Seite 165
Editorial Dr. Tanja Saußele, Stuttgart

Eine besondere Herausforderung

Seite 168 -175
Übersicht Veit-Simon Eckle, Jan-Moritz Doehn und Miriam Songa Stegemann, Berlin

Ambulant erworbene Pneumonie

In Deutschland erkranken jährlich nach Hochrechnungen 307 000 bis 831 000 Menschen an einer ambulant erworbenen Pneumonie. Die Mehrzahl der Antibiotika-Verordnungen erfolgt im ambulanten hausärztlichen Bereich. Für eine adäquate Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie sind die Kenntnis des Erregerspektrums, die diagnostischen Möglichkeiten, die korrekte Applikationsweise von Antibiotika und Dauer der Anwendung entscheidend. In der vorliegenden Übersichtsarbeit wird die aktuelle Leitlinie der ambulant erworbenen Pneumonie vorgestellt. Zusätzlich wird die „Access, Watch, Reserve“-Klassifikation (AWaRe) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Antibiotika in die Therapieempfehlungen implementiert, um den verantwortungsvollen Gebrauch von Antibiotika im ambulanten und stationären Bereich zu stärken.

English abstract

Diagnostic and treatment of community acquired pneumonia

In Germany, the incidence of community acquired pneumonia ranges approximately between 307,000 to 831,000 cases annually. As far as relevant antibiotic prescriptions take place in an outpatient setting, knowledge of relevant pathogens, diagnostic tools and careful prescription of antibiotic treatment is required. In the present review, we present current guideline strategies for detection and adequate treatment of community acquired pneumonia. Additionally, we propose the implementation of the  "Access, Watch, Reserve" (AWaRe) classification of antibiotics by the World Health Organization (WHO) into the current German guideline for community acquired pneumonia for emphasizing antibiotic stewardship in an outpatient and inpatient setting.

Seite 179 -186
Übersicht Christian Rust und Johann Spatz, München

Gallenblasen- und Gallenwegserkrankungen

Erkrankungen der Gallenblase und der Gallengänge gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern der Gastroenterologie und der Viszeralchirurgie. Man unterscheidet Gallensteinerkrankungen (in der Gallenblase oder in den Gallengängen) und primär entzündliche Erkrankungen der Gallengänge. Steine in der Gallenblase werden als Cholezystolithiasis und Steine im Gallengang als Choledocholithiasis bezeichnet. Die häufigsten primären entzündlichen Erkrankungen der Gallengänge sind die primär biliäre Cholangitis (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC). Sie gehören zu den chronischen cholestatischen Lebererkrankungen.

English abstract

Diseases of the gall bladder and the bile ducts

Diseases of the gall bladder or the bile ducts are among the most frequent in gastroenterology and visceral surgery. Asymptomatic patients with cholecystolithiasis generally do not need to be treated. The most frequent symptom is an acute biliary colic, which generally can be treated with spasmolysants and/or nonsteroidal anti-inflammatory drugs (NSAID). All symptomatic patients with gall bladder stones should be offered a laparoscopic cholecystectomy as the recommended definite treatment. Medical therapy with ursodeoxycholic acid (UDCA) for dissolution of gallstones can only be recommended in patients with contraindications to surgery and small, non-calculous stones. Laparoscopic cholecystectomy is also indicated in patients with acute cholecystitis, which is almost always associated with gall bladder stones. In contrast, gallstones in the extrahepatic bile ducts can be treated endoscopically in most cases by endoscopic retrograde cholangiography (ERC). The most frequent chronic cholestatic liver diseases in men are primary biliary cholangitis (PBC) and primary sclerosing cholangitis (PSC). Both are immune mediated inflammatory diseases of the intrahepatic (PBC) and also the extrahepatic (PSC) bile ducts that are progressive without treatment and can lead to liver cirrhosis. Recommended first line therapy for PBC is UDCA in a dose of 13 to 15 mg/kg/day. Patients with insufficient response to UDCA can additionally be treated with obeticholic acid (OCA). Currently, there is still no licensed medical therapy for PSC. However, most centers also recommend off label treatment with UDCA. In addition, dominant stenoses of the bile ducts should be treated endoscopically by balloon dilatation. Liver transplantation is recommended in end stage cirrhosis of both diseases.

Seite 187 -194
Klinische Pharmazie Benedict Morath, Stefanie Walk-Fritz, Torsten Hoppe-Tichy, Walter Emil Haefeli und Hanna Marita Seidling, Heidelberg

Entlassmanagement in Deutschland

Erfahrungen einer klinikweiten Umsetzung

Mit dem 2017 verabschiedeten Rahmenvertrag „Entlassmanagement“ formulierte der Gesetzgeber spezifische Anforderungen an das Entlassmanagement in Deutschland, die in der Routineversorgung umgesetzt werden mussten. Wir haben beispielhaft an einem Klinikum der Maximalversorgung in einer die Implementierung begleitenden Prozessanalyse untersucht, wie neue gesetzeskonforme Entlassprozesse die Verantwortlichkeiten im klinischen Alltag beeinflussen und welche potenziellen Barrieren bei der Implementierung auftreten können. Dabei zeigte sich, dass insbesondere eine gesteigerte Arbeitslast auf ärztlicher Seite und eine unzureichende digitale Infrastruktur die Ausrollung des Entlassmanagements erschweren können. Daher sollte geprüft werden, ob und wie die neuen Aufgaben im Entlassmanagement kompetenzgerecht auf verschiedene Berufsgruppen verteilt werden können, und ein Augenmerk auf eine adäquate digitale Infrastruktur gelegt werden. Neben den gesetzlichen Anforderungen an das Entlassmanagement sollten außerdem weitere Ansatzpunkte identifiziert werden, wie die Krankenhausentlassung durch geeignete Interventionen verbessert werden kann. Ein Verbesserungspotenzial liegt dabei im transsektoralen Informationsfluss, da nachsorgende Leistungserbringer häufig nicht und wenn, nicht eindeutig, auf ein notwendiges arzneimittelbezogenes Therapiemonitoring hingewiesen werden. Deshalb sollten arzneimittelbezogene Monitoringhinweise automatisiert, standardisiert und bedarfsgerecht in die Kommunikation mit den nachsorgenden Leistungserbringern eingebunden werden.

