Editorial Heike Oberpichler-Schwenk

Chemotherapie – Entwicklungen und Erwartungen

Übersicht Thomas Römer, Köln-Weyertal

Hypermenorrhö

Die Therapiemöglichkeiten bei Hypermenorrhö sind vielfältig. Nach Ausschluss organischer Ursachen, die meist operativ behandelt werden müssen, können zahlreiche medikamentöse Therapien eingesetzt werden. Neben Tranexamsäure und oralen Kontrazeptiva, bevorzugt im Langzyklus, sollten auch für die Indikation Hypermenorrhö zugelassene Hormonpräparate (Estradiolvalerat und Dienogest, dynamisch dosiert; Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem) Anwendung finden. Nur bei Versagen oder Kontraindikationen einer medikamentösen Therapie können operative Verfahren angewendet werden. Die Endometriumablation ist bei vielen Patientinnen eine Alternative zur Hysterektomie.

English abstract

Hypermenorrhoea

Many treatment options of hypermenorrhoea are available. After exclusion of organic causes, which need often on operative treatment, many medical treatments can be performed. Tranexamic acid and oral contraceptives, preferable in extended cycle, can be used, but it should be also used Qlaira® and Mirena®, which have a label for the indication hypermenorrhoea. If the medical treatment has no success or is contraindicated, an operative treatment should be performed. Endometrial ablation is often a successful alternative treatment to hysterectomy in patients suffering from hypermenorrhoea.

Übersicht Hans-Peter Lipp, Tübingen

nab-Paclitaxel

Klinischer Stellenwert einer weiterentwickelten Taxan-Formulierung

Nanopartikel-Albumin-gebundenes Paclitaxel (nab-Paclitaxel) ist eine weiterentwickelte Paclitaxel-Formulierung, bei der gegenüber konventionellen Taxan-Formulierungen auf kritische Lösungsvermittler verzichtet wurde. Infolgedessen kommt es seltener zu Überempfindlichkeitsreaktionen und es können höhere Dosisintensitäten umgesetzt werden. Präklinisch ergaben sich darüber hinaus Hinweise auf eine höhere intratumorale Anreicherung des Taxans bei Applikation von nab-Paclitaxel, die teilweise auf einer Wechselwirkung des Tumorgewebes mit Albumin-bindenden Proteinen beruht. Phase-III-Studienergebnisse bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs lassen im direkten Vergleich mit konventionellem Paclitaxel bzw. Docetaxel auf Vorteile hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit und Verträglichkeit schließen. Weitergehende Studienergebnisse und Fallserien belegen inzwischen auch eine beachtliche Wirksamkeit von nab-Paclitaxel bei anderen soliden Tumoren wie dem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) und dem Ovarialkarzinom. Auf Basis dieser klinischen Erfahrungen werden derzeit Therapiealgorithmen entwickelt, um genauer beschreiben zu können, welche Patienten von nab-Paclitaxel in welchen Dosierungen besonders profitieren. Dabei könnte dem SPARC(secreted protein, acidic and rich in cysteine)-Status im Stroma zukünftig eine wichtige prädiktive Bedeutung zukommen.

English abstract

Nab-Paclitaxel. Clinical value of an innovative taxane-containing formulation

Nanoparticle-albumin bound paclitaxel (nab-paclitaxel) represents an innovative taxane-containing formulation lacking any critical solvents with minimal risks for any hypersensitivity reactions as well as perspectives for dose escalation as a consequence. Preclinical data indicated an increase of drug accumulation in tumor tissues via nab-paclitaxel administration which appears to be related to direct interaction with albumin-binding proteins including stromal SPARC. Phase III study results revealed clinically relevant advantages regarding efficacy and tolerability associated with nab-paclitaxel compared to conventional docetaxel and paclitaxel in patients with metastatic breast cancer. Further experience may encourage its use in other tumor entities including NSCLC, ovarian and pancreatic carcinoma as well as melanoma. As a consequence, the development of algorithms is ongoing in order to be able to select patients in more detail who will particularly benefit from nab-paclitaxel treatment.

