Säulen Anamnese, Symptomatik, Risikogruppenzugehörigkeit und die Bestimmung von Biomarkern. Die Diagnose eines ausgeprägten Zink-Mangels ist im Gegensatz zur Diagnose moderater Zink-Mangelzustände unproblematisch. Die vorliegende Übersicht soll dazu beitragen, Letztere besser zu erkennen. Die medikamentöse Therapie eines Zink-Mangels erfolgt durch eine orale Gabe von Zinksalzen.

English abstract

Zinc deficiency. Symptoms, causes, diagnosis and therapy

Zinc is an essential trace element being required for numerous metabolic processes. The diagnosis of zinc deficiency is based on four main criteria, namely anamnesis, symptomatology, belonging to well-defined risk groups and the determination of biomarkers. The diagnosis of overt zinc deficiency is unproblematic in contrast to moderate states. The review presented here shall help to detect the latter ones. The pharmacotherapy of of zinc deficiency consists in oral administration of zinc salts.

Key words: Moderate zinc deficiency, diagnosis, pharmacotherapy

Bericht Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Kardiotoxizität bei Chemotherapie

Ein zunehmendes Problem in Onkologie und Kardiologie

Ohne Zweifel hat die Chemotherapie bei einer Reihe maligner Tumoren die Lebenserwartung deutlich verbessert. Doch einige der bei einer Chemotherapie eingesetzten Substanzen sind kardiotoxisch, und auch dies wirkt sich auf die Lebenserwartung der Patienten aus. Eine der häufigsten Komplikationen in diesem Zusammenhang ist eine Herzinsuffizienz. Sie kann beispielsweise unter Therapie mit dem Anthracyclin Doxorubicin oder dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab auftreten. Die frühzeitige Diagnose einer Chemotherapie-induzierten Kardiomyopathie ist schwierig, sie erfordert ein umfassendes Monitoring des Patienten.

Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

SABCS 2009 und 2010

Aus der Brustkrebsforschung

Alljährlich im Dezember findet in San Antonio eine internationale Brustkrebskonferenz statt. Das San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) ist eine der wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Mammakarzinom und wurde 2010 bereits zum 33. Mal abgehalten. Im Folgenden werden einige Studien der vergangenen zwei Symposien vorgestellt, die bei Pressekonferenzen der Firma Sanofi-Aventis erörtert wurden.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Krebsprävention

Langjährige Einnahme von Acetylsalicylsäure schützt vor Kolorektalkarzinom

Durch die regelmäßige Einnahme von Acetylsalicylsäure in Tagesdosen von mindestens 75 mg über mindestens fünf Jahre können die Langzeitinzidenz und -mortalität für ein Kolorektalkarzinom verringert werden. Die Schutzwirkung ist beim proximalen Kolonkarzinom am stärksten ausgeprägt. Das ergab eine Auswertung der Langzeitdaten von fünf Studien, in denen Acetylsalicylsäure zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse eingenommen wurde.

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

Depressionen

Gestörten Rhythmus wieder in den Takt bringen

Seit rund zwei Jahren steht mit Agomelatin ein Antidepressivum mit bis dahin gänzlich neuem Wirkungsmechanismus zur Verfügung. Bei einem Symposium anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin wurden neueste Daten zur Wirkung und Verträglichkeit dieser Substanz präsentiert.

Referiert & kommentiert Martin Wiehl, Königstein-Falkenstein

Gerinnungsstörung

Gezielter Blutungsstopp bei Patienten mit Von-Willebrand-Erkrankung

Die Von-Willebrand-Erkrankung, ein quantitativer oder qualitativer Mangel an Von-Willebrand-Faktor, ist eine der häufigsten angeborenen Störungen der Blutgerinnung. Ein gezielter Ersatz dieses Gerinnungsfaktors kann bei den Betroffenen notwendig werden, einerseits, wenn Blutungen auftreten, andererseits zur Prophylaxe von Blutungen. Seit 2010 ist hierfür ein neues Präparat auf dem Markt, das bei einem Symposium im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. vorgestellt wurde.

Referiert & kommentiert Dr. Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Atemwegserkrankungen

Hochdosierte inhalierbare Glucocorticoide erhöhen das Diabetes-Risiko

Eine Analyse der Krankenversicherungsdaten von knapp 400000 Patienten ergab, dass die langfristige Behandlung von Atemwegserkrankungen mit inhalierbaren Glucocorticoiden dosisabhängig die Inzidenz von Diabetes mellitus Typ 2 erhöhen und bei bestehendem Diabetes mellitus die Stoffwechsellage verschlechtern kann. Die Autoren der kanadischen Studie fordern, diesen Aspekt bei der Nutzen-Risiko-Abwägung zukünftig stärker zu berücksichtigen und bei Patienten, die langfristig mit hochdosierten inhalierbaren Glucocorticoiden behandelt werden, die Blutzuckerwerte zu überwachen.

Referiert & kommentiert Dr. B. Ecker-Schlipf, Holzgerlingen, und Birgit Hecht, Stuttgart

Asthma bronchiale

Ist Tiotropiumbromid eine Alternative zu langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika?

Bei erwachsenen Asthmapatienten, deren Symptome unter der alleinigen Therapie mit einem niedrig dosierten inhalierbaren Glucocorticoid nicht ausreichend kontrolliert werden konnten, war die zusätzliche Gabe des Anticholinergikums Tiotropiumbromid besser wirksam als eine Verdopplung der Glucocorticoid-Dosis und ebenso wirksam wie eine Ergänzung um das langwirksame Beta-2-Sympathomimetikum Salmeterol. Da an der Cross-over-Studie nur 210 Patienten teilgenommen hatten, sind weitere Studien notwendig, bevor die Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden können.

Referiert & kommentiert Dr. B. Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Omega-3-Fettsäuren

Margarine zur Sekundärprävention schwerer kardiovaskulärer Ereignisse?

Bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten und mit einer zeitgemäßen medikamentösen Therapie behandelt wurden, konnte die Rate von erneuten schweren kardiovaskulären Ereignissen durch den Verzehr von Margarine, die mit Alpha-Linolensäure und/oder Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure angereichert war, nicht signifikant gesenkt werden.

Referiert & kommentiert Heike Oberpichler-Schwenk

Erkältung

Zink lindert Symptome