Übersicht Lutz M. Drach, Schwerin

Symptomatische Psychopharmakotherapie des Delirs im Alter

Delirien treten bei älteren Patienten im Krankenhaus häufig auf. Neben der ätiologisch orientierten Identifikation und Behandlung der delirogenen Noxen ist häufig eine symptomatische Psychopharmakotherapie notwendig. In der Regel werden Antipsychotika eingesetzt. In Anbetracht der Hinweise auf eine erhöhte Mortalität älterer und insbesondere dementer Patienten unter Therapie mit Antipsychotika muss die Indikation kritisch in Abwägung zu den vorhandenen nichtmedikamentösen Therapien gestellt werden. Niedrig dosiertes Haloperidol ist die Standardtherapie. Wenn mehr Sedierung erwünscht ist, kommen Melperon und Pipamperon infrage. Bei deliranten Parkinson-Patienten und wenn differenzialdiagnostisch eine Demenz mit Lewy-Körperchen möglich ist, sollte wegen der besseren Verträglichkeit off-Label Quetiapin eingesetzt werden. Andere niederpotente Antipsychotika wie Prothipendyl, Promethazin und Levomepromazin gelten wegen ihrer anticholinergen delirogenen Wirkung und häufigen orthostatisch bedingten Stürze als potenziell inadäquat für Ältere. Cholinesterasehemmer, mit Ausnahme des nur unter intensivmedizinischen Bedingungen zugelassenen Physostigmins, sind beim Delir unwirksam. Benzodiazepine haben ihre Indikation beim Benzodiazepin- und Alkoholentzugsdelir. Sie sind selbst delirogen (sogenannte „paradoxe Reaktion“). Clomethiazol sollte bei den im Alter häufigen pulmonalen Erkrankungen wie COPD nicht verordnet werden. Chloralhydrat gilt unter anderem wegen der QTc-Verlängerung als potenziell inadäquat für Ältere. Unter intensivmedizinischen Bedingungen haben sich Clonidin und insbesondere neuerdings Dexmedetomidin bewährt. Belastbare Daten zur Behandlung des Delirs mit Melatonin fehlen.

English abstract

Psychopharmalogical treatment of delirium in the elderly

Delirium is frequent in hospitalized elderly. Treatment of the medical problems causing delirium is paramount. Mostly antipsychotics are used for treatment of psychological and behavioral symptoms in delirium. Increased mortality of elderly and demented patients receiving antipsychotics suggests caution in prescribing antipsychotics for delirium. Standard treatment is low-dose haloperidol. If more sedation is needed, melperone or pipamperone can be used. In delirious Parkinsonian patients or if dementia with Lewy-bodies is suspected quetiapine is better tolerated. Other sedating antipsychotics like prothipendyl, promethazine or levomepromazin are considered inappropriate medication in the elderly due to their anticholinergic and orthostatic side effects. Cholinesterase inhibitors are not effective in delirium, except physostigmine for treatment of anticholinergic intoxication confined to intensive care. Benzodiazepines are effective in alcohol- und benzodiazepine-withdrawal, but may induce delirium (paradox reaction). Clomethiazole is contraindicated in frequent pulmonal conditions in the elderly like COPD. Chloral hydrate is considered inappropriate medication in the elderly due to QTc-prolongation. On intensive care units clonidine and recently dexmedetomidine are useful. At the moment there are no data indicating melatonin being effective for treatment of delirium.

Bericht Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Gesunder Lebensstil bei Kleinkindern

Im Kleinkindalter werden die Weichen für einen gesunden Lebensstil gestellt. Eltern sollten besonderen Wert auf die richtige Ernährung und eine aktive Lebensweise legen. Doch das ist nicht immer einfach. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ als ein Projekt des Nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ der Bundesregierung bietet Eltern Unterstützung durch aktuelle Empfehlungen und Tipps für diese Lebensphase.

English abstract

A healthy life style for toddlers

The first years of life are important for the development of a healthy life style. Therefore, parents should pay attention to nutrition and activity when caring for their toddlers. Current recommendations give advice about these issues and also address topics as vegan nutrition and food allergies.

Fragen aus der Praxis Dr. Sibylle Oesch, Bern

Müssen PPI nüchtern eingenommen werden?

Ist die Wirksamkeit der PPI tatsächlich vermindert, wenn die Einnahme mit dem Essen erfolgt und gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen PPI?

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Borchard-Tuch, Zusmarshausen

Karpaltunnelsyndrom

Glucocorticoid-Injektionen verringern Operationsrisiko kaum

Eine randomisierte, Plazebo-kontrollierte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Glucocorticoid-Injektion bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom die Beschwerden über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten deutlich lindert. Nach einem Jahr zeigte die Therapie jedoch nur eine geringe Wirksamkeit und erniedrigte das Operationsrisiko lediglich minimal.

