Editorial Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Vision „Diabetes-Impfung“

Pharmakologie aktuell Dieter Kabelitz, Kiel

Toll-like Rezeptoren

Erkennungsrezeptoren des angeborenen Immunsystems und therapeutische Zielstrukturen

Toll-like Rezeptoren (TLR) sind wichtige Erkennungsrezeptoren des angeborenen Immunsystems, über die mikrobielle Erreger (vor allem Bakterien und Viren) wahrgenommen und „Sofortreaktionen“ des angeborenen Immunsystems ausgelöst werden. TLR, die auf der Zelloberfläche lokalisiert sind, erkennen bakterielle Zellwandbestandteile, während intrazelluläre TLR virale oder bakterielle Nukleinsäuren erkennen. TLR-Liganden aktivieren Zellen des angeborenen Immunsystems und können in dieser Funktion als Adjuvanzien für Impfstoffe eingesetzt werden. Sie können aber auch als alleiniger Wirkstoff zur lokalen Immunaktivierung eingesetzt werden, beispielsweise zur Behandlung von Genitalwarzen. Umgekehrt befinden sich TLR-Antagonisten zur Dämpfung von überschießenden Immunreaktionen in der präklinischen und klinischen Entwicklung.

English abstract

Toll-like receptors: recognition receptors of the innate immune system and target structures for therapeutical intervention

Toll-like receptors (TLR) are pattern recognition receptors of the innate immune system that recognize microbial ligands preferentially derived from bacteria and viruses. Activation of TLR results in an immediate pro-inflammatory response of the innate immune system. TLR located on the cell surface recognize bacterial cell wall components, while intracellular TLR recognize viral or bacterial nucleic acids. Due to their stimulatory activity, TLR ligands can act as adjuvants for vaccine development but are also used for local immunotherapy of certain types of skin lesions. On the other hand, TLR ligand antagonists are under development as an approach to dampen excessive innate immune responses.

Übersicht Dorothea Strobach, München

Klinisch relevante Interaktionen zwischen Analgetika und Psychopharmaka

Die kombinierte Gabe von Analgetika und Psychopharmaka kann zu pharmakodynamischen und pharmakokinetischen Arzneimittelinteraktionen führen. Unter der gleichzeitigen Therapie mit mehreren serotonerg wirksamen Substanzen wie bestimmten Opioiden und Antidepressiva kann es zum Auftreten eines Serotoninsyndroms kommen. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer beeinflussen zudem den Serotoninspiegel der Thrombozyten, was vor allem in Kombination mit nichtsteroidalen Antirheumatika zu einem erhöhten gastrointestinalen Blutungsrisiko führen kann. Anticholinerge Effekte und Sedierung sind häufige Nebenwirkungen von Psychopharmaka, treten aber auch unter Analgetika auf und können sich bei gleichzeitiger Gabe in ihrer Wirkung addieren. Umfangreiche Interaktionen zwischen Analgetika und Psychopharmaka sind auf der Ebene der Metabolisierung, vor allem über das Cytochrom-P450-System, möglich. Bei der Beurteilung von Interaktionsmeldungen aus Datenbanken ist immer die klinische Relevanz für den einzelnen Patienten zu berücksichtigen.

English abstract

Clinically significant drug-drug interactions between analgesics and psychotopics

Combining analgesic and psychotropic drugs can lead to pharmacodynamic and pharmacokinetic drug interactions. Under treatment with several serotonergic substances serotonin syndrome can occur, e.g. with certain opioids and antidepressant drugs. Serotonin reuptake inhibitors also affect the serotonin level in platelets, this can raise the risk for gastrointestinal bleeding especially in combination with non-steroidal antirheumatic drugs. Anticholinergic effects and sedation are common side effects of psychotropic but also analgesic drugs with possible additive results. A wide range of interactions between analgesics and psychotropics can occure during metabolism, especially via the cytochrome-P-system. The clinical relevance of warnings on drug interactions from data banks has always to be judged for the individual patient.

Key words: Drug-drug interaction, analgesics, psychotropics

Referiert & kommentiert Ralf Schlenger, München

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung

Die Therapie bei COPD muss Symptome und Exazerbationen vermindern

Die Beurteilung der Schweregrade einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und damit auch die Therapie der Patienten richten sich seit langem maßgeblich nach der Lungenfunktion, insbesondere der Einsekundenkapazität (FEV1). Experten kritisieren zunehmend diese eindimensionale Herangehensweise. Andere Faktoren korrelieren stärker mit der Lebensqualität des COPD-Patienten und seiner Prognose, so die körperliche Belastbarkeit, das Auftreten von Atemnot und vor allem Exazerbationen. Ein Umdenken hat sich im neuen Konsensuspapier der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD) niedergeschlagen. Das GOLD-Update, Basis für neue nationale Leitlinien weltweit, wurde bei einem Fachpressegespräch von Boehringer Ingelheim im Rahmen des Pneumologenkongresses in Nürnberg vorgestellt.

