Editorial Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Behalten Sie Ihre Kunden im Auge

Pharmakologie aktuell Danielle A. Stegmann, Bern

Histon-Deacetylase-Hemmer

Neue synergistische Drittlinienoption beim multiplen Myelom

Bisherige Kombinationstherapien zur Behandlung des multiplen Myeloms, einer seltenen Krebserkrankung des Knochenmarks, führen auf Dauer häufig zu Rezidiven oder zu einem fehlenden Ansprechen. Eine neue Klasse von Tumortherapeutika, die Histon-Deacetylase-Hemmer, zeigte nun eine positive Wirkung auf die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens bei der Kombinationstherapie und in der Drittlinie. Basierend auf den Ergebnissen einer großen Phase-III-Studie erhielt der Histon-Deacetylase-Hemmer Panobinostat (Farydak®) Ende August 2015 die europäische Zulassung.

English abstract

Histone deacetylase inhibitors: new synergistic third-line option in multiple myeloma

Despite advances in drug therapy of the orphan disease multiple myeloma, patients relapse or become refractory to first-line therapy, and the disease remains incurable. Therefore, histone deacetylase inhibitors have emerged as a new class of anti-myeloma drugs, with synergistic results on progression free survival when given in combination to current first-line therapy. Histone deacetylase inhibitors influence gene expression of target genes. Based on results of an extensive multicenter phase III trial, panobinostat was approved by the FDA in February 2015 as the first histone deacetylase inhibitor for the treatment of multiple myeloma. In Europe, panobinostat received marketing authorization by August 2015.

Übersicht Frank Tost, Robert Kempin, Rico Großjohann und Sabine Herfurth, Greifswald

Diabetische Netzhauterkrankungen

Aktuelle Aspekte in der Therapie

Die gestörte Stoffwechsellage beim Diabetes mellitus geht an nahezu sämtlichen Strukturen des Sehorgans mit krankhaften Veränderungen einher. Schäden an den kleinen Blutgefäßen der Netzhaut bezeichnet man als diabetische Retinopathie. Es ist zwischen der nichtproliferativen und der proliferativen Form zu unterscheiden. In jedem Stadium der diabetischen Retinopathie ist die Manifestation eines diabetischen Makulaödems möglich, das eine ernste Bedrohung für den Erhalt der Sehschärfe und die Lebensqualität darstellt. Die evidenzbasierte Therapie erfolgt mittels Laserfotokoagulation. Nichtresorbierende Blutungen oder zugbedingte Netzhautabhebungen müssen mikrochirurgisch behandelt werden. Bestimmte Formen der diabetischen Retinopathie, beispielsweise ein Makulaödem im Bereich der Sehgrube (Fovea), lassen sich durch die invasive Medikamentengabe in den Glaskörperraum behandeln. Für diese intravitreale operative Applikation stehen VEGF-Antagonisten und Glucocorticoid-Depotsysteme zur Verfügung.

English abstract

Diabetic retinopathy – Current aspects of therapy

Pathological changes of the small blood vessels are the main risk for diabetic retinopathy. A distinction is made between proliferative and non-proliferative processes. The diabetic macular edema can manifest itself at any stage of the diabetic retinopathy and poses a serious threat to vision and quality of life. Evidence based therapy primarily focuses on laser coagulation. Laser coagulation suspends progression of the disease and is used particularly for extrafoveolar edema. Especially a pathological swelling, such as the cystoid edema, in this central part of the retina, can cause a rapid deterioration of vision. The treatment of cystoid macular edema with intravitreal application of drugs is a widespread therapeutical approach. Invasive therapeutical drug application into the vitreous cavity has to be sterile in order to prevent infection. The usage of VEGF (Vascular endothelial growth factor) antagonists is an effective treatment for the diabetic macular edema. Several drugs are now available for intravitreal injection. Nevertheless a small number of medical drugs regularly administered to patients still have to be approved by the authorities (off-label use). One can distinguish mainly between VEGF antagonist (growth factor antagonist) like ranibizumab, aflibercept and bevacizumab and steroid therapy which includes dexamethasone, fluocinolone and triamcinolone.

Fortbildung Wissensbasierung Iris Hinneburg, Halle (Saale)

Nichtunterlegenheitsstudien

Immer häufiger werden Studien mit neuen Arzneistoffen als Nichtunterlegenheitsstudien durchgeführt. Soll die Validität dieser Studien beurteilt werden, gibt es jedoch eine Reihe von Besonderheiten zu beachten. Das gilt etwa für die genaue Definition von „Nichtunterlegenheit“ sowie die Auswertemethoden.

