Editorial Tanja Saußele, Stuttgart

Top secret

Pharmakologie aktuell Tanja Saußele, Stuttgart

PCSK9-Inhibitoren

Neuer Therapieansatz zur Cholesterolsenkung

Bislang sind HMG-CoA-Reductasehemmer („Statine“) die effektivsten Arzneimittel, um den LDL-Cholesterolwert zu senken und das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen zu verhindern. Einen neuen pharmakologischen Ansatzpunkt stellt die Hemmung des Enzyms PCSK9 (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) dar, das am Abbau des LDL-Rezeptors beteiligt ist. Die Inhibition von PCSK9 durch monoklonale Antikörper bewirkt in Kombination mit Statinen eine zusätzliche LDL-Cholesterolsenkung von 50–60%. Die Verträglichkeit war in den bisher publizierten Phase-III-Studien gut. Derzeit laufende Langzeitstudien werden Fragen zur Sicherheit und den Einfluss auf kardiovaskuläre Ereignisse klären. Obwohl diese Ergebnisse noch ausstehen, wurde für Evolocumab bereits eine Zulassungsempfehlung in Europa und für Alirocumab in den USA ausgesprochen.

English abstract

PCSK9 inhibitors. A new approach for treatment of hypercholesterolemia

To date HMG-CoA-reductase inhibitors are the most effective drugs for reduction of LDL-cholesterol levels and for prevention of cardiovascular events. Inhibition of the enzyme PCSK9 (proprotein convertase subtilisin/kexin type 9), which is involved in depletion of the LDL-receptor, is a new pharmacologic approach. Inhibition of PCSK9 by monoclonal antibodies provokes an additional reduction of LDL-cholesterol levels by 50–60 % in addition to statins. Previous phase III studies indicate good compatibility. Ongoing long-term studies will answer questions of safety and influence on cardiovascular events. Although those results are not available yet, alirocumab and evolocumab have already been recommendd for approval.

Übersicht Alexa Klettner, Kiel

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Biologie und Behandlung

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache der Erblindung älterer Menschen in den Industrienationen. Man unterscheidet bei den Spätformen dieser degenerativen Erkrankung die geographische Atrophie der Netzhaut und die exsudative (feuchte) AMD, bei der Gefäße aus dem Aderhautbereich in die Retina wachsen. Die Auslöser für die Entwicklung einer AMD sind nicht bekannt. Während es für die Frühform und die geographische Atrophie bisher keine Therapieoptionen gibt, kann die exsudative AMD durch die Hemmung des Wachstumsfaktors VEGF (Vascular endothelial growth factor) behandelt werden. Die zurzeit verfügbaren Therapeutika Ranibizumab, Aflibercept sowie das off-Label eingesetzte Bevacizumab zeigen eine gute klinische Wirksamkeit. Die Arbeitsgruppe um Prof. Klettner untersuchte die VEGF-Inhibitoren auf molekularer Ebene sowie in ihrer Wirkung auf das retinale Pigmentepithel; einige Ergebnisse dieser Arbeit sollen im Folgenden dargestellt werden.

English abstract

Age-related macular degeneration – biology and treatment

Age-related macular degeneration (AMD) is the main cause for legal blindness of the elderly in the industrialized world and due to the demographic changes of the Western societies the prevalence is expected to increase strongly. The late forms of this disease are differentiated into geographic atrophy and exsudative (wet) AMD, where vessels grow from the choroid into the retina. On a biological level, the most important structure of AMD pathogenesis in the photoreceptor/retinal pigment epithelium (RPE)/choroid complex. The interaction of the components of this structure enables the photoreceptors to function. Age-related alterations of this complex play an important role in the development of AMD. The exact triggers for AMD onset, however, are not known. There are no available therapies for the early forms of AMD or for geographic atrophy. However, the exsudative form can be treated by inhibiting vascular endothelial growth factor (VEGF). The currently available therapeutics (ranibizumab, aflibercept, bevacizumab) show good results in the clinic, however, in order to uphold the therapeutic effect they have to be regularly injected into the vitreous body. The inhibitors differ on a molecular level as well as on a biological level concerning their interaction with retinal pigment epithelial cells.

Bericht Alexander Ströhle, Hannover

Einfluss des Lebensstils auf das Risiko für Myokardinfarkt

Vier von fünf Ereignissen vermeidbar

Lebensstilelemente wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie quantitative und/oder qualitative Fehlernährung erhöhen das Risiko für ischämische Herzerkrankungen. Wie stark dieser Effekt ist, lässt sich allerdings nur schwer abschätzen. Die Auswertung einer im Journal of the American College of Cardiology veröffentlichten schwedischen Kohorte hat ergeben: Bei Männern gehen vier von fünf Herzinfarkten auf das Konto eines ungesunden Lebensstils und sind somit grundsätzlich vermeidbar.