Referiert & kommentiert Marianne E. Tippmann, Ober-Mörlen

Multiples Myelom

Bortezomib: Überzeugende Langzeitdaten und verbesserte Verträglichkeit

Bei Patienten mit multiplem Myelom verbessert eine intravenöse Therapie mit Bortezomib zusätzlich zu Melphalan/Prednison das Ansprechen und die Prognose gegenüber einer alleinigen Therapie mit Melphalan/Prednison deutlich. Dies wurde durch die 5-Jahres-Daten der VISTA(Velcade as initial standard therapy in multiple myelomas)-Studie bestätigt. Seit dem 20. September 2012 kann Bortezomib beim multiplen Myelom auch subkutan appliziert werden. Basis dieser Zulassungserweiterung ist eine Phase-III-Äquivalenzstudie, nach der die subkutane Verabreichung von Bortezomib genauso wirksam ist wie die intravenöse Gabe – bei deutlich besserer Verträglichkeit. Aktuelle Daten zur Therapie des multiplen Myeloms mit Bortezomib wurden bei einer von Janssen-Cilag veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen/bh

Metastasiertes Nierenzellkarzinom

Klinischer Vergleich von Pazopanib und Sunitinib

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Pazopanib ist beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom eines von mehreren Erstlinientherapeutika. Bei einem von GlaxoSmithKline veranstalteten Satellitensymposium wurden zwei Studien vorgestellt, in denen Pazopanib direkt mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Sunitinib verglichen wurde. Erste Ergebnisse der beiden Studien wurden 2012 auf dem amerikanischen bzw. dem europäischen Onkologen-Kongress (ASCO bzw. ESMO) vorgestellt.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Antibiotika-Resistenzen

Antibiotika-Empfindlichkeit bei Erregern von Harnwegsinfektionen

Der häufigste Erreger von Harnwegsinfektionen im ambulanten wie im stationären Bereich ist das gramnegative Bakterium Escherichia coli. Bei nosokomialen Harnwegsinfektionen sind daneben eine ganze Reihe weiterer Bakterien als Erreger von Bedeutung, etwa Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae und Enterokokken. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich werden Resistenzen der Erreger gegenüber Antibiotika zunehmend zum Problem. Daten zur aktuellen Resistenzsituation in Deutschland und zur Entwicklung dieser Resistenzen in den vergangenen Jahren waren Thema eines Vortrags im Rahmen des von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft veranstalteten Bad-Honnef-Symposiums.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Akute Harnwegsinfektion

Cefpodoximproxetil ist Ciprofloxacin unterlegen

In einer amerikanischen Nichtunterlegenheits-Studie zur Kurzzeitbehandlung der unkomplizierten Blasenentzündung bei Frauen wurden Ciprofloxacin und Cefpodoximproxetil direkt miteinander verglichen. Dabei war das Fluorchinolon dem Cephalosporin deutlich überlegen.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Rezidivierende Harnwegsinfektionen

Prävention mit niedrig dosierten Antibiotika und alternativen Strategien

Um rezidivierenden Harnwegsinfektionen vorzubeugen, können verschiedene nichtmedikamentöse Maßnahmen eingesetzt werden. Reichen diese nicht aus, können Antibiotika, Immuntherapien oder pflanzliche Arzneimittel eingenommen werden. Möglichkeiten zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfektionen waren Thema eines Vortrags im Rahmen des von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft veranstalteten Bad-Honnef-Symposiums.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Egid Strehl, Freiburg

Sexuell übertragbare Infektionen

Neues zu alten Erkrankungen und „Newcomer“

Unter dem Begriff „sexuell übertragbare Erkrankungen“ wurden lange Zeit die klassischen Geschlechtskrankheiten Syphilis, Gonorrhö, Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum zusammengefasst, die vorwiegend bei Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern auftraten. Doch dieses Konzept erscheint heute veraltet: Zu vielfältig sind die sexuell übertragbaren Erkrankungen und die Risikofaktoren. Warum wir ein neues, umfassenderes Konzept zur Prävention, Diagnose und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen mit Berücksichtigung der gefährdeten Bevölkerungsgruppen benötigen, wurde bei einem Vortrag im Rahmen des von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft veranstalteten Bad-Honnef-Symposiums deutlich.

