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Editorial Prof. Dr. Ingo Rustenbeck, Braunschweig

Diabetes mellitus – ein Krankheitsbild mit vielen Facetten

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Medizin meets Pharmazie Ingo Rustenbeck, Braunschweig

Diabetes mellitus

Krankheitsbild und Epidemiologie

Die Diagnose Diabetes mellitus wird gestellt, wenn die Blutglucosekonzentration definierte Grenzwerte überschreitet, unbeschadet der sehr unterschiedlichen Pathomechanismen und Verläufe. Der klassischen Unterteilung in den autoimmun verursachten Typ-1-Diabetes, den multifaktoriell bedingten Typ-2-Diabetes, die spezifischen Diabetestypen und den in der Schwangerschaft manifest werdenden Gestationsdiabetes wird derzeit eine Einteilung gegenübergestellt, die die Häufung bestimmter Kriterien in fünf verschiedene Cluster zusammenfasst. Es ist jedoch noch unklar, ob hierdurch präzisere Therapieentscheidungen begründet werden können.

English abstract

Diabetes mellitus. Pathogenesis and epidemiology

Diabetes mellitus is diagnosed when blood glucose is increased beyond defined threshold values, irrespective of the different pathomechanisms and clinical courses. The classical subdivision into the autoimmune type 1 diabetes, the multicausal type 2 diabetes, the specific diabetes types and gestational diabetes has been recently supplemented by a subdivision based on the clustering of typical clinical and laboratory characteristics. It is as yet unclear as to whether this will enable a more precise therapy of diabetes.

Seite 326 -330
Medizin meets Pharmazie Marcus Walckling und Simone Baltrusch, Rostock

Diabetische Retinopathie

Aktuelle Möglichkeiten von Diagnostik und Therapie

Neben einer bestmöglichen Blutglucoseregulation ermöglicht die frühzeitige Erkennung einer Retinopathie und dadurch eingeleitete Kontroll- und Behandlungsintervalle, den Sehverlust bei Patienten mit Diabetes mellitus zu minimieren. Die Erkrankung manifestiert sich durch Abnahme der Perizyten in der Kapillarwand mit folgendem Verlust der neurovaskulären Einheit der Retina. Dadurch treten zunächst Mikroaneurysmen gefolgt von Ödemen, Ablagerungen und Gefäßneubildungen auf. Diese Veränderungen können mit Funduskamera, Fluoreszenzangiographie und optischer Kohärenztomographie diagnostiziert und zur Verlaufskontrolle dokumentiert werden. Die gegenwärtige Herausforderung ist einerseits, solche Techniken auch weltweit verfügbar zu machen, und andererseits, die generierten Bilddaten adäquat und reproduzierbar computergestützt zu beurteilen (Abb. 1).

English abstract

Diabetic retinopathy. Current possibilities of diagnostic and therapy

In addition to an optimal blood glucose regulation, the early detection of retinopathy and its subsequent control and treatment intervals paves the way to minimize vision loss in patients with diabetes mellitus. The disease manifests by reduction of pericytes in the capillary wall with subsequent loss of the neurovascular unit of the retina. Thereby initially microaneurysms occur followed by edema, deposits and neovascularization. These changes can be diagnosed by fundus camera, fluorescence angiography and optical coherence tomography and documented for the follow-up. The current challenge is, on the one hand, to make such techniques available worldwide and on the other hand to assess the image data computerized in an adequate and reproducible manner.

Seite 331 -337
Medizin meets Pharmazie Ingo Rustenbeck, Braunschweig

Diabetes mellitus

Die antihyperglykämische Therapie

Da die Diagnose Diabetes mellitus durch die erhöhte Blutglucosekonzentration definiert ist, ist das zentrale Anliegen der Therapie die Reduktion dieser Größe, wenn möglich bis in den Normalbereich. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich der therapeutische Erfolg nicht einfach aus der Beeinflussung eines hieraus resultierenden Surrogatparameters, dem HbA1c-Wert, erkennen lässt. Das gilt vor allem für die Therapie des Typ-2-Diabetes. Auch die Kenntnis der Wirkungsweisen lässt das Ausmaß der therapeutischen Effektivität einer Substanz nicht vorhersagen. Insofern haben die Endpunktstudien, insbesondere bezüglich der kardiovaskulären Konsequenzen, besonderes Gewicht gewonnen. Im Nachfolgenden sollen die grundlegenden Eigenschaften der gegenwärtig in der Therapie verwendeten Substanzen und der gegenwärtige Stand der Evidenz dargestellt werden.