Bericht Rika Rausch, Stuttgart

Psoriasis und Rosacea – mehr als reine Hauterkrankungen

Aktuelles von der 48. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Berlin

Etwa zwei Millionen Menschen leiden in Deutschland an Psoriasis (Schuppenflechte), etwa vier Millionen an Rosacea. Obwohl beide Krankheiten vorrangig die Haut betreffen, geht man mittlerweile davon aus, dass es sich dabei um Entzündungsreaktionen handelt, die Auswirkungen auf den gesamten Körper haben können. Die Therapien unterlagen in den vergangenen Jahren großen Veränderungen. Für die Behandlung der Psoriasis werden ab 2015 jedes Jahr Neuerungen erwartet, insbesondere im Bereich der Gruppe der Biologika. Auch im Hinblick auf Rosacea eröffnen sich neue Therapiestrategien. Auf der Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in Berlin wurden die Fortschritte in der Behandlung beider Krankheiten dargestellt, darunter aktuell der Arzneistoff Ivermectin zur Therapie der papulopustulösen Rosacea, der in den Tagen des Kongresses die europäische Zulassung erhielt.

Fortbildung Wissensbasierung Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Aktuelle Aspekte der evidenzbasierten Medizin

Fehlentwicklungen und Stellenwert von neuen Methoden

Die Medizin und inzwischen auch die Pharmazie sind ohne Evidenzbasierung nicht mehr denkbar. Doch haben die letzten Jahre auch einige Probleme und Fehlentwicklungen sowie eine Fülle neuer Methoden gebracht. Einige dieser Aspekte wurden auf der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin diskutiert.

English abstract

Current perspectives on evidence based medicine

Modern medicine and pharmacy practice has to be based on evidence. However, during the last years some problems have evolved concerning the proper use of the established methods. Some perspectives have been discussed at the annual congress of the German Network for Evidence-based Medicine.

Referiert & kommentiert Helga Vollmer, M. A., München

Arthrose

Bessere Langzeitergebnisse durch individuelle Endoprothetik

Fast vier Millionen Menschen in Deutschland haben einen Gelenkersatz aufgrund von Arthrose, hauptsächlich an Knie und Hüfte. Oft müssen diese Implantate schon nach kurzer Zeit wieder ausgetauscht werden, weil sie nicht richtig funktionieren und dem Patienten Probleme bereiten. An der Orthopädischen Universitätsklinik Regensburg/Bad Abbach wurden neue Operationstechniken entwickelt, mit denen sich das Risiko für Nachoperationen um mehr als zwei Drittel reduzieren lässt.

Referiert & kommentiert Marianne E. Tippmann, Ober-Mörlen

Hyperphosphatämie bei chronischer Niereninsuffizienz

Deutlicher Überlebensvorteil durch Sevelamer

Hohe Serumphosphatspiegel korrelieren bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz signifikant mit Gefäßkalzifizierungen und potenziell resultierender kardiovaskulärer Mortalität. Die Wahl der Phosphatbinder-Therapie kann die Prognose beeinflussen: Denn nicht nur ein hohes Serumphosphat beschleunigt die Progredienz des Verkalkungsprozesses, sondern auch eine Beladung mit Calcium wird heute kritisch gewertet. Die Datenlage bestätigt Sevelamer, einem calcium- und metallfreien Phosphatbinder auf Polymer-Basis, einen günstigen Effekt auf die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität, wie auf einer von Sanofi organisierten Veranstaltung im Rahmen des 10. Interaktiven Nephrologischen Experten-Forums berichtet wurde.

Referiert & kommentiert Dr. Alexander Kretzschmar, München

ADHS

Hoher Bedarf an störungsspezifischen Therapieangeboten für junge Erwachsene

Viele jugendliche Patienten mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) werden im Erwachsenenalter überhaupt nicht oder nicht störungsspezifisch behandelt. Dies zeigt die in acht europäischen Ländern durchgeführte ADPSYC-Studie (Prevalence of ADHD in non-psychotic adult psychiatric care). Die negativen Folgen könnten vermieden werden, wenn die Patienten angemessen behandelt würden. Auf der 27. Jahrestagung der European College of Neuropsychopharmacology wurde von der Zulassungserweiterung für Atomoxetin zur De-novo-Einstellung erwachsener Patienten mit ADHS berichtet, die das Therapieportfolio weiter vergrößert.

Referiert & kommentiert Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie

Vorgeschichte des Patienten ist entscheidend für das Therapieregime

Bei einer Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie sollte das Therapieregime anhand der individuellen Resistenzsituation des Patienten ausgerichtet werden. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wann eine Eradiaktionskontrolle erfolgen soll, wurde auf einem Satellitensymposium der Firma Aptalis im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim vorgestellt.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Rezidivierende Clostridium-difficile-Infektion

Säurehemmer könnten häufig abgesetzt werden

Protonenpumpenhemmer erhöhen das Risiko für ein Rezidiv einer Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö. Das könnte vor allem in solchen Fällen vermieden werden, in denen die Säureblocker außerhalb einer evidenzbasierten Indikation verordnet wurden. Doch in der Praxis wird diese Empfehlung praktisch nie umgesetzt. Das ist das Ergebnis einer kanadischen Studie.