Editorial Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Diabetes: Rückschritt statt Fortschritt?

Pharmakologie aktuell Eugen J. Verspohl, Münster

Neue Targets in der Pharmakotherapie des Typ-2-Diabetes

Die Zahl der Diabetiker erhöht sich weltweit in den nächsten 15 Jahren wahrscheinlich um 50% auf mehr als 360 Millionen; in 90% der Fälle wird es sich um Diabetes mellitus Typ 2 handeln. Etablierte Therapien konzentrieren sich derzeit auf folgende Prinzipien: Erhöhung der Plasmainsulinspiegel, Verstärkung der Insulinempfindlichkeit peripherer Gewebe und Verminderung der Kohlenhydratresorption und Glucosebildung. Der Bedarf nach Arzneistoffen mit neuen Wirkungsprinzipien ist vorgegeben. Der Artikel gibt einen Überblick über Targets, die für die Pharmakotherapie des Diabetes zukünftig eine Rolle spielen könnten.

English abstract

New targets in pharmacotherapy of type 2 diabetes

The number of people with diabetes is expected to increase worldwide to 360 million within the next 15 years of which 90% will have type 2 diabetes (non-insulin-dependent diabetes mellitus). Established therapies mainly focus on the following principles: increase in plasma insulin, improving insulin sensitivity of tissues, reducing the rate of carbohydrate absorption and gluconeogenesis. The demand on compounds with new mechanisms of action is obvious. This articles summarizes new targets and compounds under development for pharmacotherapy of typ 2 diabetes; at present approx. 180 compounds are going to be developed worldwide.

Übersicht Barbara Kreutzkamp, Hamburg. Mit einem Kommentar von Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Hamburg

Medikamentöse Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2

Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie

Für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 sind in den letzten Jahren neue Substanzklassen entwickelt worden. Die aktuelle S3-Versorgungsleitlinie zur Therapie des Typ-2-Diabetes aus dem Jahr 2014 gibt Empfehlungen für den Einsatz konventioneller Therapieoptionen und zeigt den derzeitigen Stellenwert der neuen Antidiabetika.

Übersicht Ingo Rustenbeck, Braunschweig

Nutzen und Sicherheit von Sulfonylharnstoffen

Stellung angesichts neuer Therapieoptionen des Typ-2-Diabetes

Die Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 mit oralen Antidiabetika wird zunehmend durch die Verfügbarkeit neuer Substanzen geprägt. Vor allem der Gebrauch der Sulfonylharnstoffe geht zurück, denen die neuen Substanzen mit Blick auf das Hypoglykämierisiko überlegen sind. Es ist gegenwärtig jedoch noch unklar, ob DPP4-Inhibitoren oder SGLT2-Inhibitoren zu besseren Ergebnissen hinsichtlich der kardiovaskulären Ereignisrate oder der gesamten Mortalität führen. Die Evidenz zu den Sulfonylharnstoffen wurde ganz wesentlich mit Glibenclamid gewonnen. Epidemiologische Daten, dass die Ergebnisse mit Glimepirid und Gliclazid günstiger sind als mit Glibenclamid, können durch unterschiedliche Affinitäten zu den KATP-Kanalsubtypen und unterschiedliche Pharmakokinetik begründet sein. Die besondere Rolle von Metformin steht mehr denn je außer Frage, wobei die Wirksamkeit, kardiovaskuläre Ereignisse zu vermindern, wahrscheinlich nicht nur durch den antihyperglykämischen Effekt bedingt ist.

English abstract

Risk and benefit of sulfonylureas – their role in view of new treatment options for type 2 diabetes

Currently, the therapy with oral antidiabetic drugs undergoes major changes. The use of sulfonylureas is in marked decline. The major argument in favor of newer oral antidiabetic drugs is the lower risk of hypoglycemia. At the present time however, it is unclear whether DDP4 inhibitors or SGLT2 inhibitors lead to better outcomes with respect to cardiovascular events and overall mortality. Most evidence on the therapeutic use of sulfonylureas has been gained with glibenclamide and to some degree sulfonylureas and glibenclamide have become synonymous. Since sulfonylureas vary considerably in their affinity for the KATP channel subtypes and in their pharmacokinetic properties, the epidemiological evidence that outcomes tend to be less favorable with glibenclamide than with glimepiride or gliclazide has gained some attention. Beyond debate is the efficacy of metformin to diminish cardiovascular events in type 2 diabetes, probably due to effects beyond the lowering of blood glucose.

Übersicht Theresa Gundelach, Miriam Rodewald, Inga Bekes, Wolfgang Janni und Katharina Hancke, Ulm

Metformin bei polyzystischem Ovarsyndrom

Es wird schon lange ein Zusammenhang zwischen dem polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) und einer Insulinresistenz vermutet, sodass seit über zehn Jahren über den Einsatz von Metformin, einem Insulinsensitizer, beim PCOS immer wieder nachgedacht wird. In dieser Übersichtsarbeit soll die aktuelle Datenlage und Evidenz für den Einsatz von Metformin beim PCOS diskutiert werden.

English abstract

Metformin for the treatment of polycystic ovary syndrome

For several years there is an evidence for a relationship between the polycystic ovary syndrome (PCOS) and of insulin resistance; therefore metformin, an insulin sensitizer, is used for the treatment for more than 10 years. However, the evidence for metformin is assessed controversially. This review will give an overview about the data published on this topic.