English abstract

The antihyperglycemic therapy of diabetes mellitus

Since the diagnosis of diabetes is defined by certain threshold levels of increased blood glucose, the central objective of diabetes therapy is to decrease these values, ideally down to normal levels. It has become evident, however, that the long-term therapeutic effect, e.g. the prevention of vascular disease, cannot be described by just one surrogate parameter derived from blood glucose, the HbA1c value. This is particularly true for type 2 diabetes. Also, knowledge of the mechanism of action of the antidiabetic drug does not permit an accurate prediction of therapeutic efficacy. For these reasons, studies providing clinical endpoints have gained in importance. This article describes the major features of the drugs currently used to treat diabetes including the present state of clinical evidence.

Seite 338 -342
Medizin meets Pharmazie Michaela Pohl, Braunschweig/Offenbach am Main, und Stephan Scherneck, Braunschweig

Adhärenz in der Therapie des Typ-2-Diabetes

Obwohl bekannt ist, dass eine langfristige, regelmäßige und korrekte Einnahme von Arzneimitteln Grundlage für den Therapieerfolg ist, ist die Adhärenz von Patienten mit Typ-2-Diabetes oft unzureichend. Die Gründe für die Nicht-Adhärenz sind vielfältig und beinhalten neben altersbedingter Einschränkung der Kognition soziale und psychologische Faktoren, geringes Wissen über die Erkrankung und ihre Folgeschäden, die Komplexität der Medikamenteneinnahme und eine fehlende Wahrnehmung der Wirkung der Behandlung. Auch eine schlechte oder fehlende Kommunikation zwischen Patient und Arzt sowie das Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie Körpergewichtszunahme oder Hypoglykämien können die Adhärenz nachteilig beeinflussen. Die pharmazeutische Betreuung von Diabetespatienten kann zu einer wesentlichen Verbesserung der Adhärenz und in der Konsequenz zu einer verbesserten Prognose beitragen.

English abstract

Adherence in the therapy of type 2 diabetes

While it is known that long-term, consistent and correct use of medication is the basis for therapeutic success, adherence of patients with type 2 diabetes is in many cases inadequate. The reasons for non-adherence are complex. In addition to age-related limitations of cognition, these include social and psychological factors, a lack of knowledge about the disease and its complications, the complexity of taking the medication, and a lack of awareness of the benefits of treatment. Inadequate communication between patient and physician as well as the occurrence of adverse drug reactions such as body weight gain and hypoglycemia can also adversely affect the adherence. Pharmaceutical care of patients with diabetes can contribute to a significant improvement in adherence and, in consequence, to an improved prognosis.

Seite 343 -344
Medizin meets Pharmazie Michaela Pohl, Braunschweig/Offenbach am Main, und Ralf Jung, Frankfurt am Main

Der multimorbide Patient mit Typ-2-Diabetes

Eine Herausforderung für die pharmazeutische Betreuung

Die Multimorbidität, die bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes häufig zu beobachten ist, führt zur Verordnung einer erheblichen Zahl an Medikamenten, wodurch das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Arzneimittelinteraktionen steigt. In diesem Fallbericht werden die Überlegungen erläutert, die bei einem Patienten mit Typ-2-Diabetes, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Hypertonus und Hyperlipidämie zu einer Umstellung der Medikation und damit zu einer Optimierung der medikamentösen Therapie des Patienten geführt haben.

English abstract

The multimorbid patient with type 2 diabetes. A challenging task for pharmaceutical care

Typically, patients with a long history of type 2 diabetes have a number of additional diagnoses. This leads to the intake of a large number of different drugs, increasing the risk of untoward effects and drug interactions. In this case report the considerations are explained which have to be made when in addition to type 2 diabetes hypertension and hyperlipidemia have to be treated, all this in a patient with a considerable burden of late stage diabetic complications.