Referiert & kommentiert Bettina Christine Martini, Legau

Mukoviszidose

Ivacaftor, eine kausale Therapie für Patienten mit zystischer Fibrose

In einer Phase-III-Studie verbesserte die Einnahme von Ivacaftor bei Patienten mit zystischer Fibrose und einer G551D-CFTR-Mutation die Lungenfunktion signifikant gegenüber Plazebo. Patienten, die mit Ivacaftor behandelt wurden, hatten darüber hinaus ein geringeres Risiko für akute Exazerbationen und nahmen an Gewicht zu.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. Martin Storr, München - Mit Autorenkommentar

Chronische Obstipation

Der Guanylatcyclase-Aktivator Linaclotid lindert die Symptome

In Ländern mit westlich geprägtem Lebensstil sind bis zu 20% der Bevölkerung von Symptomen einer chronischen Obstipation betroffen. Obwohl zahlreiche Präparate zur symptomatischen Behandlung dieser Erkrankung zur Verfügung stehen, besteht ein großer Bedarf an therapeutischen Alternativen, insbesondere wenn die Standardtherapien versagen. Das synthetische Peptid Linaclotid wurde in zwei Phase-III-Studien erfolgreich bei Patienten mit einer chronischen Obstipation eingesetzt.

Referiert & kommentiert Dr. med. P. Stiefelhagen, Hachenburg

Diabetes mellitus Typ 2

Gute Stoffwechselkontrolle ohne Hypoglykämien

Neben einer Senkung erhöhter Blutzuckerspiegel ist die Verhinderung von Hypoglykämien ein äußerst wichtiges Therapieziel. Dies gilt für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 wie für alle anderen Diabetiker. Schwere Hypoglykämien sind nicht nur eine von den Patienten gefürchtete Nebenwirkung der Diabetestherapie, sondern auch prognostisch relevant. Hypoglykämien begrenzen darüber hinaus eine blutzuckersenkende Therapie, so dass unter Umständen die gewünschten Stoffwechsel-Zielwerte nicht erreicht werden. Ursachen und Folgen von Hypoglykämien sowie die Konsequenzen für die Diabetestherapie waren Gegenstand eines von Berlin Chemie veranstalteten Symposiums.

Referiert & kommentiert Dr. Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Diabetes mellitus

Insulindegludec, eine neue Option für den basalen Insulinbedarf

Das neu entwickelte Basalinsulin Insulindegludec senkte in zwei Phase-III-Studien mit Typ-1- bzw. Typ-2-Diabetikern den Blutzuckerspiegel genauso gut wie Insulinglargin. Von Vorteil könnte sein, dass nächtliche Hypoglykämien unter Insulindegludec etwas seltener auftraten als unter Insulinglargin.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Dyslipidämien

Evacetrapib hebt HDL und senkt LDL

Evacetrapib ist ein neuer Vertreter aus der Gruppe der Cholesterolester-Transferprotein(CETP)-Inhibitoren. Der Wirkstoff erhöht die High-Density-Lipoprotein(HDL)-Cholesterolwerte und senkt die Low-Density-Lipoprotein(LDL)-Cholesterolwerte – in Monotherapie gegenüber Plazebo und in Kombination mit Statinen gegenüber einer Statin-Monotherapie. Inwieweit sich diese biochemischen Veränderungen auf klinische Parameter der kardiovaskulären Gesundheit auswirken, ist noch offen.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Akutes Koronarsyndrom

Der neue Thrombozytenfunktionshemmer Vorapaxar enttäuscht

In einer Phase-III-Studie mit fast 13000 Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom ohne ST-Streckenhebung wurde die Inzidenz erneuter ischämischer Gefäßereignisse durch die Einnahme von Vorapaxar (zusätzlich zur Standardtherapie) nicht signifikant gesenkt. Der neue Thrombozytenfunktionshemmer erhöhte jedoch signifikant das Blutungsrisiko, einschließlich des Risikos für intrakranielle Blutungen.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. med. H.-C. Diener, Essen - Mit Autorenkommentar

Sekundärprävention des Schlaganfalls

Terutroban ist nicht besser wirksam als ASS

Terutroban, ein neuer Thrombozytenfunktionshemmer mit pleiotropen Effekten am Gefäßendothel, ist in der Sekundärprävention des Schlaganfalls nicht besser wirksam als Acetylsalicylsäure (ASS). Das ergab eine Studie mit fast 20000 Patienten.