English abstract

Non-inferiority trials

More and more clinical trials for new drugs are designed as non-inferiority trials. In order to assess the validity of these trials, however, a number of peculiarities have to be considered. This applies, e.g., to the exact definition of „non-inferiority“ as well as to the data evaluation methods.

Bericht Ute Ayazpoor, Mainz

„Die schlaflose Gesellschaft“

Bericht von der 23. Jahrestagung der DGSM e.V.

Mehr als 2000 Mediziner verschiedener Fachrichtungen, Wissenschaftler und Experten angrenzender Gebiete folgten vom 2. bis 5. Dezember 2015 der Einladung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin zu ihrer 23. Jahrestagung in Mainz. In den Symposien, Seminaren und Workshops lag der thematische Schwerpunkt auf der Frage, wie die „24-Stunden-Non-Stop-Gesellschaft“ dem Menschen Schlaf – und damit Gesundheit – raubt und welche Relevanz Schlaf und Schlafstörungen für die Gesellschaft haben.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Typ-2-Diabetes

Konzentriertes Insulin glargin erweist sich nach einem Jahr als signifikant wirksamer

Insulin glargin U300 ist seit April 2015 zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 bei Erwachsenen zugelassen. Nachdem es anfänglich eine vergleichbare HbA1c-Senkung wie Insulin glargin U100 gezeigt hatte, erbrachte eine Metaanalyse der 12-Monats-Daten dreier Zulassungsstudien sogar einen leichten, aber signifikanten Vorteil für Insulin glargin U300. Zudem profitieren Patienten verschiedener Subgruppen von der verringerten Zahl nächtlicher Hypoglykämien.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

HIV-1-Infektion

Tenofoviralafenamid versus Tenofovirdisoproxilfumarat

In zwei randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studien konnte gezeigt werden, dass 90% der Patienten mit einer HIV-1-Infektion unter einem kombinierten Behandlungsregime, das entweder Tenofoviralafenamid oder Tenofovirdisoproxilfumarat enthielt, ein gutes virologisches Ansprechen erzielten. Unerwünschte Arzneimttelwirkungen auf Nieren und Knochen waren bei Patienten mit einer Tenofoviralafenamid-Kombination erheblich verringert.

Referiert & kommentiert Dr. med. Peter Stiefelhagen, Hachenburg

Bipolare affektive Störung

Personalisierte Therapie mit Lithium

Bei Patienten mit einer bipolaren affektiven Störung ist Lithium ein etabliertes Therapiekonzept zur Rezidivprophylaxe. Doch nicht alle Patienten sprechen auf diese Behandlung an. Der Einsatz erfolgt zurzeit nach dem Prinzip „trial and error“, wobei allerdings klinische Prädiktoren eine prognostische Aussage erlauben. Deshalb stellt sich die Frage, ob es prädiktive Genmarker gibt, die eine Wirksamkeit zuverlässig voraussagen können und somit eine personalisierte Therapie ermöglichen. Das Thema wurde im Rahmen eines Symposiums bei der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) 2015 diskutiert.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Unipolare Depression

Nationale Versorgungsleitlinie überarbeitet

Die im Jahre 2009 erstellte S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression wurde erstmals überarbeitet; beim DGPPN-Kongress wurde die aktuelle Version vorgestellt. Sie enthält unter anderem Referenzplasmaspiegel für praktisch alle Antidepressiva und neue Optionen zur Therapieintensivierung, beispielsweise die Antipsychotika-Augmentation.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Schmölln

Depression

Vergleichbarer Nutzen durch webbasierte Psychotherapie

Je nach Schweregrad der Symptomatik empfiehlt die im November 2015 aktualisierte S3-Leitlinie zur Therapie der Depression psycho- und/oder pharmakotherapeutische Interventionen. Studien zur Versorgungsrealität in Deutschland zeigen jedoch, dass Patienten häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, ehe sie eine adäquate Behandlung erhalten. Eine Möglichkeit, diesem Problem zumindest teilweise zu begegnen, bieten Internet-gestützte Therapieprogramme. Sie enthalten Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie und können sowohl auf dem Computer als auch mithilfe weiterer Endgeräte wie Tablets oder Smartphones absolviert werden. Mehrere Studien zeigten gute eine Wirksamkeit dieser neuen Programme. Ein Überblick wurde bei einem Symposium der Firma Servier im Rahmen des DGPPN-Kongresses gegeben.

Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Schmölln

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

Vereinfachte Dosisanpassung von Dexamfetamin

Seit dem ersten Quartal 2016 steht das Dexamfetamin-Präparat Attentin® in zwei zusätzlichen Stärken – 10 mg und 20 mg – zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab sechs und Jugendlichen bis 17 Jahren zur Verfügung. Welche Besonderheiten beim Einsatz dieser Substanz zu beachten sind, diskutierten Experten auf einem von der Firma Medice veranstalteten Symposium anlässlich des Kongresses 2015 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

Referiert & kommentiert Regine Schulte Strathaus, Wiesbaden

Seltene Erkrankungen

Neugeborenen-Screening bei Sichelzellanämie gefordert

Die Sichelzellanämie ist derzeit noch eine seltene Erkrankung in Deutschland. Da sie nahezu ausschließlich Patienten mit Migrationshintergrund betrifft, wird diese Blutkrankheit durch die Zuwanderung von Flüchtlingen an Bedeutung gewinnen. Daher halten Experten ein flächendeckendes Neugeborenen-Screening für sinnvoll.

Referiert & kommentiert Simone Reisdorf, Erfurt

Alkoholabhängigkeit

Ambulanter Entzug nur unter bestimmten Bedingungen möglich

Alkoholabhängige Patienten, die eine akute Entgiftung vornehmen, werden dazu meist in ein somatisches oder psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen. Andererseits bieten auch Tageskliniken, Ambulanzen und niedergelassene Psychiater und Suchtmediziner den akuten Alkoholentzug an. Im Rahmen des DGPPN-Kongresses wurde diskutiert, welche Patienten für den ambulanten Entzug geeignet sind und was dabei zu beachten ist.

Referiert & kommentiert Regine Schulte Strathaus, Wiesbaden

NORAH-Lärmwirkungsstudie

Dauerlärm belastet die Psyche und triggert Krankheiten

Wer einem permanenten Lärm durch Straßen-, Schienen- oder Flugverkehr ausgesetzt ist, hat ein signifikant höheres Risiko, an Depressionen und Herzinsuffizienz zu erkranken. Diese Erkenntnis ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Lärmwirkungsstudie-Studie NORAH (Noise-related annoyance, cognition and health), deren erste Daten kürzlich präsentiert wurden.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Ovarialkarzinom

Hormontherapie in der Menopause erhöht das Risiko

Die Auswertung epidemiologischer Studien zeigte, dass eine Hormonersatztherapie in der Menopause das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, selbst bei einer Anwendungsdauer von unter fünf Jahren. Ovarialkarzinome sollten deshalb in die Nebenwirkungsliste der Hormontherapie aufgenommen werden. Allerdings erhöht sich das Gesamtrisiko dieser Präparate aufgrund der geringen Häufigkeit von Ovarialkarzinomen durch diesen Befund nicht wesentlich.

Referiert & kommentiert Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Gynäkologische Onkologie

Die Emeseprophylaxe während der Chemotherapie nicht vernachlässigen

Einige Chemotherapeutika, darunter vor allem Platinderivate und Anthracycline in Kombination mit Cyclophosphamid, weisen ein hohes emetogenes Potenzial auf. Obwohl wirksame Antiemetika zur Verfügung stehen, hapert es in der Praxis nicht selten an der richtigen Umsetzung. Darauf wurde im Rahmen eines Fachpresse-Workshops hingewiesen, der Anfang des Jahres in München stattfand.

Referiert & kommentiert Dr. Barbara Ecker-Schlipf, Holzgerlingen

Entzündliche Darmerkrankungen

Schwere Infektionen nach Therapie mit TNF-α-Blockern

In einer dänischen Kohortenstudie war die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen mit einem TNF-α-Blocker in den ersten drei Monaten mit einem signifikant erhöhten Risiko für schwere Infektionen verbunden. Anschließend nahm dieses Risiko wieder ab.

Referiert & kommentiert Dr. Bettina Hellwig, Konstanz

Asthma bronchiale

Neuer Anti-IL-5-Antikörper Mepolizumab

Mepolizumab ist ein neuer Anti-Interleukin-5-Antikörper. Er ist als Zusatztherapie für erwachsene Patienten mit schwerem refraktärem eosinophilem Asthma bronchiale zugelassen und ist seit Februar 2016 in Deutschland verfügbar. Die zugehörigen Studiendaten wurden auf einer Pessekonferenz von GlaxoSmithKline im Dezember 2015 vorgestellt.

Referiert & kommentiert Prof. Dr. Eugen J. Verspohl, Münster

Geriatrie

Hörgeräte schützen vor mentalem Abbau