Referiert & kommentiert Dr. Beate Fessler, München

Mukoviszidose

Mutationsspezifische Therapie mit Ivacaftor

Die zystische Fibrose (CF, Mukoviszidose) ist eine seltene, lebensbedrohliche und unheilbare genetische Erkrankung, die autosomal rezessiv vererbt wird. Mit Ivacaftor (KalydecoTM) steht seit Juli 2012 für einen kleinen Teil der Patienten der erste kausale Therapieansatz zur Verfügung. Der selektive Potentiator des CFTR-Proteins (Cystic fibrosis transmembrane conductance regulator) ist für Patienten ab sechs Jahren zugelassen, bei denen mindestens eine Kopie des CFTR-Gens mit G551D-Mutation vorliegt [1]. In Deutschland betrifft dies etwa 170 Menschen. Bei ihnen verbessert der Wirkstoff langfristig die Lungenfunktion und die Gewichtszunahme und last but not least auch die Lebensqualität.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Schmölln

Behandlung der Opioidabhängigkeit

Hydromorphon als potenzielles neues Substitutionsmittel

In Kanada, wo schätzungsweise 60000 bis 90000 Menschen opioidabhängig sind, wird derzeit Hydromorphon als potenzielles neues Substitutionsmittel in einer klinischen Studie untersucht. Das Design wurde vom Studienleiter Dr. Michael Krausz im Rahmen eines Symposiums auf dem DGPPN-Kongress in Berlin vorgestellt.

Referiert & kommentiert Christine Vetter, Köln

Pulmonal-arterielle Hypertonie

Macitentan bessert die Prognose

Die Prognose der Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) ist limitiert. Fortschritte in der Behandlung verspricht der neue orale duale Endothelin-Rezeptorantagonist Macitentan (Opsumit®), der zur Markteinführung im Februar dieses Jahres auf einer von der Firma Actelion veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt wurde. Der Wirkstoff senkt signifikant das Risiko für PAH-bedingte Erkrankungen oder Tod bei gegenüber herkömmlichen Endothelin-Rezeptorantagonisten verbesserter Verträglichkeit und günstigerem Sicherheitsprofil.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Martin Storr, München - Mit Autorenkommentar

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Cannabis hilfreich in der Therapie des Morbus Crohn?

In der Therapie des Morbus Crohn werden die Induktion und der Erhalt einer Remission unterschiedlich durchgeführt. Insbesondere Patienten berichten über vorteilhafte medizinische Effekte von Cannabis; in der Therapie des Morbus Crohn fehlten bisher klinische Daten. In einer kleinen randomisierten, Plazebo-kontrollierten, klinischen Studie wurde nun die Wirksamkeit von Cannabis in der Induktion einer Remission untersucht [1].

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

Schizophrenie und bipolare Störung

Neues Akuttherapeutikum zum Inhalieren

Loxapin ist ein Neuroleptikum, welches in Frankreich bereits seit Jahrzehnten bei agitierten Patienten zur Anwendung kommt, sowohl in der Akutsituation als auch zur Erhaltungstherapie. In Deutschland ist Staccato® Loxapin (Adasuve®) zur Inhalation erst seit 2013 zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer Agitation bei erwachsenen Patienten mit Schizophrenie oder bipolarer Störung zugelassen. Auf einem Satellitensymposium, unterstützt von der Firma Trommsdorff, stellten Fachärzte das Wirkprofil, die Pharmakokinetik und -dynamik sowie die Zulassungsstudien dieser Arzneiform vor.

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

Depression

Psychotherapie mit dem Computer

Mit deprexis® steht seit über einem Jahr ein Programm für eine computergestützte Psychotherapie zur Verfügung. Fachärzte halten solche Online-Angebote für eine – eventuell zeitlich begrenzte – Alternative zu den überlaufenen Face-to-Face-Psychotherapien. Gerade in ländlichen Gebieten, wo kaum psychotherapeutische Praxen niedergelassen sind, ist es für viele Patienten möglicherweise die einzige Chance, ihre Pharmakotherapie mit Psychotherapie zu kombinieren. Aus Erfahrung weiß man, dass eine Kombinationstherapie die Adhärenz bezüglich der Pharmaka deutlich erhöht, so die Referenten auf einem von Merz unterstützten Satelliten-Symposium beim Kongress 2013 der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie, Psychiatrie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.

Referiert & kommentiert Reimund Freye, Baden-Baden

ADHS bei Erwachsenen

ADHS als Prädiktor für Persönlichkeitsstörungen

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) bei Erwachsenen, ein viel diskutiertes Thema auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2013 in Berlin, wird oftmals von einer Reihe anderer psychiatrischer Erkrankungen begleitet. Auf einem Symposium, unterstützt von der Firma Medice, wurden die häufigen komorbiden Schlafstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen thematisiert. Die Schwere von Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS) erhöht sich erheblich, sofern eine ADHS hinzukommt. Umgekehrt zieht eine schwergradige ADHS im Kindesalter gehäuft Persönlichkeitsstörungen nach sich, möglicherweise weil negative Reaktionen der Umwelt zum sozialen Rückzug führen und einer BPS zumindest den Boden bereiten.