Seite 345
Medizin meets Pharmazie

Zusammenfassung: Diabetes mellitus

Alle Antworten auf einen Blick

Seite 346
Erratum

Erratum

CHA2DS2-VASc-Score

Seite 349 -354
Übersicht Elisabeth Reiser, Bettina Böttcher und Bettina Toth, Innsbruck

Fertilitätserhalt bei Frauen

Optionen bei onkologischen und nichtonkologischen Erkrankungen

Fertilitätsprotektive Maßnahmen können sowohl bei onkologischen als auch bei nichtonkologischen Erkrankungen indiziert sein, wenn entweder eine gonadotoxische (= für die Keimdrüsen toxische) Therapie geplant oder die individuelle ovarielle Reserve aufgrund einer nicht-malignen Grunderkrankung reduziert bzw. gefährdet ist. Derzeit stehen bei Frauen die Kryokonservierung von (un-)befruchteten Eizellen und/oder Ovargewebe, die sogenannte Ovarpexie (Verlagerung der Ovarien aus dem Bestrahlungsfeld) sowie die Suppression der Ovarfunktion mittels GnRH-Analoga zur Verfügung. In Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden Zeit und der Schwere der voraussichtlichen Schädigung können auch mehrere Verfahren kombiniert werden. Die Indikationen und Techniken der einzelnen Maßnahmen werden in diesem Artikel detailliert beleuchtet.

English abstract

Fertility preservation in women

Fertility preservation can affect both women with cancer and a planned gonadotoxic therapy as well as women with certain benign diseases that reduce the ovarian reserve. Current state of the Art methods include oocyte/embryo cryopreservation, cryopreservation of ovarian tissue, ovarian transposition and/or GnRH analogs. Depending on the expected extent of ovarian damage, individual preferences and the possible delay of cancer treatment, a combination of two or more methods is possible. The following article will summarize indications and methods of fertility preservation in women.

Key words: fertility preservation, women, cancer, cryopreservation of embryos/oocytes, ovarian tissue, ovarian transposition

Seite 355
Fragen aus der Praxis

Geschmacksveränderung durch Zopiclon?

Eine Patientin klagt über Geschmacksveränderungen unter einer Therapie mit Sertralin und Zopiclon. Kann das an der Zopiclon-Einnahme liegen?

Seite 356 -363
Referiert & kommentiert Dr. Claudia Borchard-Tuch, Ratingen

Leichtes Asthma bronchiale

Niedrige Exazerbationsrate bei Budesonid plus Formoterol bei Bedarf

Bei Patienten mit leichtem Asthma bronchiale war eine Bedarfstherapie mit Budesonid plus Formoterol einer Bedarfstherapie mit Salbutamol überlegen und zeigte die niedrigste Exazerbationsrate. Im Vergleich mit einer Budesonid-Dauertherapie plus Salbutamol bei Bedarf wies die Gruppe, die Budesonid-Formoterol nach Bedarf nahm, weniger schwere Exazerbationen und eine geringere Steroid-Tagesdosis auf.

Seite 356 -363
Referiert & kommentiert Dr. Maja M. Christ, Stuttgart

Highlights vom ASCO

„Caring for every patient, learning from every patient“

Das „Annual Meeting“ der American Society for Clinical Oncology (ASCO) ist einer der größten Krebskongresse und fand Ende Mai/Anfang Juni 2019 in Chicago/USA statt. Er stand unter dem Motto „Caring for every patient, learning from every patient“. Highlights des Kongresses und zentrale Studiendaten wurden im Anschluss an den Kongress auf einer von der Firma Roche veranstalteten Pressekonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Einige der vorgestellten Ergebnisse sind im Folgenden zusammengefasst.

Seite 356 -363
Referiert & kommentiert Sylvia Obermeier, Villingen-Schwenningen; Mit einem Kommentar der Referentin

Zervixkarzinom

Kosten-Nutzwert-Analyse verschiedener Screening-Strategien

Im Jahr 2018 wurde bei 13 240 Frauen in den Vereinigten Staaten ein Zervixkarzinom diagnostiziert. Etwas über 30 % starben an dieser Erkrankung [1]. Der Zellabstrich ist seit Jahrzehnten die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Seit einiger Zeit sind für das Primärscreening darüber hinaus Tests auf karzinogene humane Papillomviren (HPV) zugelassen. Dies hat dazu geführt, dass wichtige Leitlinien in den Vereinigten Staaten mehrere Screening-Strategien nebeneinander befürworten. Welche Screening-Methode in welchen Zeitabständen zu bevorzugen ist und ab welchem Alter die Methode gewechselt werden sollte, war Gegenstand dieser gesundheitsökonomischen Analyse.

Seite 356 -363
Referiert & kommentiert Dr. Jasmine Thibaut, Stuttgart

Wussten Sie schon …?

Zweisprachigkeit kann vor Demenz schützen