Referiert & kommentiert Dr. Dr. Tanja Neuvians, Ladenburg

Mukoviszidose

Inhalation von hypertoner Kochsalzlösung bei Patienten unter 6 Jahren

Säuglinge und Kleinkinder mit Mukoviszidose werden zunehmend mit hypertoner Kochsalzlösung behandelt, obwohl dazu nur wenig Daten vorliegen. In der ISIS(Infant study of inhaled saline in cystic fibrosis)-Studie wurde nun die Wirksamkeit einer Inhalation mit hypertoner versus isotoner Kochsalzlösung verglichen. Dabei ließ sich kein signifikanter Effekt auf die Anzahl der pulmonalen Exazerbationen feststellen. Möglicherweise wirkt sich die hypertone Therapie aber positiv auf die Lungenfunktion aus.

Referiert & kommentiert Stefan Oetzel, Tübingen

Mukoviszidose

Inhalierbares Mannitol: wirksam und einfach in der Handhabung

Eine Heilung der Mukoviszidose ist bisher nicht möglich. Hauptziele bei der Behandlung sind daher eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verlängerung der Überlebenszeit. Dabei gilt es, der progressiven, auf Dauer lebensbedrohlichen Einschränkung der Lungenfunktion so weit wie möglich entgegen zu wirken. Mit inhalierbarem Mannitol wird ein Medikament angeboten, mit dem sich die Lungenfunktion der Patienten wirksam verbessern lässt und das gleichzeitig einfach in der Handhabung ist. Studienergebnisse belegen, dass die Patienten auch langfristig einen Nutzen von der Therapie haben können. Das neue Arzneimittel wurde bei einem von Pharmaxis Pharmaceuticals veranstalteten Pressegespräch vorgestellt.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Schmerzhafte diabetische Polyneuropathie

Kombination Duloxetin/Pregabalin nicht besser oder schlechter als Hochdosis-Monotherapien

Spricht ein Patient mit diabetischer Polyneuropathie auf Duloxetin oder Pregabalin initial nicht ausreichend an, so führen laut einer großen aktuellen Studie eine Dosisverdopplung oder Kombinationstherapie gleichermaßen zum Ziel. Bei der Monotherapie in der initialen Studienphase zeigten sich indes Vorteile für Duloxetin, so die Ergebnisse eines sekundären Studienendpunkts. Die Studienergebnisse wurden bei einem Pressegespräch der Firma Lilly auf dem Deutschen Schmerzkongress 2012 in München vorgestellt.

Referiert & kommentiert Rosemarie Ziegler, Albershausen

Schmerztherapie

Kombination aus Oxycodon und Naloxon bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen

Werden Patienten mit schweren chronischen neuropathischen Schmerzen mit einer Kombination aus retardiertem Oxycodon und Naloxon behandelt, bewirkt dies eine Linderung von Schmerzen sowie eine Verbesserung der Darmfunktion und der Lebensqualität. Das ist das Ergebnis einer Subgruppenanalyse einer von Mundipharma unterstützten Beobachtungsstudie.

Referiert & kommentiert Dr. med. Nana Mosler, Wiesbaden

Alkoholabhängigkeit

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Abstinenz bei Alkoholabhängigkeit zu erreichen, ist heute nicht mehr oberstes Therapieziel. Den Alkoholkonsum zu reduzieren kann sinnvoller sein. So lassen sich deutlich bessere Behandlungserfolge mit der Vorgabe „kontrolliertes Trinken“ umsetzen. Für den Einstieg in den Alkohol-Ausstieg sind psychologische Betreuung und ein stabiles, familiäres Umfeld wichtige Voraussetzungen, so die Stimmen auf dem Pressedialog der Firma Lundbeck am 5. Oktober 2012 in Berlin. In drei europäischen Phase-III-Studien führte die zusätzliche Therapie mit dem Opioidantagonisten Nalmefen zu einer signifikanten Reduktion des Alkoholkonsums.