Referiert & kommentiert Dr. Stefan Fischer, Stuttgart

Schubförmige multiple Sklerose

Dimethylfumarat in der Basistherapie

Im Februar wurde eine neue orale Option in der Therapie der schubförmigen multiplen Sklerose zugelassen und bereits eingeführt. Dimethylfumarat hat sich in Phase-III-Studien als wirksames und sicheres Arzneimittel in der Basistherapie erwiesen. Durch seine Anwendung in der Dermatologie sind auch bereits Langzeitdaten zur Sicherheit bekannt. Die Studiendaten wurden auf einer von Biogen Idec veranstalteten Pressekonferenz vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Prostatakrebs

Wie sicher ist die Prävention mit Finasterid?

Im Prostate Cancer Prevention Trial (PCPT) konnte der 5-Alpha-Reductasehemmer Finasterid das Risiko für Prostatakrebs um fast ein Viertel senken. Allerdings wurden im Finasterid-Arm mehr aggressive hochgradige Tumoren beobachtet als in der Plazebo-Gruppe. Die Auswertung des Nachbeobachtungszeitraums von bis zu 18 Jahren ergab jedoch keinen Anstieg der Sterberate unter Finasterid-Einnahme.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Fortgeschrittenes malignes Melanom

Ipilimumab nun auch für die Erstlinientherapie zugelassen

Das Immunonkologikum Ipilimumab hat seit Kurzem auch eine Zulassung für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit fortgeschrittenem malignem Melanom. Damit dürfte sich die Prognose für viele Melanom-Patienten deutlich verbessern: Etwa ein Viertel der Patienten lebt nach einer Behandlung mit dem CTLA-4-hemmenden Antikörper drei Jahre oder länger – ein deutlicher Fortschritt im Langzeitüberleben dieser Patienten im Vergleich zu den bisherigen Therapieoptionen. Die Daten wurden auf einem von Bristol-Myers Squibb veranstalteten Pressegespräch vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Hämophilie A

Neuer rekombinanter Faktor VIII Turoctocog alfa

Der neue rekombinante Faktor VIII Turoctocog alfa für Patienten mit einer Hämophilie A ist das Resultat einer gezielten Produktentwicklung. Ergebnisse aus dem umfangreichen Studienprogramm wurden im Rahmen eines von der Firma Novo Nordisk anlässlich der 58. Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. in Wien veranstalteten Satellitensymposiums vorgestellt und diskutiert.

Referiert & kommentiert Rika Rausch, Stuttgart

Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B

Abschließende STIKO-Bewertung steht noch aus

Meningokokken-Infektionen sind selten, verlaufen jedoch oftmals gravierend. Zu den klinischen Symptomen zählen Meningitis und Sepsis, einhergehend mit der Gefahr lebenslanger schwerer Behinderungen. Bislang fehlte ein Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B, die in Deutschland für etwa 70% aller Meningokokken-Erkrankungen verantwortlich sind. Die Firma Novartis stellte im Rahmen einer Pressekonferenz den seit Dezember 2013 in Deutschland verfügbaren Impfstoff Bexsero® vor, mit dem die Lücke in der Prävention geschlossen werden kann.

Referiert & kommentiert Martin Wiehl, Königstein-Falkenstein

Diabetes mellitus Typ 1

Risiken mittlerweile gut erforscht

Es besteht heute eine klare Vorstellung darüber, welche Kinder immunmodulatorisch behandelt werden müssten, um bei ihnen die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 1 zu verhindern. Drei Wissenschaftler wurden auf der 49. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona für ihre Forschung auf diesem Gebiet mit dem Excellence in Clinical Research Award der JDRF (Juvenile Diabetes Research Foundation) ausgezeichnet. Mit einem einfachen Bluttest zur Detektion von mindestens zwei von vier infrage kommenden Antikörpern lässt sich das Risiko, in den folgenden 20 Jahren einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln, mit nahezu 100%iger Treffsicherheit voraussagen.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Chronische Parodontitis bei Typ-2-Diabetikern

Zahnfleischsanierung bessert Parodontitis, nicht aber die Blutzuckerkontrolle

Bei Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 2 und mäßiger bis schwerer chronischer Parodontitis bleibt durch eine Parodontitis-Behandlung die Blutzuckerkontrolle unbeeinflusst – so das Ergebnis einer großen prospektiven Multicenterstudie. Damit scheinen Ergebnisse kleinerer Studien widerlegt, die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Zahnfleischsanierung und Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetikern mit Parodontitis geliefert hatten.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Eugen J. Verspohl, Münster

Diabetes mellitus Typ 2

Bedeutung von Glucagon-Rezeptorantagonisten für die zukünftige Diabetes-Therapie

Glucagon ist das wichtigste, wenn auch nicht das einzige hyperglykämisch wirkende Hormon. Sezerniert wird es von den Alpha-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas als Antwort auf Hypoglykämie, Fettsäuren und Aminosäuren.