Fragen aus der Praxis Julia Kretzschmar, Katja Wilke, Dresden

Ist eine Impfung mit dem Meningokokken-Impfstoff Bexsero® bei Asplenie zu empfehlen?

Ein 40-jähriger Patient erleidet nach einem Autounfall unter anderem eine Ruptur der Milz. Während der operativen Versorgung seiner Verletzungen wird die Milz entfernt (Splenektomie; Zustand ohne Milz: Asplenie). Zur anschließenden Infektionsprophylaxe soll er leitliniengerecht Impfungen unter anderem gegen Meningokokken erhalten. Der behandelnde Arzt fragt in der Klinikapotheke, ob eine Impfung mit dem neuen Meningokokken-Impfstoff Bexsero® für den Patienten nach Splenektomie mittlerweile empfohlen wird.

Referiert & kommentiert Sabine Grygosch, Leverkusen

Agitation bei Alzheimer-Demenz

Fixkombination aus Dextromethorphan und Chinidin zeigt Wirkung

In einer im Journal of the American Medical Association veröffentlichten Studie berichten Jeffrey Cummings und Mitarbeiter von der Wirksamkeit der Kombination aus Dextromethorphan und Chinidin bei Agitation, die gehäuft bei Patienten mit Alzheimer-Demenz auftritt.

Referiert & kommentiert Rika Rausch, Stuttgart

Störungen der Nebennierenrindenfunktion

Steroidhormone aus dem Gleichgewicht

Eine gestörte Funktion der Nebennierenrinde kann vielfältige Auswirkungen auf den Organismus haben. Eine Unterfunktion der Drüse (Nebenniereninsuffizienz) erfordert die Substitution von Glucocorticoiden. Eine Überfunktion (Cushing-Syndrom) mündet in einer diabetogenen Stoffwechsellage; der endogenen Cortisol-Wirkung muss hier therapeutisch entgegengewirkt werden. Ein Ungleichgewicht im Mineralcorticoidhaushalt (Conn-Syndrom) kann dagegen kardiovaskuläre und neurologische Folgen haben. Auf der Jahrestagung der Scheele-Gesellschaft in Warnemünde wurden die Krankheitsbilder mitsamt ihren Therapien vorgestellt.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Diabetes mellitus Typ 2

Neuerungen im ADA-/EASD-Positionspapier

Bei einem von Boehringer Ingelheim unabhängig unterstützten Symposium auf der Jahrestagung der American Diabetes Association in Boston ging es um die Grundlinie der Therapie bei Diabetes mellitus Typ 2. Diese war bereits 2012 im ADA-/EASD-Positionspapier als einheitliche, unkomplizierte und patientenzentrierte Leitlinie festgehalten worden. Mittlerweile existiert eine überarbeitete Version.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Diabetes mellitus Typ 2

BeaM-Wert gibt Hinweis auf die geeignete Behandlungsstrategie

Viele Patienten mit Typ-2-Diabetes sind mit oralen Antidiabetika und später mit der Zugabe eines Basalinsulins im Rahmen einer basalunterstützten oralen Therapie (BOT) gut therapierbar. Genügt dies nicht mehr und steigt der HbA1c-Wert, sind weitere Maßnahmen zur Therapieintensivierung gefragt. Ein neues Instrument, das als Entscheidungshilfe dienen kann, ist der BeaM-Wert: Mit seiner Hilfe lässt sich einfach und unkompliziert ermitteln, welcher Patient in dieser Situation am ehesten von einer prandialen Zusatztherapie profitiert, etwa einer einmal täglichen (BOT plus) oder mehrmals täglichen (ICT) Bolusinsulin-Gabe, und wer stattdessen mehr Basalinsulin benötigt.

Referiert & kommentiert Alexander Ströhle, Hannover

Diabetes mellitus Typ 2

Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für vier Organtumoren

Diabetes mellitus Typ 2 ist nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden, auch Krebserkrankungen werden begünstigt. Die Wissenschaftler eines „Umbrella-Review“ kommen zu dem Schluss, dass die Evidenz für einen Zusammenhang von Typ-2-Diabetes und Krebs nur für vier Organtumoren überzeugend ist: Karzinome der Brust, der Gebärmutter, des Dick- und Enddarms und der intrahepatischen Gallenwege.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg - Mit Autorenkommentar

Zöliakie

Larazotid als Option bei Versagen einer glutenfreien Diät

Wenn eine Zöliakie serologisch und histologisch gesichert ist, wird eine glutenfreie Diät empfohlen. Trotz dieser Maßnahme berichten zahlreiche Patienten über weiter bestehende Symptome. In einer multizentrischen, Placebo-kontrollierten, randomisierten Studie erwies sich Larazotid als alternativer Behandlungsansatz bei unter glutenfreier Diät symptomatischer Zöliakie.

Referiert & kommentiert Michael Koczorek, Bremen

Hypertonie

Neue Fixkombination aus ACE-Hemmer und Calciumkanalblocker

Aktuelle Leitlinien empfehlen heute schon bei Hypertonie Grad 1 eine initiale Kombinationstherapie. Seit 2015 stehen für die Erstlinientherapie der ACE-Hemmer Perindopril und der Calciumkanalblocker Amlodipin in kombinierter Form zu Verfügung. Ein Vorteil der Fixkombination ist die bessere Verträglichkeit durch die halbe Dosis der vollen Wirkstärke beider Arzneistoffe, wie auf einem von Servier veranstalteten Pressegespräch in Berlin berichtet wurde.