English abstract

Discharge management implementation in Germany and corresponding potentials for improvement – experiences of a clinic-wide implementation

In 2017, the German legislation introduced specific legal requirements specifying discharge management. We present the results of an accompanying process analysis investigating the implementation of the new requirements into routine care. Thereby, we assessed how the new lawful discharge processes affected responsibilities in clinical routine and which barriers of implementation occurred. In particular, an increased workload for physicians and an insufficient digital infrastructure impaired the discharge management implementation. Thereupon, we evaluated approaches to further improve the trans-sectoral flow of information. Indeed, follow-up care providers are not consistently informed on necessary drug monitoring and if so, the advices given are often ambiguous. We discuss the advantages and barriers of an electronically supported approach to automatically include such advices in discharge letters.

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Barbara Kreutzkamp, Hamburg

Polypharmazie bei gebrechlichen Senioren am Lebensende

Per strukturiertem „Deprescribing“ Medikamente reduzieren

Das „Deprescribing“ ist eine neue, systematische Herangehensweise zur Reduktion einer Polypharmazie bei älteren multimorbiden Menschen am Ende ihres Lebens. Eine offene Studie dokumentiert jetzt den Effekt bei Anwendung der STOPPFrail-Kriterien über einen Zeitraum von drei Monaten. Ergebnis: Die Kriterien sind praxistauglich und reduzieren Arzneimittelkosten.

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Bruhn, Berlin

Gerinnungsstörungen

Hämophilie-Arzneimittel – was gibt es Neues?

Die Beratung von Patienten mit Gerinnungsstörungen könnte in der öffentlichen Apotheke in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen. Denn ab dem 15. August 2020 werden Arzneimittel zur spezifischen Therapie von Gerinnungsstörungen und Hämophilie nicht mehr direkt zwischen Herstellern und Hämophilie-Zentren, Kliniken und Praxen vertrieben, sondern über Apotheken an die Patienten abgegeben. Grundlage dafür ist das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ [1].

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Larissa Tetsch, Maisach

Darmkrebsprävention

Berberin reduziert die Rückfallrate nach einer Entfernung von Darmpolypen

Darmkrebs entsteht in den meisten Fällen aus gutartigen Darmpolypen (Adenomen). Die beste Krebsvorsorge sind deshalb regelmäßige Darmspiegelungen und die Entfernung eventuell vorhandener Polypen. Allerdings ist das Rückfallrisiko hoch. Eine Interventionsstudie hat nun gezeigt, dass die orale Einnahme des in der traditionellen chinesischen Medizin gegen Durchfallerkrankungen eingesetzten Naturstoffs Berberin die Neubildung von Darmpolypen hemmen kann.

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Sabine Fischer, Stuttgart

Helicobacter pylori

Duale 7-Tage-Therapie mit Vonoprazan und niedrig dosiertem Amoxicillin

Makrolide wie Clarithromycin induzieren leicht Veränderungen im Resistom von Helicobacter pylori. Da weltweit eine hohe Clarithromycin-Resistenz von H. pylori vorliegt, sollte Clarithromycin als empirische Behandlung abgesetzt werden. Die vorliegende Studie untersuchte die Wirksamkeit und Verträglichkeit einer 7-tägigen dualen Therapie mit Vonoprazan und Amoxicillin im Vergleich zur Vonoprazan-basierten Tripeltherapie, mit der bereits eine ausreichende Ausrottungsrate und hohe Sicherheit erzielt werden konnte.

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Petra Jungmayr, Esslingen

Neuer Therapieansatz beim Reizdarm-Syndrom

Stuhltransplantation erfolgreich

Einer norwegischen Studie zufolge können mithilfe einer Stuhltransplantation Symptome einer Reizdarm-Erkrankung gelindert werden. Voraussetzung für den Erfolg ist die Stuhlqualität des Donators und die Menge der übertragenen Fäzes.

Seite 195 -201
Referiert & kommentiert Dr. Peter Stiefelhagen, Starnberg

Beendigung einer Statin-Therapie bei betagten Patienten

Was sagen die Leitlinien?

In zahlreichen Studien konnte die Effektivität einer medikamentösen kardiovaskulären Prävention – Primär- und Sekundärprävention – mit einem Statin überzeugend belegt werden. Doch heißt einmal Statin immer Statin? Oder kann bzw. sollte man bei älteren und betagten multimorbiden Patienten vor allem bei einer Polypharmakotherapie das Statin einfach absetzen? Ein kürzlich veröffentlichtes Review ergab, dass bei der Beantwortung dieser Frage die Leitlinien den verordnenden Arzt meist im Stich lassen.